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·12. Mai 2026

HSV wagt den unbequemen Weg: Kathleen Krüger statt Profis von der Stange

Artikelbild:HSV wagt den unbequemen Weg: Kathleen Krüger statt Profis von der Stange

Die 40-Jährige kommt vom FC Bayern nach Hamburg und folgt auf Stefan Kuntz. Auf operativer Ebene bildet sie mit Eric Huwer ein Duo.

Der Hamburger SV hat seine wichtigste Personalie für die kommende Saison entschieden, und sie fällt bemerkenswert aus: Kathleen Krüger wird im Sommer neue Sportvorständin an der Elbe, Nachfolgerin von Stefan Kuntz, dessen Abschied Anfang des Jahres für laute Nebengeräusche gesorgt hatte. Die 40-Jährige kommt vom FC Bayern, wo sie nach ihrer sportlichen Karriere zunächst als Teammanagerin einen Namen machte und zuletzt die Organisation und Infrastruktur verantwortete. Das ist eine Entscheidung, die man zweimal lesen muss, nicht weil sie spektakulär wäre, sondern weil sie so unaufgeregt Wege öffnet, die im deutschen Fußball selten betreten werden.


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Denn die öffentlich diskutierten Alternativen trugen die erwartbaren Namen. Eine Beförderung von Kaderplaner Claus Costa aus den eigenen Reihen wäre der bequeme Weg gewesen, Sebastian Kehl, zuletzt Sportdirektor beim BVB, hätte die übliche Ochsentour vom Profi zum Entscheider abgebildet. Der HSV hat sich anders entschieden, und er hat sich für ein Profil entschieden, das die klassischen Ex-Profi-Karrieren auf Führungsposten nicht kopiert. Michael Papenfuß, der Aufsichtsratsvorsitzende, spricht von sportlicher Kompetenz, strategischem Denken und hoher Kommunikationsfähigkeit. Das klingt nach Phrasen aus der Pressemitteilung, meint aber auch einen Kulturwechsel.

Krüger übernimmt die Gesamtverantwortung für den sportlichen Bereich, auf operativer Ebene bildet sie künftig mit Eric Huwer ein Duo, der unter anderem die Finanzen führt. Das ist die strukturelle Entscheidung, die man sich genauer anschauen sollte. Zwei klar getrennte Zuständigkeiten, sportlich und finanziell, eine geteilte Führung, die dort funktionieren kann, wo Egos hinter Aufgaben zurücktreten. Beim FC Bayern hat Krüger über Jahre an einer Schnittstelle gearbeitet, an der es weniger um die Pose des Machers ging als um das Funktionieren eines Apparats. Genau das braucht ein Klub, der nach dem Aufstieg den Klassenerhalt schon vor dem letzten Spieltag sicher hat und nun langfristig oben mitspielen will.

Dass eine Frau auf einen Vorstandsposten dieses Traditionsklubs wechselt, ist kein Novum, der HSV erinnert in eigener Mitteilung an Katja Kraus, die von 2003 bis 2011 als damals erste Frau im Vorstand eines Fußball-Bundesligisten dem Klub angehörte. Man kann das als hanseatische Selbstbeweihräucherung lesen, man kann es aber auch ernst nehmen: In einer Branche, in der Vorstandsposten im sportlichen Bereich noch immer überwiegend von ehemaligen Profis besetzt werden, knüpft Hamburg an eine eigene Linie an, die andere Bundesligisten bis heute nicht eröffnet haben. Zwischen Kraus und Krüger liegen anderthalb Jahrzehnte, in denen im deutschen Fußball vieles über Vielfalt gesagt und wenig entschieden wurde.

Krüger selbst formuliert zum Einstand zurückhaltend, nennt den Wechsel „ein echtes Privileg" und verweist auf ihre Aufmerksamkeit für die Entwicklung des Klubs in den vergangenen Jahren. Kein großes Versprechen, keine Kampfansage an die Liga, stattdessen Anerkennung für das zuletzt Erreichte. Das ist ein Ton, den man in Hamburg in den vergangenen Jahren nicht immer gehört hat, und es ist ein Ton, der zu einem Klub passen könnte, der nach dem Aufstieg seine eigene Ungeduld bändigen muss.

Der HSV hat mit dieser Entscheidung Mut bewiesen, ohne sich als mutig zu inszenieren. Ob Krüger die entscheidenden Impulse setzt, die der Klub von ihr erwartet, wird sich an konkreter Arbeit zeigen, am Kader, an Transfers, an Verträgen. Für den Moment reicht die Feststellung, dass Hamburg eine Personalie gewählt hat, die nicht dem Pfad des geringsten Widerstands folgt.

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