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·1. Juni 2026
"Ich scheiß' mir nix!" Lennart Karl liefert ab: Nagelsmann findet seinen Joker für die WM

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Beim 4:0 gegen Finnland glänzt der 18-jährige Bayern-Profi mit zwei Vorlagen für Undav. Nagelsmann lobt seine Variabilität vor der WM.
Manchmal reicht ein Satz, um eine Haltung zu erklären. "Ich habe einfach Bock zu zocken, ich scheiß' mir nix", sagte Lennart Karl im ZDF nach dem 4:0 gegen Finnland, dem vorletzten WM-Härtetest. Dann fügte er hinzu, er "gebe Vollgas", "und dann kommen ein paar Skills dazu". Wer mit 18 sein Startelfdebüt im DFB-Trikot gibt und so nüchtern erklärt, was er tut, hat entweder das Glück der Unbedarften – oder ein sehr klares Bild von sich selbst. Bei Karl wirkt es nach diesem Sonntag in Mainz nach beidem.
Karl begann auf der rechten Seite, und er nutzte die Bühne. In der 34. Minute leitete er mit einer schnell ausgeführten Ecke das Führungstor von Deniz Undav ein. In der 57. Minute legte er dem Stuttgarter den nächsten Treffer auf. Zwei Vorlagen, beide für denselben Stürmer, und das in einem Spiel, in dem die deutsche Offensive ohnehin in Bewegung war.
Denn neben Karl agierten Jamal Musiala, sein Münchner Klubkollege, und Florian Wirtz vom FC Liverpool. Drei Spieler, die den Ball haben wollen, die Räume suchen, statt sie zu verwalten. Dass Bundestrainer Julian Nagelsmann diese Konstellation ausprobiert hat, so kurz vor der WM, ist ein Signal: Er traut der Achse aus jungen, technisch starken Offensivspielern den Ernstfall zu. Karl ist der Jüngste in dieser Reihe und kommt von einer Position, die ihm Tempo, Dribbling und Abschluss erlaubt – er muss niemanden imitieren.
Nagelsmann formulierte das Lob präzise. Karl sei "ein Spieler, der auf verschiedenen Positionen spielen kann und für uns sehr wertvoll wird". Es ist ein Satz, der nicht auf den nächsten Hype zielt, sondern auf Funktion: Variabilität, Einsetzbarkeit, Perspektive. Für einen 18-Jährigen, der bisher zwei Länderspiele als Einwechselspieler absolviert hatte, ist das mehr als ein Schulterklopfen. Es ist eine Rollenbeschreibung.
Auch Joshua Kimmich, der Kapitän, fand Worte, die nicht nach Floskel klingen. "Die Unbekümmertheit hat man in dem Alter. Er muss diese Phase der Karriere extrem genießen, er muss nur auf den Platz gehen und Spaß haben." Und weiter: "Er soll sich Dinge zutrauen, Bälle nehmen, Risiko gehen, Abschlüsse nehmen." Das ist die ältere Generation, die der jüngeren nicht den Weg vorgibt, sondern den Korridor freiräumt. Wer so spricht, hat verstanden, dass Spieler wie Karl nicht durch Zurechtstutzen besser werden, sondern durch Vertrauen.
Karl selbst hat das offenbar registriert. Er habe schon beim "Einlaufen Gänsehaut" gehabt, sagte er, die Hymne und "mein Assist waren besonders für mich". Und: "Ich habe mich sehr gefreut und bin glücklich über das Vertrauen des Trainerteams." Es ist die Mischung, die diesen Auftritt trägt: ehrliche Begeisterung, kein einstudiertes Profi-Sprech, dazu zwei Vorlagen, die sportlich ausweisen, dass die Begeisterung gedeckt ist.
Was bleibt, wenige Tage vor der WM, ist das Bild eines Offensivspielers, der nicht erst lernen muss, was ein großes Spiel ist – er lebt es. "Ich scheiß' mir nix" ist dafür kein Programm, sondern eine Beschreibung. Ob es trägt, wenn die Gegner schwerer werden als Finnland, wird sich zeigen. Für den Moment hat Karl genau das geliefert, was Nagelsmann und Kimmich von ihm sehen wollten.







































