Rund um den Brustring
·27. Februar 2026
Hauptsache Portugal

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Im Rückspiel gegen Celtic ist der VfB zwar drückend überlegen, aber ziemlich zahnlos unterwegs — was vielleicht auch der Europapokal-Arithmetik geschuldet ist.
Einen 0:1‑Rückstand über die Zeit zu bringen, widerspricht nicht nur allgemein dem Verständnis von Fußball, sondern insbesondere dem Selbstverständnis unseres Vereins in den letzten Jahren. Und trotzdem konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Spieler im Brustring gerade gegen Ende des Heimspiels gegen Celtic vorrangig darauf bedacht waren, nicht kurz vor Abpfiff ein zweites und in der Nachspielzeit möglicherweise ein drittes Gegentor zu kassieren, welches den Auswärtssieg im Hinspiel egalisiert hatte. So enttäuschend es ist, ein Heimspiel ohne eigenes Tor zu verlieren, so sind solche Spiele grundsätzlich eben auch Teil des Systems aus Hin- und Rückspiel: Der VfB lag mit 4:2 vorne und hatte keinen Grund, noch einmal all-in zu gehen.
Und dennoch war die Partie gegen die Schotten enttäuschend. Nicht von der Stimmung im Stadion und in der Stadt her und auch nicht von den grundsätzlichen Bemühungen unserer Mannschaft, auch das Rückspiel auf ihre Seite zu ziehen. Denn der VfB war drückend überlegen, Celtic kam insgesamt nur zu drei Torschüssen: einem nach 30 Sekunden, einem nach 52 Minuten und einem in der 90. Leider war der erste drin und der schottische Meister befand sich danach in einer Art Limbo zwischen mehr wollen und nicht mehr können und dann irgendwann auch keine Zeit mehr haben. Das änderte aber nichts daran, dass der VfB, wie am Sonntag den Heidenheimern, Celtic zu viel Raum gab und sich durch Abspielfehler und verlorene Zweikämpfe im Mittelfeld immer wieder selber im Weg stand. Vielleicht war es nach dem frühen Rückstand auch erneut die Angst vor dem nächsten Gegentor, die zu Unsicherheiten im Aufbauspiel führte. Auf jeden Fall wirkte die Mannschaft erneut nicht voll auf der Höhe und das gegen einen Gegner, der mit einer fast komplett neuen Startelf antrat und momentan auch nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzt.
Hinzu kam, dass der VfB selber mit einer Startelf auflief, der vielleicht etwas die Souveränität für ein Europapokal-Spiel fehlte. Luca Jaquez, mit 22 Jahren der ältere der beiden Innenverteidiger, spielte zum ersten Mal seit November von Beginn an und weder er noch Finn Jeltsch strahlten im Verbund die Stabilität eines Jeff Chabot aus. Davor agierte mit Chema ein Spieler, der ebenso großes Potenzial besitzt, aber nicht nur beim 0:1 nicht auf der Höhe war, sondern dem es auch mit Atakan Karazor zu selten gelang, das Offensivspiel des VfB voranzutreiben. Und vorne liefen mit Tiago Tomás und Badredine Bouanani zwei Spieler auf, die Du eher für das schöne Spiel bei einer einigermaßen komfortablen Führung einsetzen kannst, aber nicht unbedingt, wenn du fast das gesamte Spiel einem Rückstand hinterherläufst. Das ist keinesfalls als grundsätzliche Kritik an den genannten Spielern zu verstehen, aber irgendwie passte die Mischung an diesem Donnerstagabend nicht, hinzu kam die bereits angesprochene Haltung zum Gesamtspielstand.
Und natürlich mal wieder der VAR. Wobei man sich schon fragen muss, was sich der vierte Offizielle dabei dachte, als er Ermedin Demirovic in dem Moment reinschickte, als der VfB gerade über genau diese Seite angriff. Es kann aber nicht sein, dass ein Computer eine Lotlinie an einem Körperteil zieht, mit dem der Spieler gar kein Tor erzielen kann, weil es sonst abgepfiffen würde — Handspielroulette hin oder her. Dass Spieler im Sprint mit dem Oberkörper nach vorne gehen liegt in der Natur der Sache, weswegen es auch wesentlich sinnvoller wären, die Abseitslinie, wenn man sich schon dieser Pseudogenauigkeit hingeben will, an den Füßen zu ziehen. So macht der Videoassistent aber weiterhin nichts am Fußball besser sondern führt nur zu Entscheidungen, die nicht nur Fans, sondern auch immer mehr direkt am Spiel beteiligte nicht mehr nachvollziehen können.
Unterm Strich aber steht der VfB zum ersten Mal seit 13 Jahren und zum fünften Mal in diesem Jahrtausend im Achtelfinale eines europäischen Wettbewerbs und spielt nun entweder gegen den FC Porto oder den SC Braga. Klar ist, in diesen Spielen, genauso wie am Sonntag gegen Wolfsburg, braucht es wieder eine ganz andere Schärfe im Spiel. Gleichzeitig ist dies eine wirklich lange Saison, in der die Mannschaft immer wieder verschiedene Wellen durchläuft: Bis dato hat der VfB 23 Bundesliga-Spiele, vier Pokalspiele, zehn Europapokalspiele und ein Supercup-Spiel absolviert, in Summe also 38 Spiele und damit vier Partien mehr als in einer regulären Bundesliga-Saison. Wer weiß, wo wir in zwei Wochen stehen oder im April vor dem Pokal-Halbfinale. Jetzt heißt es, trotz des Ergebnisses, erstmal den Moment genießen und den Flug nach Portugal buchen.
Titelbild: © Sebastian Widmann/Getty Images
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