Rund um den Brustring
·30. Januar 2026
Im Schlafwagen durch Europa

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·30. Januar 2026

Der VfB schließt die Ligaphase der Europa-League mit einem 3:2 gegen Bern auf Platz 11 ab und trifft im Februar in den Playoffs auf Celtic. Dass es danach lange nicht aussah, hat sich die Mannschaft durch einen fahrlässigen Auftritt selber zuzuschreiben. Dass die Konkurrenz einen direkten Achtelfinal-Einzug ohnehin verhinderte, tut dabei nichts zur Sache.
Manche Geschichten schreibt nur der Europapokal, könnte man meinen. Da ist der Berner Torhüter Marvin Keller bei der letzten Ecke der Young Boys in den Stuttgarter Strafraum geeilt und ist nach einem Ballgewinn des VfB schon geschlagen, da pfeift der spanische Schiedsrichter Javier Alberola Rojas den Angriff von Ermedin Demirovic aufs leere Tor einfach ab. Kurz davor trifft Bologna gegen Tel Aviv zum 3:0 und schiebt sich vor den VfB auf Rang 10. Vielleicht muss man dem Unparteiischen auch dankbar sein, geht man so doch möglichen Gegnern wie Rom, Freiburg, Aston Villa oder Lyon aus dem Weg. Dass man aber in einem Wettbewerb, in dem ein Tor am Sieg nichts mehr ändert, am weiteren Turnierverlauf aber sehr wohl, so einen Angriff abpfeift, ist schon wild und bestätigt die Meinung, die ich von den unterirdischen Schiedsrichterleistungen auf europäischer Ebene haben. Hätten wir es aber darauf angelegt, so weit oben zu landen, wie es angesichts der Punktgewinne der am Ende ebenfalls vor uns platzieren Roma und Genk möglich gewesen wäre, müssen wir uns vor allem an die eigene Nase packen.
Denn nachdem Deniz Undav und Ermedin Demirovic die Gäste, die dank unserer Kurve trotz der sinnlosen Kollektivstrafe der UEFA nicht ganz ohne Support auskommen mussten, mit zwei Toren in den ersten zehn Minuten geschockt hatten, verlor der VfB zunehmend den Zugriff auf ein Spiel, das eigentlich schon entschieden war. Und das der VfB viel höher hätte gewinnen müssen als mit 3:2. Dabei gab es nicht einmal den einen Kipppunkt im Spiel, denn eigentlich spielten die Brustringträger auch nach der frühen Führung weiter so gefällig nach vorne, dass man davon ausgehen musste, dass das dritte und das vierte Tor eigentlich nur eine Frage der Zeit waren. Dass die vielen Chancen nicht ihr Ziel fanden, ist bei dem Spielstand ja noch verkraftbar, schließlich erarbeitete sich der VfB diese immerhin und erhöhte so die Wahrscheinlichkeit auf weitere Treffer. Was die Mannschaft aber defensiv in dieser Phase bot, ist schwer nachzuvollziehen. Immer wieder gingen Bälle verloren oder wurden wild durch die Gegend gebolzt und damit den Gästen, die schon fast nicht mehr an einen Punktgewinnen und ein mögliches Weiterkommen geglaubt hatten, auf dem Silbertablett serviert.
So kam es irgendwann wie es kommen musste: Ein Abspielfehler von Fabian Bredlow und ein völlig ungedeckter Verteidiger im Rückraum nach einer Ecke sorgten für den so verdienten wie unnötigen Ausgleich für YB. Und hätte nicht mit Chema ausgerechnet ein defensiver Mittelfeldspieler den Ball in letzter Sekunde noch über die Linie gedrückt, dann wäre es auch ergebnistechnisch ein mehr als enttäuschender Abend für den VfB geworden. Denn ohne die Gäste zu unterschätzen: Wer Ansprüche auf die erneute Europapokal-Teilnahme formuliert und halb ernst, halb zum Spaß von Titeln spricht, der muss auch solche vermeintlich früh entschiedenen Spiele souverän zu Ende bringen. Schon gegen Bratislava vor etwas mehr als einem Jahr ließ der VfB einen höheren Sieg liegen, hier waren es fast die Punkte. Ohne Fabian Bredlow zu nahe treten zu wollen oder ihm die Schuld am Ausgleich zu geben war es vielleicht auch das falsche Signal von Sebastian Hoeneß, ausgerechnet in diesem Spiel den Torhüter zu tauschen. Auf jeden Fall schien sich die Mannschaft auf eine ziemlich überhebliche Weise ihrer Sache viel zu sicher und trat vor allem nach dem Seitenwechsel auch so auf: fahrlässig, gedankenlos, verpeilt. Und das wirkte sich irgendwann auf die Offensivbemühungen aus, bei denen man mitunter das Gefühl hatte, dass sich keiner so wirklich traute, überhaupt aufs Tor zu schießen und stattdessen lieber noch ein Dribbling einlegte oder eine Ablage einbaute.
Schon in Rom erging sich die Mannschaft, vielleicht auch in Angst vor einem schnellen Gegenstoß, gegen eine dichte Abwehr in Sicherheitspässen rund um den Strafraum. Diese übervorsichtige und vielleicht auch bequeme — vielleicht hat ja jemand anderes eine bessere Idee als ich — Haltung muss der VfB schleunigst ablegen. Denn eine höhere Führung hätte Bern den Stecker gezogen und allein dadurch die Gefahr von Gegentoren reduziert — ein wiederkehrendes Problem beim VfB, der so schon diverse eigentlich schon besiegte Gegner wieder ins Spiel zurückholte. Will man gegen Mannschaften wie Celtic — oder auch am Sonntag Freiburg — bestehen, dann muss man nicht nur effizienter sein, sondern wesentlich ernsthafter und konzentrierter zu Werke gehen und nicht alleine auf die eigene Qualität vertrauen — die allein reicht nämlich immer weniger, je höher man in der Tabelle klettert und je weiter man in den Pokalwettbewerben kommt. Natürlich freue ich mich auch auf die ersten K.O.-Spiele auf internationaler Bühne seit Anfang 2013 (!). Gleichzeitig hoffe ich, dass die Mannschaft nicht wieder so einen Warnschuss braucht wie das Hinspiel gegen Freiburg um vor allem gedanklich wieder in die Spur zu kommen.
Zum Weiterlesen: Der Vertikalpass greift einen altbekannten Kurvenschlager auf und meint “Stuttgart International kann man nur besoffen sehn … oder mit starken Nerven. Oder mit einer Scheiß-Egal-Einstellung.”
Titelbild: © Alex Grimm/Getty Images








































