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·21. Juni 2026
Historische Torflut: WM 2026 erreicht 100-Tore-Marke in Rekordtempo

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Die WM 2026 hat eine historische Marke früh geknackt: Schon im 33. Spiel fiel das 100. Turniertor. Seit 1958 ging es damit bei keiner Weltmeisterschaft schneller, nur 1954 in der Schweiz wurde die Hundertermarke noch zügiger erreicht. Damals, beim Titelgewinn von Westdeutschland, dauerte es lediglich 20 Partien.

Englands Kapitän Harry Kane verwandelt sicher den Elfmeter zum 1:0 im Gruppenspiel L der FIFA Weltmeisterschaft 2026 gegen Kroatien am 17. Juni 2026 im Dallas Stadium in Arlington, Texas. Richard Pelham / Getty Images
Den Jubiläumstreffer erzielte Liverpools Cody Gakpo mit dem vierten Tor der Niederlande beim 5:1 gegen Schweden. Die Zahlen zeigen: Das Turnier in den USA, Mexiko und Kanada liefert bisher im Schnitt 3,09 Treffer pro Begegnung und steuert klar auf mehr als 300 Tore zu.
Schon das Eröffnungsspiel deutete an, wohin die Reise geht. Mexikos Julian Quinones traf am 11. Juni beim 2:0 gegen Südafrika in Mexiko-Stadt zum ersten Mal in diesem Turnier. Seitdem reiht sich eine torreiche Partie an die nächste.
Vom 7:1 Deutschlands gegen den WM-Neuling Curacao in Houston am 14. Juni bis zum 6:0 Kanadas gegen Katar in Vancouver vier Tage später gab es gleich mehrere klare Resultate. Ex-England-Torhüter Joe Hart, der für BBC Sport vor Ort arbeitet, sieht einen möglichen Grund im Adidas-Spielball Trionda. Mehrere Keeper seien bereits von dessen Flugbahn überrascht worden. Das wurde auch bei Kylian Mbappés zweitem Treffer gegen Senegal deutlich, als Frankreichs Kapitän Edouard Mendy aus 30 Metern überwand. Es war das längste Tor des Turniers.

Blick in das ausverkaufte Houston Stadium: Die Videowand zeigt den deutlichen 7:1-Spielstand, als Deutschland am 14. Juni 2026 sein WM-Gruppenspiel der Gruppe E gegen Curaçao bestreitet. (Lars Baron / Getty Images)
Allein in der ersten Runde der Partien fielen fünf Tore aus mehr als 22 Yards Entfernung. Zwei davon erzielte Schwedens Yasin Ayari gegen Tunesien aus 24,8 und 24,3 Yards. Dazu kommen Connor Metcalfe aus Australien mit einem 25,6-Yard-Tor gegen Tunesien und Ismael Saibari mit einem Treffer aus 24,7 Yards gegen Brasilien. Insgesamt wurden schon mehr als zehn Tore von außerhalb des Strafraums erzielt, hinzu kommen abgefälschte oder durch Abpraller begünstigte Abschlüsse nach Unsicherheiten der Torhüter.
Auch Paul Robinson, ehemaliger englischer Nationalkeeper und BBC-Experte, warnt vor vorschnellen Urteilen. Er sagte: „Es gab ein oder zwei Situationen, in denen dieser Ball sich nicht unbedingt so verhalten hat, wie man es erwarten würde. Das sollte man im Auge behalten.“
Dass ein WM-Ball für Diskussionen sorgt, ist nicht neu. 2010 in Südafrika erlangte der Jabulani wegen seines starken Effekts mit Swerve, Dip und Drift Kultstatus und galt als Mitgrund für mehrere Distanztreffer. David James kritisierte ihn damals scharf und sagte, er werde „zusätzliche Tore erlauben“ und „einige Torhüter blöd aussehen lassen“. Später erklärte er: „Der Ball ist furchtbar. Er ist schrecklich, aber er ist für alle schrecklich.“ Am Ende jenes Turniers fielen 26 der 145 Treffer von außerhalb des Strafraums.
Ein weiterer Faktor könnte die aufgeblähte Struktur sein. Das erstmals auf 48 Teams erweiterte und auf 104 Spiele angelegte Turnier hat bisher nur einen torlosen Ausgang gesehen. Nach 33 Partien steht einzig das 0:0 von WM-Debütant Kap Verde gegen Spanien in Atlanta am 15. Juni zu Buche. Für die Blue Sharks war es dennoch ein denkwürdiger Abend.
Kap Verde gehört zu vier Nationen, die bei dieser Endrunde erstmals dabei sind. Auch Curacao, Jordanien und Usbekistan feierten ihr Debüt. Curacao, gemessen an Fläche und Bevölkerung der kleinste je teilnehmende WM-Starter, kassierte zum Auftakt ein 0:7 gegen Deutschland. Thomas Frank, früher bei Brentford und Tottenham, ordnet den Qualitätsunterschied zwar ein, relativiert ihn aber zugleich. Er sagte: „Natürlich hat es mit mehr Teams und schwächer eingeschätzten Gegnern einen kleinen Einfluss auf die Qualität gehabt. Aber abgesehen von ein paar Partien, etwa Deutschland gegen Curacao, in der das Spiel irgendwann aus dem Ruder lief, sind bisher nicht allzu viele Mannschaften komplett auseinandergefallen.“
Jordanien, in der Fifa-Weltrangliste auf Platz 68, startete mit einem 1:3 gegen Österreich, ebenso verlor Usbekistan gegen Kolumbien mit 1:3. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob die längeren Pausen zwischen den Spielen den Favoriten helfen. Mexiko, das das Turnier am 11. Juni eröffnete, musste eine ganze Woche auf die zweite Partie gegen Südkorea warten. Könnten frischere Beine also den offensiven Schwung zusätzlich befeuern?

Mattias Svanberg bejubelt im Estadio BBVA in Monterrey das 4:1, einen Treffer auf dem Weg zum schwedischen 5:1-Auftaktsieg gegen Tunesien. Foto: David Ramos/Getty Images
Hinzu kommt die Hitze in Nordamerika. Bei diesem Turnier liegt der Schnitt bei 3,09 Toren pro Spiel und damit deutlich über Katar 2022, als im Dezember wegen der Temperaturen im Nahen Osten 2,69 Treffer pro Partie gezählt wurden. Von den inzwischen 105 Toren nach Deutschlands Sieg über die Elfenbeinküste fielen 30 zwischen der 76. Minute und dem Abpfiff, also 28,6 Prozent. Damit liegt die Endphase auf Kurs zum sechsthöchsten Wert der WM-Historie und zum höchsten seit 2014.
Auffällig sind zudem Fehler im Spielaufbau. Tunesiens Ellyes Skhiri verlor gegen Schweden in einer gefährlichen Zone den Ball, worauf Viktor Gyökeres traf. Die Nordafrikaner produzierten insgesamt sechs Ballverluste, die zu Abschlüssen führten, vier davon direkt zu Gegentoren, als Graham Potters Team einen 5:1-Sieg feierte. Auch die verpflichtenden dreiminütigen Trinkpausen stehen im Fokus, weil sie nicht nur der Flüssigkeitsaufnahme dienen, sondern Trainern Gelegenheit für neue Anweisungen und taktische Korrekturen geben. Murat Yakin, Schweizer Nationaltrainer, sagte: „Man kann den Spielern sagen, was sie tun sollen. Wir können ihnen Bilder zeigen. In drei Minuten können wir mit ihnen sprechen, über Auswechslungen sprechen, über Änderungen sprechen.“
Ein weiterer Treiber des Torrauschs ist die Form der großen Namen. Lionel Messi legte gegen Algerien einen Hattrick auf, Kylian Mbappé traf doppelt gegen Senegal, Vinicius Jr. erzielte in Brasiliens beiden Partien jeweils ein Tor. Erling Haaland, der mit 27 Toren für Manchester City den Premier-League-Goldenen Schuh der Saison 2025/26 gewann, schnürte beim 4:1 Norwegens gegen Irak ebenfalls einen Doppelpack. Dasselbe gelang England-Kapitän Harry Kane beim Sieg über Kroatien.
Thomas Frank verweist darauf, dass viele Ausnahmespieler körperlich auf einem anderen Niveau anreisen als noch bei früheren Turnieren. „Wir haben bei Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften so oft gesehen, dass Topspieler nach einer harten Saison nicht voll fit waren, genau wie Harry Kane vor zwei Jahren bei der Euro 2024„, sagte er. „Aber er und andere Schlüsselspieler wie Lionel Messi und Erling Haaland sind alle in Topform und sehen absolut fit aus.“
Auch Micah Richards sieht die Ursache weniger im Taktikpuzzle als im Selbstverständnis der Offensivkräfte. Der frühere Manchester-City-Verteidiger sagte zu BBC Sport: „Die Angreifer bei dieser WM wirken so selbstbewusst.“
„Es ist, als würden sie alle glauben, dass sie treffen werden, und jeder vertraut auf sich selbst. Es geht inzwischen weniger um Taktik und mehr um das positive Gefühl, bei einer Weltmeisterschaft zu sein.“







































