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Matti Peters·13. September 2026

Ihn wollte eigentlich keiner! Dieser Dribbler ist jetzt die ganz große Show

Artikelbild:Ihn wollte eigentlich keiner! Dieser Dribbler ist jetzt die ganz große Show

Wenn Iliman Ndiaye den Ball am Fuß hat, geht den vielen Straßenfußballern unseres Planeten das Herz auf. Manchester Citys Neuzugang bringt eine spielerische Eleganz zu den Skyblues, die sich nicht auf dem Reißbrett entwerfen lässt. Der senegalesische Nationalspieler ist ein Freigeist, der den langen, steinigen Weg von den Käfigen Londons bis auf die allerhöchste Bühne des europäischen Fußballs gemeistert hat.

Unter Pep Guardiola hätte ein Spielertyp wie Iliman Ndiaye wohl einen schweren Stand gehabt. Guardiolas berühmter Ballbesitzfußball lebt von perfekter Raumaufteilung, präzisem Passspiel und strikter Disziplin. Pep liebte die Kontrolle über das Spiel. Unberechenbare Dribblings, die auch mal im Ballverlust enden können, passten selten in sein durchchoreografiertes System. Ein Instinktfußballer, der improvisiert und feste Zonen aufbricht, wäre unter Guardiola Gefahr gelaufen, im taktischen Korsett seine größte Stärke zu verlieren. So gesehen etwa bei Savinho, der mittlerweile bei Tottenham kickt.


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Doch unter dem neuen City-Coach Enzo Maresca weht ein anderer Wind. Der Italiener schätzt zwar ebenfalls strukturierten Ballbesitz, suchte in der Vergangenheit für seine Offensive aber häufig gezielt nach Spielern mit „Isolation-Qualitäten“. Profis, die im Eins-gegen-Eins auf dem Flügel oder im Zentrum gegnerische Ketten im Alleingang sprengen können. Gegen tiefstehende Abwehrreihen braucht Maresca genau diesen Schuss Unberechenbarkeit. Ndiaye ist für ihn kein Sicherheitsrisiko, sondern der Schlüssel, um verriegelte Räume aufzubrechen.

Tanzen hilft beim Dribbeln

Dass Ndiaye im Eins-gegen-Eins so schwer zu greifen ist, verdankt er nach eigenen Angaben auch seinem Vater. Der gelernte Tänzer und Choreograf – war sein prägendster Lehrmeister. Er brachte seinem Sohn bei, die geschmeidigen Bewegungsabläufe des Tanzes auf das Spielfeld zu übertragen. Wie Ndiaye in einem Interview mit 'Sky Sports' verriet, verdankt er ihm praktisch sein gesamtes spielerisches Fundament: „Er hat mir alles beigebracht, was ich weiß. Mit seinem Tanz- und Choreografie-Hintergrund hat er das in meine Art zu spielen integriert – zum Beispiel bei Übersteigern. Er hat mir immer gesagt: Wenn du einen Übersteiger machst, kann sich dein Körper trotzdem noch so und so bewegen.“

Daraus entwickelte der Allrounder jene unnachahmlichen Haken und Körpertäuschungen, die Abwehrspieler regelmäßig ins Leere laufen lassen. Gegenüber 'BBC Newsbeat' definierte der Angreifer seinen Begriff von Straßenfußball ganz pragmatisch als reine Effektivität mit Stil. Für ihn müsse es kein spektakulärer Rainbow Flick sein, stellte er klar: „Die Art und Weise, wie man in der Premier League an drei, vier Spielern vorbeidribbelt – das sind für mich echte Skills.“

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📸 Clive Brunskill - 2026 Getty Images

Doch so leichtfüßig seine Dribblings heute wirken, so hart war der Weg dorthin. Ndiaye gehört zu jener raren Kategorie von Profis, die das klassische Akademie-System Englands nicht mit rotem Teppich empfangen hat. Bei Probetrainings bei Klubs wie Chelsea, Tottenham, Southampton, Reading und Crystal Palace fing er sich eine Absage nach der anderen ein. Der Grund? Er galt schlichtweg als zu klein und schmächtig. In einem Interview bei seinem vorherigen Klub FC Everton erinnerte er sich an die demoralisierenden Worte der Scouts zurück: „Ich war sehr klein und sie sagten, sie hätten schon ähnliche Spieler. Den Leuten wurde sogar direkt ins Gesicht meines Vaters gesagt, dass ich niemals ein Fußballprofi werden würde.“

In solchen Momenten hielt ihn vor allem seine Familie auf Kurs. Aufgewachsen in einem Haus mit sieben Schwestern und einem Bruder, lernte Iliman früh, sich durchzusetzen. „Konzentrier dich nicht auf die Absage, irgendwann wird sich dein Glück durchsetzen“, lautete sein zentraler Ratschlag, den er später im Gespräch mit der 'BBC' an andere Nachwuchstalente weitergab.

Statt in Luxus-Internaten feilte Ndiaye auf unebenen Plätzen im senegalesischen Dakar und in den Metallkäfigen Londons an seinen Fähigkeiten. Als er zwischenzeitlich ohne Verein da stand, hielt er sich beim bekannten YouTube-Team Rising Ballers fit.

Über die Rising Ballers zum Profi

"Die Dinge, die ich dort gemacht habe, habe ich bei anderen Vereinen nicht gemacht. Es hat mir geholfen, fit zu bleiben und den Fußball mehr zu genießen, besonders wenn man keinen Verein hat“, erklärte Ndiaye dazu gegenüber 'BBC Newsbeat'.

Über den Londoner Fünftligisten Boreham Wood erkämpfte er sich schließlich mit 19 Jahren seine Chance bei Sheffield United. Dort folgte der Durchbruch: Nach einer überragenden Championship-Saison 2022/23 zog es ihn über Marseille und Everton schlussendlich zu Manchester City. Für viele Nachwuchskicker ohne Akademie-Hintergrund ist Ndiaye heute das ultimative Vorbild.

Dass Ndiaye nicht nur zaubern, sondern auch eiskalten Ertrag liefern kann, bewies er am Boxing Day 2024, als er im Etihad Stadium mit einer spektakulären Direktabnahme im Trikot von Everton gegen seinen zukünftigen Klub traf. Denn reine Show reicht ihm keineswegs: „Ich versuche nicht nur zu dribbeln, ich versuche, Tore und Vorlagen zu liefern“, betonte er ebenfalls bei 'BBC Newsbeat'.

Mit nunmehr 44 Länderspielen für den Senegal, Platz drei beim AFCON 2024 und dem aberkanntem Gewinn des Afrika-Cups 2026 sowie der Teilnahme an zwei Weltmeisterschaften schlägt der vielseitige Angreifer bei ManCity das nächste Kapitel auf. Seine Motivation formulierte er bei seiner Vorstellung bei Manchester City selbstbewusst: "Mein Herz war fest darauf ausgerichtet, zu City zu wechseln. Ich will die Fans von ihren Sitzen reißen und helfen, Spiele zu gewinnen.“ Das heutige Stadtderby gegen Manchester United ist quasi wie geschaffen für eine solche Sternstunde.


📸 Carl Recine - 2026 Getty Images

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