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·4. April 2026

Italiens Fußball-Verband tauscht Köpfe aus – und nennt es Erneuerung

Artikelbild:Italiens Fußball-Verband tauscht Köpfe aus – und nennt es Erneuerung

Nach dem Playoff-Aus gegen Bosnien-Herzegowina wird Gattuso entlassen, Gravina tritt ab. Als Nachfolger stehen Conte und Mancini bereit – zum dritten Mal verpasst Italien die WM.

Drei verpasste Weltmeisterschaften in Folge. Drei Trainer entlassen. Zwei Verbandspräsidenten zurückgetreten. Und jetzt stehen als Nachfolger auf der Trainerbank Antonio Conte und Roberto Mancini bereit – derselbe Mancini, der 2023 als Nationaltrainer hinwarf. Italien behandelt sein größtes Strukturproblem wie einen Personalengpass. Das ist kein Neuanfang, das ist Wiederholungszwang.


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Gennaro Gattuso hat in acht WM-Qualifikationsspielen sechs Siege geholt. Er übernahm eine Mannschaft in der Krise – nach Spallettis Entlassung, nach einer Niederlage in Norwegen – und führte sie zu sechs Siegen in Serie. Dann verlor Italien erneut gegen Norwegen, landete als Gruppenzweiter in den Playoffs, und in Zenica endete alles im Elfmeterschießen gegen Bosnien-Herzegowina: 1:4. Bastoni flog in der 41. Minute mit Rot vom Platz, Keans frühe Führung reichte nicht. Trotzdem: Gattuso hat mit diesem Kader das Maximum herausgeholt. Wer ehrlich hinschaut, sieht keinen Trainerfehler – sondern ein System, das seinen Trainern zu wenig Substanz mitgibt.

Und dann Gravinas Abschiedsworte, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss: Gattuso habe es geschafft, "die Begeisterung für die Nationalmannschaft neu zu entfachen" und "großen Stolz auf das blaue Trikot zu wecken". Stolz und Begeisterung – nach einem Playoff-Aus in Zenica. Das ist keine Würdigung, das ist Realitätsverweigerung auf Verbandsniveau. Gravina selbst wurde noch im Februar 2025 mit 98,7 Prozent wiedergewählt. Die FIGC feiert sich, während sie scheitert.

Nun geht auch Buffon als Sportchef, dessen erklärtes Ziel es war, Italien zur WM zurückzuführen. 176 Länderspiele, Weltmeister 2006 – Biografien, die jeden Zweifel verstummen lassen sollen. Aber biografische Fallhöhe ersetzt keine strukturelle Analyse. 2018 ging die Relegation gegen Schweden verloren, Tavecchio musste als Präsident gehen, Gravina übernahm. 2022 verlor Italien das Playoff gegen Nordmazedonien, Mancini trat zurück, Spalletti übernahm. 2026 nun Bosnien, Gattuso geht, Gravina geht. Das Muster ist immer dasselbe: Köpfe rollen, Strukturen bleiben.

Conte oder Mancini – beide werden dasselbe vorfinden. Marode Stadien, die bis zur EM 2032 im eigenen Land irgendwie turniertauglich werden müssen. Einen Verband, der nach drei WM-Blamagen keinen einzigen Reformprozess angestoßen hat, der über Personalrochaden hinausgeht. Selbst die Politik drängte Gravina zum Rücktritt, nicht zur Reform. Der Reflex ist italienisch perfektioniert: Wenn das Ergebnis nicht stimmt, tausche die Gesichter aus – und nenne es Erneuerung.

Gattuso selbst sagte es so: "Das Trikot der Azzurri ist das wertvollste Gut im Fußball. Deshalb ist es richtig, neue technische Beurteilungen zu ermöglichen." Ein nobler Abgang, der das eigentliche Problem elegant umschifft. Denn was Italien braucht, sind keine neuen technischen Beurteilungen – sondern eine ehrliche Antwort darauf, warum ein viermaliger Weltmeister seit 2018 kein einziges WM-Spiel mehr bestritten hat. Diese Antwort wird kein Trainer liefern können, solange der Verband sie nicht einmal stellt.

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