Rund um den Brustring
·28. November 2025
Heute ein König

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·28. November 2025

Der VfB siegt deutlich bei den Go Ahead Eagles und klettert in der Europa League-Tabelle weiter nach oben. Die Gastgeber waren indes nicht nur mit der Effizienz der Brustringträger überfordert.
Das sind doch eigentlich die Auswärtsspiele, wie Du sie liebst: Kleines enges Stadion, alle gegen Dich und dann zaubert Deine Mannschaft einen Auswärtssieg auf den Rasen, der keine Diskussionen zulässt, während Du im Gästeblock ausgelassen feierst. So hätte es auch in Deventer sein können, am Ende stimmte im fünften Europa-League-Spiel der Saison nur das Ergebnis. Leider waren weder Gegner, noch Stadion, noch Stadt in der Lage, diesem Europapokalspiel einen angemessenen Rahmen zu bieten.
Die beiden teils sehenswerten, teils kuriosen Treffer von Jamie Leweling bekam ich immerhin noch zu sehen, beim Anpfiff aber steckte ich gerade im einzigen Drehkreuz, welches den Einlass zum Gästeblock regulierte — und dass, obwohl ich mich an die lächerlichen Auflagen gehalten hatte, die Möchtegern-König Ron von Deventer (jaja, ich weiß, no jokes with names, aber der lag auf dem Elfmeterpunkt) erlassen hatte: Ich war zum Fan-Parkplatz am Stadtrand gefahren und nach einer halben Stunde Warten mit dem Shuttle-Bus zum Fab-Treffpunkt gefahren. Die Innenstadt zu betreten, war mir als VfB-Fan ja verboten. Ohne Anlass einfach so,
Danach hatte ich, wie alle anderen ca. 500 VfB-Fans meinen Voucher gegen ein Ticket umgetauscht, aber nicht, bevor ich nicht am Einlass in eine Brauerei, in der sich nur VfB-Fans aufhielten, aufs genaueste abgetastet wurde — kritisch beäugt von niederländischen Polizisten die mit ihren runden Schildern aussahen, als hätte am Donnerstag in Deventer noch ein Mittelalter-Spektakel stattgefunden. Anschließend blieb ich eingesperrt auf dem Gelände der Brauerei — das anlasslose Innenstadtverbot galt ja weiterhin — und wartete darauf, dass uns erneut ein Shuttle-Bus zum Stadion bringen sollte.
Erheiternd wurde es kurz, als es hieß, dass diese Busse nur den Fans im Gästeblock zur Verfügung stünden und dass die Fans auf der Haupttribüne, dass Innenstadtverbot missachtend, durchs mittlerweile dunkle Deventer zum Stadion laufen sollten. Am Ende führen sie wohl wie wir einen riesigen Umweg, gefühlt bis fast an die deutsche Grenze, bevor die Shuttle-Busse eine Viertelstunde vor Anpfiff endlich am Stadion ankamen. Die Anfahrt so desaströs zu organisieren ist das eine — die Leute bei der Abfahrt aber über eine Stunde hin den Bussen am Stadion warten zu lassen, ist nur noch unwürdig.
Dazwischen machte der VfB kurzen Prozess mit der Heimmannschaft und stutzte den Adlern so gehörig die Flügel, dass die sich irgendwann nur noch mit wüsten Beleidigungen zu helfen wussten. Bezeichnend, wie der Ball zum 2:0 ins Tor kullerte, wie Deniz Undav ohne Probleme Bilal El Khannouss das 3:0 auflegen konnte und wie einfach Badredine Bouanani zu seinem zweiten Europapokal-Tor für den VfB kam. Deventer deutete zwar mit hohem Anlaufen und Pressing an, wie sie hätten gefährlich werden können, so richtig wurde aber nicht deutlich, wie Aston Villa und zuletzt Feyenoord hier hatten verlieren können. Der VfB presste einfach selber hoch und übertölpelte so die heimische Abwehr. So fielen selbst die eigenen kleineren Unsicherheiten nicht ins Gewicht. Und mit nunmehr neun Punkten bei noch zwei Heimspielen haben wir allerbeste Chancen, auch nach dem Januar nochmal international auswärts fahren zu können.
Wobei man sich langsam fragen muss, ob es das wert ist (ist es natürlich) und damit zurück zum kleinen König aus der kleinen Stadt. Hatte er vor dem Spiel noch vollmundig angekündigt, dass man sich auf ein tolles Fußballspiel freue, ziehen seine behördlichen Anordnungen, dieses Gerede komplett ins Lächerliche. Was auch immer beim kontrollierten Einlass in die Brauerei (!) vorgefallen sein mag — ich war nicht dabei: Offensichtlich war es dem König und seinem Hofstaat nie ein Anliegen, Gäste zu einem Fußballfest zu empfangen. Denn Gästebusse bereits an der Autobahn abzufangen und dann nach einem Vorfall pauschal der Stadt zu verweisen, hat nichts mit Gastfreundlichkeit zu tun — ebensowenig wie das von Alexander Wehrle beschriebene und mehrfach festgehaltene Verhalten der örtlichen Polizei (die mit den Mittelalter-Schildern).
An dieser Stelle mal viel Respekt an unseren CEO, den ich ja bei weitem nicht unkritisch sehe. Aus der sonst in der Branche verbreiteten Funktionärskumpelei auszubrechen und — nicht zum ersten Mal — die Misshandlung von Fans deutlich anzusprechen, ist wichtig und richtig. Während Feyenoord-Fans in Stuttgart sogar ein Biergarten aufgemacht wurde und sie zum Dank einen Busch abfackelten und den Gästeblock auseinander bauten, sind Auswärtsspiele in Europa für VfB-Fans regelmäßig Spießrutenläufe, die einem den Spaß am Reisen und Fußballschauen ordentlich vermiesen.
Angesichts der Leistungen der Eagles dürften wir Deventer so schnell nicht mehr besuchen müssen. Denn die Stadt und ihr Oberhaupt sind offenbar nicht in der Lage, ein Europapokal-Spiel auszurichten. Ich weiß nicht, ob König Ron dem gleichen Sicherheitsfetischismus frönt wie die deutschen Innenminister oder ob er mit der Organisation seiner Stadt schlicht überfordert ist. Aber neben dem Innenstadtverbot ist eine Verordnung, die auf Vermutungen der Polizei basiert, “dass es im Zusammenhang mit dem Fußballspiel Go Ahead Eagles – VfB Stuttgart zu schweren Störungen der öffentlichen Ordnung und Sicherheit kommen könnte” und die der Polizei das Recht einräumt, “sofort gegen Personen vorgehen, die sich im Rahmen des Fußballspiels auf der Straße aufhalten und den Anweisungen der Polizei nicht Folge leisten”, nur schwer mit dem Gedanken eines freizügigen Europa zu vereinbaren. Aber vielleicht ist Deventer ja in Wirklichkeit eine verkappte Monarchie, wo der König tun und lassen kann, was er will. Dass das Verhalten der Behörden Konsequenzen seitens der UEFA nach sich zieht darf ohnehin bezweifelt werden.
Die wahren Könige von Deventer tragen ohnehin einen Brustring.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass fasst zusammen: “Sportlich nicht mehr als ein Sparringspartner, atmosphärisch ohne jeden Respekt, organisatorisch unter aller Sau. Alle in Deventer waren mit dem Spiel gegen den VfB überfordert.”
Titelbild: © Rund um den Brustring









































