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·5. März 2026
Harry Kane jagt Lewandowskis Rekord – und schürt und spürt selbst den Druck

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·5. März 2026

Mit 30 Saisontoren fehlen Kane noch elf Treffer für Lewandowskis Rekord. Der Bayern-Stürmer setzt sich selbst Etappenziele – und erhöht damit den Druck.
Dreißig Tore in einer Saison, zehn Spiele noch zu spielen, und Harry Kane spricht von „ziemlich ausgeglichenen Chancen". Ich muss gestehen: Diese Bescheidenheit irritiert mich. Nicht weil sie falsch wäre, sondern weil sie so untypisch ist für einen Stürmer, der seit Jahren zu den besten der Welt zählt.
Kane hat sich ein System gebaut, das ihm hilft, den Druck zu kanalisieren. Fünf Spiele, fünf Tore – so bricht er die Jagd auf Lewandowskis 41 Treffer aus der Saison 2020/21 herunter. Eine Methode, die Kontrolle suggeriert, wo eigentlich Chaos herrscht. Denn Fußball lässt sich nicht in Excel-Tabellen pressen. Ein Pfostenschuss hier, eine Verletzung dort, ein Schiedsrichter, der den Elfmeter nicht gibt – und plötzlich stimmt die Rechnung nicht mehr.
Was mich an Kanes Herangehensweise fasziniert, ist die Ehrlichkeit dahinter. Er weiß, dass Lewandowski in seiner Rekordsaison sogar Spiele verpasst hat und trotzdem diese absurde Marke erreichte. Der Pole erzielte Hattricks am Fließband, während Kane bisher konstant, aber selten explosiv trifft. Das ist kein Makel, es ist ein anderer Weg. Aber ob dieser Weg zum Rekord führt, bleibt offen.
Die Gegner bis zur Länderspielpause haben es in sich: Gladbach, zweimal Atalanta in der Champions League, Leverkusen, Union Berlin. Kane selbst räumt ein, dass manche dieser Partien „schwerere Spiele" sind. Dass er trotzdem ein Tor pro Spiel als Erwartung formuliert, zeigt sein Selbstverständnis. Aber es zeigt auch, wie schmal der Grat zwischen Ambition und Selbstüberschätzung sein kann.
Ich beobachte bei Kane einen Spieler, der sich nicht von Rekorden treiben lassen will, aber längst von ihnen getrieben wird. Er betont, es gehe ihm nicht grundsätzlich um Bestmarken, sondern darum, was er selbst erreichen sollte. Das klingt vernünftig. Aber wer sich öffentlich Fünf-Tore-Etappen setzt und die Chancen auf den Rekord als „ausgeglichen" bezeichnet, der hat den Rekord längst im Kopf.
Das Problem ist nicht Kanes Ehrgeiz. Das Problem ist die Erwartungshaltung, die er selbst schürt. Jedes torlose Spiel wird nun zur Krise stilisiert werden. Jeder Hattrick zum Beweis, dass er Lewandowski doch noch einholen kann. Die Medien werden mitzählen, die Fans werden mitzählen, und Kane wird so tun, als zähle er nicht mit.









































