Italien: Conte wählt den Verband statt den Meisterklub – ein Signal | OneFootball

Italien: Conte wählt den Verband statt den Meisterklub – ein Signal | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: feverpitch.de

feverpitch.de

·3. Juli 2026

Italien: Conte wählt den Verband statt den Meisterklub – ein Signal

Artikelbild:Italien: Conte wählt den Verband statt den Meisterklub – ein Signal

Antonio Conte löst seinen Vertrag beim Meister SSC Neapel auf und führt die Azzurri für 16 Millionen Euro zurück in die WM-Qualifikation.

Antonio Conte kehrt zurück, wo er 2014 schon einmal saß: auf der Bank der italienischen Nationalmannschaft. Nach Medienberichten ist die Personalie nur noch Formsache, der neue Verbandschef Giovanni Malagò hat sich mit dem 56-Jährigen auf einen Vierjahresvertrag geeinigt. Laut Gazzetta dello Sport soll Conte in diesen vier Jahren insgesamt rund 16 Millionen Euro verdienen. Für einen Trainer, der gerade eben noch einen Meistertitel gewonnen hat, ist das eine bemerkenswerte Zahl – und eine bemerkenswerte Entscheidung.


OneFootball Videos


Denn genau das ist die eigentliche Nachricht: Conte hat seinen Vertrag bei Vizemeister SSC Neapel aufgelöst. Bei jenem Klub, mit dem er 2025 die italienische Meisterschaft geholt hat. Ein amtierender Meistertrainer verlässt seine Mannschaft mitten im Zyklus, um zum Verband zu wechseln – das gibt es im europäischen Spitzenfußball selten, weil der Weg meist andersherum verläuft. Klubtrainer verdienen mehr, arbeiten täglich, formen Kader. Nationaltrainer warten. Dass Conte diesen Tausch aktiv sucht, sagt etwas über den Reiz der Aufgabe. Und über den Zustand des italienischen Fußballs.

Italien ist viermaliger Weltmeister. Italien ist auch die Nation, die zuletzt dreimal in Folge in der WM-Qualifikation gescheitert ist. Diese beiden Sätze passen nicht zusammen, sie müssen aber nebeneinanderstehen, weil sie den Rahmen bilden, in dem Conte nun arbeiten wird. Sein Kernauftrag ist die Führung der Azzurri zur WM 2030. Nicht weniger. Ein Vierjahresvertrag mit einem klaren Zielhorizont, an dem gemessen wird, ob dieser Wechsel ein kluger oder ein teurer war.

Man kann Conte in dieser Rolle grundsätzlich zutrauen, was der Verband sich von ihm erhofft. Er hat Italien schon einmal betreut, von 2014 bis 2016, und bei der EM 2016 in Frankreich ins Viertelfinale geführt, wo gegen Deutschland erst das Elfmeterschießen entschied. Es war eine Mannschaft mit begrenztem Material und maximaler Ordnung, das Turnier gilt bis heute als eines der besseren Kapitel der jüngeren Verbandsgeschichte. Dass Conte inzwischen ein Klubtrainer mit anderem Format ist, ändert daran wenig: Sein Zugriff auf Gruppen, seine Fähigkeit, defensive Kompaktheit in kurzer Zeit einzuüben, passen in den Rhythmus von Länderspielfenstern.

Die Frage ist eine andere, und sie betrifft nicht nur Italien. Wenn ein amtierender Meistertrainer der Serie A den Verband dem Klub vorzieht, verschiebt sich ein Verhältnis. Nationaltrainerposten galten in den vergangenen Jahren als Karrierestation für Trainer nach dem Klubgeschäft, nicht mittendrin. Contes Wechsel steht damit für sich, taugt aber als Signal: Der Reiz, eine Nationalmannschaft aus einer Krise zu holen, kann groß genug sein, um einen Meistervertrag zu beenden. Für Verbände in ähnlicher Lage ist das eine gute Nachricht. Für Klubs, die sich in Sicherheit wähnten, weniger.

Neapel muss nun ohne den Trainer planen, der gerade die Meisterschaft geholt hat. Als möglicher Nachfolger wird Massimiliano Allegri gehandelt, der frühere Trainer der AC Mailand – eine Personalie, die Kontinuität in Erfahrung verspricht, aber einen anderen Stil bringt. Und Conte? Steht vor der Aufgabe, aus einer dreimal gescheiterten Qualifikationsmannschaft eine Turniermannschaft zu machen. Vier Jahre, 16 Millionen Euro, ein Ziel: 2030. Der Zeitplan ist klar. Der Rest ist Arbeit.

Impressum des Publishers ansehen