feverpitch.de
·1. August 2026
Infantino mit WM-Verkauf gescheitert: Diesmal hat die Vernunft gesiegt

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·1. August 2026

Ein geplatztes Milliardenprojekt, ein Rücktritt, ein weltweiter Aufschrei: Wer erst durch Aufstand zur Umkehr gezwungen wird, hat mehr verloren als einen Plan.
Es kommt selten vor, dass die halbe Fußballwelt in denselben Worten spricht. Von Oslo bis Madrid, von London bis New York liest man dieselbe Diagnose: totale Niederlage, globaler Rückschlag, Demütigung. Wenn The Guardian von einem sensationellen Scheitern schreibt, Marca von einer totalen Niederlage und die Daily Mail den Präsidenten als gedemütigt bezeichnet, dann ist das kein Zufall verschiedener Redaktionen. Es ist ein Urteil, das über Sprachgrenzen hinweg deckungsgleich ausfällt. Gianni Infantino, der FIFA-Präsident, wollte Teile der Weltmeisterschaft an private Investoren verkaufen, und er ist damit kläglich gescheitert.
Wer den internationalen Pressespiegel liest, erkennt schnell, dass hier nicht nur ein Projekt beerdigt wird, sondern eine Machtfrage entschieden ist. Die AS formuliert es unmissverständlich: Die UEFA führte den Widerstand an, und nun hat Infantino den Kampf verloren. Kampf, nicht Kurskorrektur. Die Daily Mail nennt vier Namen, die den Ausschlag gaben: UEFA, CONCACAF, AFC und zwei Mitglieder der FIFA-Führung. Das ist bemerkenswert, denn es zeigt, dass die Konföderationen und Teile des eigenen Apparats sich gegen den Präsidenten stellten. Ein FIFA-Chef, der von seinen eigenen Verbänden in die Schranken gewiesen wird, steht anders da als am Tag zuvor.
Die eigentliche Frage stellt die Times, und sie ist die richtige: Der Verkaufsplan ist verworfen, doch die Revolte innerhalb der FIFA lässt ernsthafte Zweifel an Infantinos Verbleib im Amt aufkommen. Wer so weit vorprescht, dass ihm die Vernunft, wie die Gazzetta dello Sport es nennt, erst durch Aufstand aufgezwungen werden muss, der hat sich verkalkuliert. Ein Präsident, der zurückrudert, weil ein Aufschrei ihn dazu zwingt, hat keine Entscheidung getroffen, sondern eine erlitten. Das unterscheidet Führung von Getriebensein.
Bemerkenswert ist der Auslöser. Der Bruch entstand, so die AS, als der gemeinsam mit FIFA Forward Enterprise entwickelte Plan zur Öffnung der Weltmeisterschaft für private Investoren öffentlich wurde. Am Freitag trat Carlos Cordeiro zurück, Chefberater der FIFA und Berater des Präsidenten. Ein Rücktritt an der Spitze, ein geplatztes Milliardenprojekt, ein internationaler Aufschrei innerhalb weniger Tage: Das ist kein Betriebsunfall, das ist ein Kontrollverlust. Die Ordnung, die Infantino um sich herum errichtet hat, hat an einem entscheidenden Punkt nicht gehalten.
Man darf die Zahlen nicht überlesen, mit denen die Boulevardpresse hantiert. Die Sun spricht von einem 15-Milliarden-Pfund-Verkauf der Weltmeisterschaft. Ob die Summe belastbar ist oder nicht, sie markiert die Dimension dessen, was hier auf dem Spiel stand: die Vermarktung des größten Fußballturniers der Welt, ausgelagert an private Investoren. Dass die Gazzetta dello Sport von einer Privatisierung des internationalen Fußballs schreibt und dies als abgewehrt feiert, sagt viel über die Reichweite des Vorhabens.
Bleibt die Einordnung. Dass die Fußballwelt aufatmet, wie es im Pressespiegel heißt, ist die eine Seite. Die andere ist, dass ein solcher Plan überhaupt so weit gedeihen konnte, bevor er gestoppt wurde. Nicht Weitsicht hat ihn verhindert, sondern Widerstand. Und ein Präsident, der nur durch Widerstand zur Umkehr bewegt wird, hat ein Problem, das über dieses eine Projekt hinausreicht: seine Machtausübung selbst steht zur Debatte.
Unbedingt lesen: "Gedemütigt": Pressestimmen zum Rückzieher von Infantino
Live


Live


Live


Live

































