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·21. September 2026
Heftige Wirtz-Kritik: Warum Carragher im Kern Recht hat

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·21. September 2026

Dass Florian Wirtz ein außergewöhnlicher Fußballspieler ist, steht außer Frage. Spätestens in der historischen Meistersaison von Bayer 04 Leverkusen hat der offensive Mittelfeldspieler gezeigt, dass er das Zeug hat, in absehbarer Zeit zu den Besten der Welt zu gehören. Genau dafür ging er den mutigen Schritt zum FC Liverpool. Er verließ seine Komfortzone, ging in ein fremdes Land, in eine fremde Liga und zu einem der größten Vereine der Welt. Natürlich liegt dort eine ganz andere Aufmerksamkeit auf ihm als in seinem vorherigen Klub, was auch eine neue Drucksituation bedeutet.
All das sind Faktoren, die zumindest teilweise erklären können, warum Wirtz auf der Insel noch nicht so richtig aufgeblüht ist. Auch das erste Jahr unter Arne Slot war kein einfaches: Angefangen vom Tod des Teamkollegen Diogo Jota über einen großen Umbruch bis hin zu einer enttäuschenden Saison des gesamten Kollektivs. Hinzu kommt, dass Wirtz von Slot nicht immer auf seiner Position, der Zehnerposition, eingesetzt wurde.
Unter Andoni Iraola sollte ab diesem Sommer alles besser werden. Ein Neuanfang mit einem neuen Trainer, der ähnlich wie einst Jürgen Klopp auf einen mutigeren Angriffsfußball setzt. Noch dazu darf Wirtz seit der Ankunft des Spaniers ausnahmslos auf seiner geliebten Position spielen. Doch je länger er bei den Reds ist, desto stärker wird der Eindruck, dass es zwischen dem Spieler und dem Verein einfach nicht so passt, wie man sich das noch im vergangenen Jahr bei seiner Verpflichtung vorgestellt hat. Was damals nicht zu Unrecht wie ein Titel gefeiert wurde, denn gleichzeitig zogen interessierte Konkurrenten wie der FC Bayern den Kürzeren.
Im Vergleich zur Vorsaison hat sich Wirtz' Situation aber (noch) nicht verändert. Bei den Reds zeigt er seine Qualitäten weiterhin zu selten, und wenn, dann meist nur in Ansätzen. Nun sorgte Jamie Carragher mit seiner erneuten Kritik an Wirtz für Aufsehen. Laut der Liverpool-Ikone, die seit Jahren als Sky-Experte in England bekannt ist, ist der Spieler nur die Hälfte seines Preises wert, also knapp über 60 statt 125 Millionen Euro. Und: "Ich glaube nicht, dass Wirtz seit seiner Ankunft bei Liverpool außer Form ist. Ich glaube tatsächlich, dass wir das sehen, was er ist."

Jamie Carragher sieht Florian Wirtz kritisch | James Gill - Danehouse/GettyImages
Man muss Carraghers Wortwahl, der sich in der vergangenen Saison auch bezüglich Mohamed Salah populistischer Ausdrucksweise bediente, nicht gut finden. Und darüber, ob Wirtz tatsächlich "nur" 62,5 Millionen Euro kosten sollte, lässt sich sicher streiten. Im Kern muss man dem Kritiker jedoch Recht geben. Zumindest in Bezug auf das, was von Wirtz bisher in Liverpool zu sehen war.
Denn auch wenn es ihm nicht an Einsatz und Leidenschaft mangelt, wartet man in Liverpool weiterhin auf die vielen versprochenen magischen Momente des 23-Jährigen. Schließlich wurde er genau dafür verpflichtet – und nicht für seine Laufleistung und Zweikämpfe. In den ersten sechs Pflichtspielen der neuen Saison gelang ihm jedoch kein eigener Treffer und nur eine Torvorlage. Damit knüpft er – um es überspitzt zu sagen – nahtlos an die unglückliche Vorsaison an, in der er seine Klasse nur phasenweise abrufen konnte. Es scheint, als würde also mehr als nur ein Formtief dahinterstecken.
Angesichts von Wirtz' Potenzial, das zumindest jedem deutschen Fußballfan bekannt sein sollte, ist klar: Da kann (und muss) mehr kommen. Bei der Bewertung sollte weiterhin auch berücksichtigt werden, dass der Transfer nicht nur eine Investition in den aktuellen Kader, sondern auch eine langfristige Verstärkung darstellen sollte. Immerhin unterschrieb Wirtz einen langfristigen Vertrag bis 2030.
Und klar, für den hohen Preis kann der Spieler nichts. Dass solche horrenden Ablösesummen heutzutage praktisch schon zur Normalität gehören, ist nicht Wirtz' Schuld, sondern ein allgemeines Problem im Weltfußball. Gleichzeitig sollte der gezahlte Preis aber auch kein Freifahrtschein für Wirtz sein. Deshalb wird Carraghers Forderung, der deutsche Nationalspieler gehöre nicht in die Startelf, immer verständlicher. Denn auch Wirtz sollte – wie jeder andere auch – rein nach seiner Leistung und nicht nach seinem Potenzial bewertet werden.
Wenn Wirtz in den kommenden Wochen und Monaten nicht aufblüht, ist es nur eine Frage der Zeit, bis Iraola sich gezwungen sehen wird, den eigentlichen Ausnahmekönner auf die Bank zu setzen. Denn an Konkurrenz mangelt es im Kader des LFC ganz sicher nicht. Neben Dominik Szoboszlai, der ebenfalls bevorzugt auf der Zehn spielt, gibt es fürs zentrale Mittelfeld mit Alexis Mac Allister, Ryan Gravenberch und dem aufstrebenden Talent Trey Nyoni reichlich Konkurrenz.
Es bleibt spannend, wie Coach Iraola nun weiter vorgeht, um endlich das Beste aus Wirtz herauszuholen. Denn der FC Liverpool wird den Spieler noch lange nicht aufgeben, und das nicht nur aufgrund der hohen Ablösesumme. Wenngleich einen das Gefühl beschleicht, dass er an anderen Adressen besser aufgehoben wäre...
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