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·1. April 2026

Italiens WM-Desaster: Der Verband ist das Problem, nicht die Trainer

Artikelbild:Italiens WM-Desaster: Der Verband ist das Problem, nicht die Trainer

Italien scheitert erneut an der WM-Qualifikation – 1:4 im Elfmeterschießen gegen Bosnien. Gravina bleibt als FIGC-Präsident, Medien sprechen von struktureller Krise.

Drei gescheiterte WM-Qualifikationen in Serie. Drei verschiedene Trainer. Und ein Verbandspräsident, der seit 2018 im Amt ist und nach jedem Scheitern dieselbe Antwort gibt: weitermachen. Gabriele Gravina bat Trainer Gennaro Gattuso noch am Abend des Ausscheidens in Zenica, im Amt zu bleiben. Das ist keine Führung. Das ist Routine im Versagen.


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Italien verlor das Playoff-Finale gegen Bosnien-Herzegowina 1:4 im Elfmeterschießen, nachdem Moise Kean die Azzurri in der 15. Minute in Führung gebracht hatte und Alessandro Bastoni sie mit einer Notbremse in der 41. Minute in Unterzahl. Im Elfmeterschießen traf nur Sandro Tonali – Francesco Pio Esposito schoss übers Tor, Bryan Cristante an die Latte. Die Bosnier verwandelten alle vier.

„Wie ein Albtraum", schrieb die Gazzetta dello Sport. Nur: Albträume enden, wenn man aufwacht. Italiens Problem ist, dass niemand aufwacht.

Gattuso sagte: „Die Jungs haben so eine Niederlage nicht verdient, für ihren Einsatz würde ich ihnen die Note 10 geben." Noch im Oktober 2025 hatte er angekündigt, bei einem Scheitern „weit weg von Italien" zu ziehen. Jetzt klingt er wie jemand, der den Ausgang bereits kennt – und trotzdem weitermacht, weil man ihn darum bittet. Das Muster wiederholt sich: 2018 scheiterte Italien an Schweden, 2022 an Nordmazedonien. Jedes Mal ein neuer Trainer, jedes Mal dasselbe Ergebnis. Der gemeinsame Nenner ist nicht die Trainerbank. Der gemeinsame Nenner ist der Verband.

La Repubblica spricht von der „kompletten Abwesenheit eines Projekts". Der Corriere dello Sport diagnostiziert eine „strukturelle Krise" und schreibt, „der ganze Mechanismus funktioniert nicht mehr". Das sind keine Reflexe aufgeregter Boulevardmedien. Das ist die nüchterne Bilanz eines Landes, das seit dem WM-Titel 2006 keine nachhaltige Struktur für seine Nationalmannschaft aufgebaut hat. Zwanzig Jahre – und nichts, was trägt. Der zwischenzeitliche EM-Sieg wirkt im Nachhinein wie ein Betriebsunfall.

Gravina ist seit Oktober 2018 FIGC-Präsident. Drei WM-Zyklen unter seiner Führung, drei Mal keine Weltmeisterschaft. Er hat einen Bundesrat für die kommende Woche einberufen, bei dem „Bewertungen vorgenommen werden sollen". Er tritt nicht zurück. Stattdessen bittet er den Trainer zu bleiben, der die Qualifikation gerade gegen Bosnien-Herzegowina verloren hat – ein Team, das zum ersten Mal seit 2014 zu einer WM fährt. Damals in Brasilien war auch Italien das letzte Mal dabei.

Die Gazzetta dello Sport stellt fest, dass eine ganze Generation von Italienern aufwächst, ohne die Azzurri je bei einer WM erlebt zu haben. Das ist der eigentliche Befund. Es geht längst nicht mehr um einen Trainer, der im Elfmeterschießen Pech hat. Es geht um einen Verband, der nach jedem Scheitern Kontinuität verspricht, wo Konsequenz nötig wäre – und damit das Einzige garantiert, das er noch zuverlässig liefert: das nächste Scheitern.

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