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·19. Januar 2026

Infantinos Empörung ist richtig – aber ohne Druck auf den Afrika-Cup bleibt sie folgenlos

Artikelbild:Infantinos Empörung ist richtig – aber ohne Druck auf den Afrika-Cup bleibt sie folgenlos

Nach den Ausschreitungen beim Afrika-Cup-Finale fordert der FIFA-Präsident Maßnahmen vom CAF. Ohne echten Druck der FIFA droht die Empörung folgenlos zu bleiben.

Gianni Infantino meldet sich zu Wort, und das ist bemerkenswert. Der FIFA-Präsident, der sonst gerne Konflikte aussitzt oder mit wolkigen Phrasen übertüncht, findet nach dem Chaos beim Afrika-Cup-Finale in Rabat deutliche Worte. "Inakzeptabel" und "hässlich" nennt er die Szenen, die sich dort abgespielt haben. Er fordert Konsequenzen von den Disziplinarorganen des afrikanischen Verbandes CAF. Das ist richtig. Und es ist überfällig.


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Was sich beim Finale zwischen dem Senegal und Marokko ereignete, war ein Tiefpunkt für den afrikanischen Fußball auf der größten kontinentalen Bühne. Ein umstrittener Elfmeterpfiff kurz vor Ende der regulären Spielzeit löste eine Kettenreaktion aus. Proteste auf dem Platz, Chaos auf den Tribünen, senegalesische Fans, die versuchten, auf den Rasen zu stürmen. Dass Sicherheitskräfte Schlimmeres verhinderten, ist dem Zufall zu verdanken, nicht einer funktionierenden Organisation. Dass das Spiel überhaupt zu Ende gespielt werden konnte und der Senegal durch ein 1:0 nach Verlängerung den Titel holte, grenzt an ein kleines Wunder.

Was folgt aus Infantinos Empörung jetzt?

Infantinos Forderung nach Maßnahmen ist also mehr als berechtigt. Die Frage ist nur: Was folgt daraus? Der FIFA-Präsident delegiert die Verantwortung an den CAF. Das ist formal korrekt, denn der Afrika-Cup fällt in dessen Zuständigkeit. Aber es ist auch bequem. Infantino weiß genau, dass der CAF in der Vergangenheit nicht gerade durch konsequentes Durchgreifen aufgefallen ist. Strukturelle Probleme, mangelnde Professionalität bei der Organisation von Großereignissen, fehlende Sanktionen bei Regelverstößen – all das ist seit Jahren bekannt.

Wenn Infantino es ernst meint mit seiner Empörung, dann reicht ein Instagram-Post nicht aus. Dann muss die FIFA Druck machen, Unterstützung anbieten, Standards einfordern. Der Weltverband hat die Mittel und die Macht dazu. Die Frage ist, ob der Wille vorhanden ist. Denn Infantino braucht Afrika. Der Kontinent ist seine verlässlichste Machtbasis, hier hat er seine treuesten Verbündeten. Zu viel Kritik könnte diese Allianz belasten.

Die Szenen von Rabat dürfen sich nicht wiederholen, schreibt Infantino. Das ist eine Selbstverständlichkeit, die noch keine Lösung darstellt. Fußball lebt von Emotionen, aber er stirbt an Kontrollverlust. Was in Marokko passierte, war ein Kontrollverlust auf allen Ebenen. Die Spieler, die den Platz verließen. Die Fans, die die Absperrungen durchbrechen wollten. Die Organisatoren, die offenbar überfordert waren.

Der afrikanische Fußball verdient bessere Rahmenbedingungen. Die Spieler verdienen Schutz. Die Fans verdienen Sicherheit. Infantinos Worte sind ein Anfang. Aber Worte allein haben noch nie ein Stadion sicherer gemacht.

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