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·7. Juni 2026

Ismaik und der TSV 1860 – alles nur ein Missverständnis?

Artikelbild:Ismaik und der TSV 1860 – alles nur ein Missverständnis?

Der Dauerstreit zwischen 1860 München und Investor Hassan Ismaik hat mit dem erneuten Zwangsabstieg in die Regionalliga einen weiteren Tiefpunkt erreicht

Die Anhänger der Löwen stehen für ihre Bodenständigkeit, ihr ausgeprägtes Traditionsbewusstsein und ihre tiefe Verwurzlung mit dem Münchner Stadtteil Giesing. Das eigentliche Problem in manchen Teilen der Fanszene: Das mangelnde Bewusstsein für die wirtschaftliche Notwendigkeit eines Investoren. Tradition alleine verdient nun mal kein Geld. Und dann endet die Liasion darin, dass man keine Lizenz für die 3. Liga erhält, und im Zwangsabstieg in die Regionalliga.


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Dabei ist die 50+1-Regel, die in weiten Teilen der deutschen Fanszene wie eine religiöse Monstranz vor sich her getragen wird, der eigentliche Schlüssel. Sie ermöglicht Investoren den Einstieg, ohne die Kontrolle über den Herzensverein zu verlieren. Negative Auswüchse, wie man sie heute teilweise in England oder beim einstigen französischen Topklub Girondins Bordeaux erlebt hat, lassen sich damit zumindest eindämmen.

Die Bedenken und Vorbehalte der Fanszene gegenüber Investoren sind daher sicherlich berechtigt - aber um jeden Preis? Münchens Alt-Oberbürgermeister Christian Ude brachte es jüngst im Münchner Merkur auf den Punkt: "Seid mal fürs Überleben, und zwar gemeinsam! Schon das wird die Sportwelt aufhorchen lassen. Und wenn sich ein Geldgeber findet, warum auch immer: Vielleicht mal begrüßen und willkommen heißen, nicht gleich brandmarken und verdammen!"

Die Entscheidungsträger

Das größte Problem beim TSV 1860 dürfte aber noch immer in den Führungsgremien liegen. Die einzig wirkliche Konstante in den letzten 15 Jahren waren die permanenten Wechsel an der Spitze. Die Präsidenten sind gekommen und gegangen - Geschäftsführer wurden geholt und wieder entlassen. Dazu kamen zwischen 2011 und 2026 insgesamt elf Cheftrainer plus mehrere Interimslösungen. Sportliche Kompetenz war in den Führungsetagen aber die Ausnahme. Das eigentliche Problem des Vereins – nämlich das strukturelle Defizit - blieb allerdings bis heute ungelöst. Ein sportliches Konzept für eine stabile Zukunft - bis heute eine Fehlanzeige!

Der Investor

Ismaiks Kritik an der Unternehmensführung ist daher absolut nachvollziehbar: So hat der Jordanier in den zurückliegenden Jahren mit seinen millionenschweren Finanzspritzen den Klub wiederholt vor finanziellen Problemen bewahrt. Ohne Ismaik würde es den TSV 1860 in dieser Form wohl nicht mehr geben.

Bleibt dennoch das kleine Wörtchen „Aber“: Wie Ismaik heute selbst zugibt, habe er die Strömungen innerhalb des Vereins sowie die Haltung der Deutschen Fußball Liga (DFL) in der 50+1-Regelung nicht verstanden. Vielmehr erwägte er sogar gerichtlich gegen die Regelung vorzugehen, da sie „undemokratisch“ und „investorenfeindlich“ sei - ohne Erfolg, wie wir heute wissen. Sein Wunsch „Mehr Einfluss gegen Geld“ war damit bereits von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Der Sponsor

Bleibt am Ende noch ein Wort zum (bisherigen) Hauptsponsor "Die Bayerische". Zehn Jahre lang prangte das Logo des Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit auf dem Trikot der Münchner Löwen. Glaubt man den Medienberichten der letzten Jahre, soll die Bayerische wiederholt Gelder für die Kaderplanung des Vereins zur Verfügung gestellt haben.

Allerdings sah sich das Unternehmen - namentlich vor allem Vorstand Martin Gräfer - immer öffentlicher Kritik aus der Fanszene ausgesetzt. Mal soll er bei seiner privaten Kandidatur für den Verwaltungsrat auf die Ressourcen des Versicherers zurückgegriffen haben. Mal waren es seine kritischen Äußerungen zur Zweitliga-Tauglichkeit des Grünwalder Stadions im Falle eines angestrebten Aufstiegs.

Mit dem neuerlichen Zwangsabstieg hat die aber nun auch die Bayerische die Reißleine gezogen und die Kooperation mit den Löwen beendet. „Diese Entscheidung erfolgt nicht aus mangelnder Verbundenheit zum TSV 1860 München. Sie ist vielmehr eine Folge der grundlegend veränderten Rahmenbedingungen. Als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit tragen wir Verantwortung für die Beiträge und Gelder unserer Kundinnen und Kunden, für die Interessen unserer Mitglieder, Mitarbeitenden sowie Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartnern. Diese Verantwortung verpflichtet uns dazu, die wirtschaftlichen Grundlagen jedes Engagements regelmäßig zu überprüfen und bei wesentlichen Veränderungen entsprechend zu handeln“, hieß es in einem offiziellen Statement.

Schöne Worte, die aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die eigentlichen Ziele des Sponsorings augenscheinlich nicht erreicht wurden. Mit einem mittelfristigen Aufstieg in die 2. Bundesliga hätte dies eine größere Reichweite – und damit eine wachsende Aufmerksamkeit für potenzielle Neukunden außerhalb des Freistaates Bayern zu bekommen. Stattdessen heißen die sportlichen Gegner der kommenden Saison DJK Vilzing, SpVgg Bayreuth oder TSV Landsberg - und nicht Hertha BSC, Hannover 96 oder 1. FC Kaiserslautern.

So bleibt am Ende nur eine Erkenntnis: Statt gemeinsam an einem Strang zu ziehen, standen die Einzelinteressen aller Beteiligten jahrelang über den Interessen des Gesamtvereins. „Wenn das Wohl dieses Vereins wirklich an erster Stelle gestanden hätte, dann hätten sich die handelnden Personen längst zusammengesetzt", brachte es der ehemalige Löwen-Spieler Aaron Berzel auf den Punkt. Bleibt zu hoffen, dass nun alle Beteiligten ihrer Verantwortung für den Gesamtverein wahrnehmen.

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