Miasanrot
·16. Februar 2026
Harry Kane jagt den Rekord von Robert Lewandowski: Wie stehen die Chancen?

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·16. Februar 2026

Harry Kane hat in dieser Bundesliga-Saison bereits 26 Tore für den FC Bayern erzielt. 15 fehlen ihm damit noch bis zum Rekord von Robert Lewandowski. Schafft er das?
Mit seinem Doppelpack in Bremen schraubt Harry Kane weiter an seiner unglaublichen Torquote für den FC Bayern München. Der Engländer erzielte seine Tore 25 und 26 in dieser Bundesliga-Saison.
In den verbliebenen zwölf Partien müsste er nun noch 15 weitere Tore erzielen, um den Rekord einzustellen, den Robert Lewandowski in der Saison 2020/21 aufgestellt hat. „Alles ist möglich. Natürlich ist es noch ein langer Weg zu gehen. Es ist ein unglaublicher Rekord“, sagte Kane am Wochenende bei Sky.
Er sei aber in Topform. Doch reicht das, um am Ende Geschichte zu schreiben? Miasanrot hat sich die Daten des Torjägers genauer angesehen und vergleicht seine bisherige Saison mit der Rekordspielzeit von Lewandowski.
Zunächst mal lohnt der Blick auf die simplen Zahlen: Lewandowski erzielte seine 41 Tore damals in nur 2.602 Minuten (inklusive Nachspielzeiten). Macht einen Schnitt von 1,42 Toren pro 90 Minuten. Kane steht derzeit bei 1.945 Minuten in der Bundesliga und traf 26-mal – also 1,2-mal pro 90 Minuten.
Einfache Mathematik: Hält er seinen aktuellen Schnitt, wird es am Ende eine sehr knappe Kiste. In zwölf Spielen käme Kane dann auf 14 weitere Treffer, wenn man abrundet. Aufgerundet wären es exakt die 15, die er benötigt. Lewandowski hatte unter anderem deshalb einen so hohen Schnitt, weil er damals insgesamt fünf Bundesliga-Spiele verpasst hat.
Spannend ist derweil der Blick auf die erweiterten Statistiken von Wyscout und somit unter die Haube der Torjäger. Hier wird schnell deutlich, dass beide Stürmer davon profitieren, dass sie herausragende Elfmeterschützen sind. Lewandowski bekam in seiner Rekordsaison neun Möglichkeiten vom Punkt, achtmal traf er. Kane steht jetzt schon bei neun Strafstößen und hat alle verwandelt.

Harry Kane und Robert Lewandowski im Bundesliga-Rekord-Duell.
Der jetzt schon sehr hohe Anteil von Elfmetern ist ein Punkt, der eher gegen Kane spricht. Denn seine Abhängigkeit davon, dass es in dieser Häufigkeit Vergehen gegen den FC Bayern im Strafraum gibt, ist enorm. Ein Blick auf die Expected Goals unterstreicht das. Lewandowski hat mit etwas mehr als 1,2 xG pro 90 Minuten so schon einen deutlich höheren Wert als Kane (0,96).
Streicht man bei beiden die Elfmeter, bleiben beim Polen noch stattliche 0,84 xG, bei Kane nur noch knapp über 0,6. Die xG-Qualität ist indes bei beiden ähnlich. Beide liegen bei knapp über 0,2 xG pro Schuss, Lewandowski hat den marginal besseren Wert. Aber Kane überperformt seine xG aktuell deutlich stärker als sein Konkurrent damals.
Lewandowski lag bei 115 Prozent Toren aus seinen xG, Kane steht jetzt bei 126 Prozent. Je länger ein Zeitraum andauert, desto unwahrscheinlicher wird es, dass ein Stürmer seine xG-Werte deutlich überperformt – das gilt auch für Weltklasse-Stürmer. Ein weit verbreitetes Missverständnis ist, dass diesen unterstellt wird, dazu dauerhaft in der Lage zu sein. Der größte Unterschied aber ist, dass sie sich häufiger in gute Abschlusspositionen bringen und so Tore wie auch xG nach oben schrauben können.
Das bedeutet nicht, dass Kane seinen aktuellen Schnitt nicht wird halten können. Mit einem sehr hohen Elfmeteranteil und dem für ihn allenfalls durchschnittlichen xG-Wert aus dem Spiel heraus wird es jedoch schwer.
Ein paar Hoffnungsschimmer gibt es dennoch. Da wäre vor allem die Tatsache, dass beide Stürmer nach 22 Spieltagen bei 26 Treffern stehen und Kane wohl mehr Spiele absolvieren wird als Lewandowski damals. Der Pole fiel im Saisonfinale aus und verpasste vier Spiele. Was unterstreicht, wie herausragend seine Leistung damals war.
Für Kane ist die Phase zwischen dem 27. und 30. Spieltag die große Chance, sich in eine gute Ausgangslage für das große Finale zu bringen. Vorher droht Lewandowski wieder etwas zu enteilen: Der Ex-Bayern-Stürmer traf vom 23. bis zum 26. Spieltag zweimal dreifach (Dortmund, Stuttgart), einmal doppelt (Köln) und einmal einfach (Bremen).
Dass er aber die richtige Form hat, zeigte er in den letzten Wochen mit fünf Treffern gegen Hamburg, Hoffenheim und Bremen. Allerdings hat es der Spielplan jetzt auch erstmal in sich: Frankfurt und Gladbach sind die nächsten Heimspiele, dazwischen geht es nach Dortmund und Leverkusen. Gerade das Saisonfinale mit vielen Gegnern aus dem Tabellenmittelfeld oder gar dem unteren Drittel müsste dem Engländer aber entgegenkommen.
So oder so: Ein exakter Vergleich beider Spieler ist gar nicht so einfach. Denn beide spielen oder spielten nicht nur in ziemlich unterschiedlichen Mannschaften, sondern sind auch in ihrer Herangehensweise auf dem Platz in einigen Aspekten verschieden.
Lewandowski entwickelte sich vor allem nach dem endgültigen Abgang von Arjen Robben und Franck Ribéry in München zum absoluten Zielspieler. Er war der Dreh- und Angelpunkt aller Angriffe und die meisten Offensivaktionen endeten bei ihm. Allerdings war er ein deutlich aktiverer Stürmer, als ihm retrospektiv gern unterstellt wird.
Lewandowski erzielte 55 der 155 Saisontore des FC Bayern, kam damit auf einen Anteil von 35 Prozent. Kanes Anteil liegt derzeit bei 36 Prozent. Die „Abhängigkeit“ ist bei beiden also relativ ähnlich. Der Blick auf die Heatmaps in der Bundesliga zeigt zudem, dass auch Lewandowski viel auf dem Platz unterwegs war – nur eben mit einem stärkeren Fokus auf das offensive Zentrum.

Heatmap von Robert Lewandowski in der Saison 2020/21 (Bundesliga). Via Wyscout.

Heatmap von Harry Kane in der Saison 2025/26 (Bundesliga). Via Wyscout.
Kane hingegen holt sich die Bälle teilweise noch stärker in der eigenen Hälfte ab. Das führt dazu, dass er im Schnitt rund drei Pässe weniger pro 90 Minuten spielt und zweimal häufiger angespielt wird als Lewandowski. Weil der heutige Barça-Stürmer aber häufiger in der Gefahrenzone auftaucht, hatte er in seiner Fabelsaison auch deutlich mehr Abschlüsse als Kane – rund einen mehr pro 90 Minuten.
Dafür hat Kane mannschaftlich gesehen große Vorteile. In der Bundesliga-Saison 2020/21 erzielten die Bayern insgesamt „nur“ 2,91 Tore pro Partie und erspielten sich 2,53 xG. In dieser Saison sind es 3,73 Tore und 2,76 xG. Die Mannschaft mit Kane ist also insgesamt offensivstärker als die mit Lewandowski. Wichtige Faktoren dürften Luis Díaz und Michael Olise sein, aber auch die Spielweise von Vincent Kompany hat insgesamt mehr taktische Tiefe und Struktur als die damalige.
Lewandowski erzielte seinen Rekord in einer Mannschaft, die unter Hansi Flick eigentlich schon wieder dabei war, leicht an Niveau zu verlieren im Vergleich zur herausragenden Rückrunde 2019/20. Dass Kane sich so selbstlos ins Spiel seiner Mannschaft integriert und teilweise Aufgaben eines Achters übernimmt, hilft der Offensive insgesamt ebenfalls.
Es könnte vielleicht dazu führen, dass Lewandowskis Fabelrekord am Ende nicht fallen wird. Wenn es aber dazu führt, dass die Bayern mindestens zwei Titel gewinnen, wird Kane das wohl verschmerzen können.









































