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·28. September 2026

„Im Mittelmaß angekommen“: Schweinsteiger rechnet ab – und Kimmich gibt ihm recht, mit einem Aber

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Augsburg. Bastian Schweinsteiger hat in seiner Karriere viele Sätze über die deutsche Nationalmannschaft gesagt. Der vom Sonntagabend dürfte einer der härtesten sein. „Wir sind keine Top-Mannschaft mehr. Wir sind im Mittelmaß angekommen“, urteilte der Weltmeister von 2014 in der ARD nach dem 0:1 gegen Griechenland. „Wir haben nicht mehr die Spieler, die den Unterschied ausmachen.“

Eine halbe Stunde später wurde Joshua Kimmich in der Mixed Zone mit dem Urteil konfrontiert. Man hätte erwarten können, dass der Kapitän die Mannschaft verteidigt. Er tat etwas anderes.


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Schweinsteigers Befund

Der 42-Jährige begründete sein Urteil mit einem direkten Vergleich. Auf griechischer Seite habe er durchaus Unterschiedsspieler gesehen: „Wenn man Karetsas, Tzolis oder auch Pavlidis vorne drin nimmt, das waren für mich heute Unterschiedsspieler. Die haben wir halt nicht.“

Es ist eine bemerkenswerte Aufzählung. Konstantinos Karetsas und Christos Tzolis spielen beide für Borussia Dortmund, stehen also im deutschen Ligaalltag – nur eben im griechischen Trikot. Vangelis Pavlidis bereitete in Belgrad den Ausgleich vor. Drei Spieler, die Griechenland zum Tabellenführer der Gruppe gemacht haben, während Deutschland mit einem Punkt Dritter ist.

Den zweiten Teil seiner Analyse richtete Schweinsteiger auf ein konkretes Defizit: „Wenn wir von hinten herausspielen müssen, ist der Einzige, der kreative Pässe spielen kann, Kimmich. Das ist der Einzige. Wenn der nicht da ist, dann wird es schwierig.“ Und er hatte einen Vorschlag zu Karim Adeyemi: Der spiele meistens links außen – „da würde ich ihn öfter einsetzen“.

Kimmichs Antwort: Zustimmung

Der Kapitän widersprach nicht. „Das müssen wir so sagen“, antwortete er auf die Mittelmaß-Frage. Und dann lieferte er eine Begründung, die schärfer ausfiel als manches Expertenurteil: „Eine Top-Mannschaft zeichnet aus, dass sie vermeintlich schwächere Gegner und vermeintliche Top-Teams schlägt. Wir haben jetzt die Niederlande nicht geschlagen, wir haben heute verloren. Dementsprechend ist die Momentaufnahme natürlich so, dass wir kein Top-Team sind. Wir sind sehr früh bei der WM ausgeschieden.“

Die Einschränkung kam im zweiten Satz. Es sei eine „Momentaufnahme, dass wir kein Top-Team sind. Trotzdem ist das jetzt nicht entscheidend.“

Das ist die eigentliche Pointe. Kimmich bestreitet den Befund nicht, er bestreitet seine Tragweite. Wer Mittelmaß ist, muss es nicht bleiben – so lässt sich die Haltung lesen. Ob sie trägt, hängt davon ab, was in den kommenden Monaten passiert.

Die Ironie des Abends

Dass Schweinsteiger ausgerechnet Kimmich als einzigen kreativen Passgeber hervorhob, bekommt vor dem Hintergrund dieses Spiels eine eigene Note. Der Kapitän leitete zwar einige der besten deutschen Szenen ein, darunter eine Großchance für Adeyemi. Er verlor in der 67. Minute aber auch leichtfertig den Ball, was beinahe zum Gegentor führte. Und sieben Minuten später fälschte er den Schuss von Dimitrios Kourbelis unhaltbar ins eigene Tor ab.

Dazu kommt ein Detail, das Schweinsteigers Warnung konkret macht: In den beiden verbleibenden Spielen dieser Länderspielphase – am Donnerstag gegen Serbien in München und am Sonntag in Thessaloniki – ist Kimmich nicht dabei. Der zweite Kader übernimmt. „Wenn der nicht da ist, dann wird es schwierig“ – das ist ab Donnerstag keine Hypothese mehr.

Schweinsteigers Vertrauen in Klopp

Bei aller Schärfe: Schweinsteiger hat den Bundestrainer nicht angezählt. Er glaubt weiterhin daran, dass Jürgen Klopp den Neuaufbau stemmen kann, und relativierte die Erwartungen selbst: „Du kannst von der Mannschaft nicht erwarten, dass sie hier mit 4:0 und dominierend gegen Griechenland vom Platz gehen.“

Klopp selbst hatte nach dem Spiel in der ARD knapp festgehalten: „Verlieren darfst du es nicht.“

Einordnung

Es ist nicht das erste Mal, dass ein früherer Nationalspieler dem DFB-Team die Klasse abspricht – aber es ist das erste Mal seit Langem, dass der Kapitän so unverstellt zustimmt. Das kann man als Selbsterkenntnis lesen oder als Zeichen, wie tief die Ernüchterung nach dem WM-Aus sitzt. Vermutlich ist es beides.

Klopp hat in dieser Länderspielphase 44 Spieler berufen, zwei davon haben sich schwer verletzt, drei haben debütiert, zwei Spiele sind verloren oder nicht gewonnen. Das Urteil „Mittelmaß“ beschreibt die Ergebnisse. Ob es auch die Perspektive beschreibt, entscheidet sich nicht in Augsburg.

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