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·10. Mai 2026

Irans Zehn-Punkte-Liste: Wenn ein WM-Teilnehmer zum Verhandlungspartner wird

Artikelbild:Irans Zehn-Punkte-Liste: Wenn ein WM-Teilnehmer zum Verhandlungspartner wird

Der iranische Verband knüpft die WM-Teilnahme an Visa, Sicherheit und Respekt vor Flagge und Hymne. Infantino bestätigt Spielort USA.

Der iranische Fußballverband FFIRI hat am Samstag erklärt, was auf den ersten Blick wie eine Selbstverständlichkeit klingt: Iran will bei der WM 2026 dabei sein. Nur bindet der Verband diese Teilnahme an zehn Bedingungen gegenüber den Gastgebern USA, Mexiko und Kanada. Es geht um die problemlose Erteilung von Visa, um Respekt gegenüber Flagge und Nationalhymne, um Sicherheitsgarantien an Flughäfen, in Hotels und auf den Wegen zu den Stadien. Wer einen Weltverband und drei Gastgeberländer mit einer Zehn-Punkte-Liste empfängt, bevor der erste Ball rollt, stellt die Rollenverteilung auf den Kopf. Hier tritt nicht ein Teilnehmer an, hier verhandelt eine Delegation.


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Verständlich wird diese Haltung erst im Lichte des Aprils. Damals verweigerte Kanada dem iranischen Verbandschef Mehdi Taj vor dem FIFA-Kongress die Einreise. Taj steht wegen seiner Verbindungen zu den Revolutionsgarden in der Kritik, die Kanada 2024 als Terrororganisation eingestuft hat. Aus iranischer Sicht war das ein Affront gegen den höchsten Funktionär des eigenen Fußballs. Aus kanadischer Sicht war es die konsequente Anwendung geltenden Rechts.

Genau an dieser Stelle beginnt das Dilemma, das die FIFA und die drei Gastgeber nicht mehr loswird. Ein Turnier, das sich Universalität auf die Fahnen schreibt, trifft auf ein Teilnehmerland, dessen Spitzenfunktionäre in einem der Ausrichterstaaten nicht einreisen dürfen. US-Außenminister Marco Rubio hat es am Wochenende auf eine Formel gebracht, die zugleich Zusage und Drohung ist: Iranische Spieler seien willkommen, Einreiseverbote für Delegationsmitglieder mit IRGC-Bezug schloss er ausdrücklich nicht aus. Mannschaft ja, Begleittross vielleicht nicht. Das ist eine juristisch vertretbare, politisch brisante und sportlich kaum saubere Linie.

Die FIFA hat sich dazu entschieden, das Problem zu halbieren. Präsident Gianni Infantino bekräftigte, dass Iran seine WM-Partien wie vorgesehen in den USA austragen werde. Eine Verlegung der iranischen Spiele nach Mexiko oder Kanada, mit der man innenpolitischen Druck hätte entlasten können, ist damit vom Tisch. Iran spielt in Gruppe G gegen Neuseeland, Belgien und Ägypten, der erste Auftritt ist für den 15. Juni in Los Angeles angesetzt. Der Verband hat also einen Standort festgelegt, für den er die Einreisemodalitäten nicht selbst regelt. Das ist WM-Alltag, hier wird es zur Achillesferse.

Man kann den iranischen Forderungskatalog für das lesen, was er ist: ein politisches Dokument, das die Bühne WM nutzt, um die eigene Erzählung zu setzen. Respekt vor Flagge und Hymne ist im Regelwerk der FIFA ohnehin vorgesehen, das muss niemand einfordern. Der Satz aus Teheran, man nehme teil, aber ohne jedes Abrücken von den eigenen Überzeugungen, Kultur und Grundsätzen, richtet sich weniger an die Organisatoren als an die Zuschauer zu Hause. Der Verband will kein Risiko eingehen, als nachgiebig wahrgenommen zu werden.

Für FIFA und Gastgeber bleibt damit ein Auftrag, den Sportfunktionäre nicht lösen können. Die Visa-Frage, die Sicherheitslage, der Umgang mit einer Delegation aus einem Land, mit dem die USA keine diplomatischen Beziehungen unterhalten, all das wird in Washington, Ottawa und Teheran entschieden, nicht in Zürich. Infantinos Zusage, die Spiele fänden in den USA statt, ist eine sportpolitische Festlegung. Ob sie im Juni trägt, hängt an Akteuren, die mit Fußball nichts zu tun haben. Das ist die eigentliche Nachricht dieses Wochenendes.

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