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·3. Februar 2026

Jamal Musiala und die Evolution der Kultnummer 10

Artikelbild:Jamal Musiala und die Evolution der Kultnummer 10

Jamal Musiala ist zurück – und trägt nun die Nummer 10 beim FC Bayern und im Nationalteam. In einer langen Geschichte besonderer Spieler steht er für eine Position, die einzigartige Momente und Tore erschaffen soll – gerade weil sie die Freiheit im Fußball immer wieder neu erfindet.

Es gibt Rückennummern im Fußball, die sind einfach nur Ziffern auf dem Spielberichtsbogen. Und es gibt die 10: keine Zahl, sondern ein Versprechen – für Kreativität, technische Kompetenz und magische Momente. Im Juli 2025 hat Jamal Musiala diese Trikotnummer beim FC Bayern übernommen – und ist seit seinem Comeback im Januar nun der Zehner der Roten. Menschen, die von Fußball nichts verstehen, würden das als rein administrative Änderung verstehen; für Anhänger des Spiels ist es ein feierlicher Akt: Jamal ist jetzt „unsere 10“. „Es war schon immer mein Traum, mit der 10 beim FC Bayern zu spielen“, sagt der 22-Jährige im Interview. Er weiß um die besondere Historie seiner neuen Rückennummer, spürt den neuen „Druck und die Verantwortung“, spricht aber zugleich von einem Antrieb, einem „Extra-Push.“


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Musiala ist kein klassischer Spielmacher wie Michel Platini oder Mesut Özil, der das Spiel aus der Tiefe lenkt. Gerade deshalb passt diese Nummer im Jahr 2026 so gut zu ihm: Denn die 10 steht heute für Spieler, die Räume erkennen, schaffen und bespielen; die Tempo, Kreativität und Entscheidungsfreude vereinen. In einer Zeit, in der viele Teams ohne einen traditionellen Zehner auflaufen, interpretiert Musiala die Rolle auf ultramoderne Art und Weise – er ist kein Architekt des statischen Spiels, sondern ein Designer im dynamischen Raum. Die Nummer 10 ist damit nicht verschwunden – sie hat ihre Position, ihren Körper und ihre Aufgabe verändert.

Von der Funktion zur Magie

Die Geschichte der Nummer 10 beginnt nicht mit Glamour, sondern mit Bürokratie. Anfang des 20. Jahrhunderts ordnete man die neu eingeführten Rückennummern sachlich nach Positionen: 1 bis 11 folgten einer Grundformation, von hinten nach vorne, und die Nummer 10 erhielt eben der Spieler, der Mittelfeld und Angriff verband – der Torchancen vorbereitete und regelmäßig selbst traf.

Bei der WM 1958 wurde nach dieser klaren Formel dem 17-jährigen Pelé die Nummer 10 zugeteilt – und er verwandelte sie in ein Symbol für Genie und Spielfreude. Dank seiner Dribblings, seiner Übersicht und seines Zugs zum Tor kam er auf eine verrückte Ausbeute an Torbeteiligungen. Dass er bis heute der einzige Fußballer ist, der als aktiver Spieler dreimal Weltmeister wurde, hat er sich zu großen Teilen selbst zu verdanken. In 14 WM-Einsätzen gelangen ihm außergewöhnliche 12 Treffer sowie 9 Torvorlagen.

Wandel durch Intensität

Die 1970er und 1980er Jahre waren die Hochzeit des klassischen Spielmachers. Michel Platini etwa vereinte Torgefahr und außergewöhnliches Passspiel: hohe technische Qualität, brillante Übersicht, eine Mischung aus Zielstrebigkeit und Eleganz. In den späten 1980er Jahren begann sich die Rolle der 10 zu verändern. Diego Maradona war der archetypische Zehner dieser Zeit: kein statischer Regisseur, sondern ein kreatives Kraftzentrum. Seine enge Ballführung, die Fähigkeit, auch mal zwei bis acht Gegner auszuspielen und das Tempo im Eins-gegen-Eins zu kontrollieren, machten ihn zu einem Spieler, der Partien entscheiden konnte. Der WM-Titel Argentiniens 1986 trägt seine Handschrift. Das Solo über mehr als 50 Meter gegen England im Viertelfinale ist bis heute ein Lehrstück darüber, wie Individualität ein ganzes System aushebeln kann.

Auch Lothar Matthäus trug die Nummer 10 – allerdings nicht als klassischer Kreativspieler, sondern als unwiderstehliche Ein-Mann-Mittelfeldachse: physisch stark, mit großer Präsenz, Führungsqualitäten und taktischer Vielseitigkeit. Bei Deutschlands WM-Titel 1990 war er aber natürlich auch spielerisch ein zentraler Faktor – mit 54 erfolgreichen Pässen pro Partie war er der zweitbeste Ballverteiler seines Teams. Gleichzeitig kam er auf fünf Tackles pro Spiel und stabilisierte so die Defensive.

Dieser Inhalt kann hier leider nicht dargestellt werden. Zum Anschauen kannst du die Website des FC Bayern München besuchen: Artikel auf fcbayern.com

Zinédine Zidane verband in den späten 1990ern Eleganz mit Anpassungsfähigkeit. Er agierte in engen Räumen, zwischen den Linien, mit großartiger Ballkontrolle und Passqualität und ist das Bindeglied zwischen klassischem Spielmacher und moderner Spielintelligenz: technisch brillant, physisch stark, taktisch smart. Das Toreschießen stand für ihn weniger im Fokus, sodass er in seiner Profilaufbahn mehr Treffer vorbereitete (174) als erzielte (156).

Die Nummer „10“ erfindet sich neu

Mit zunehmender Intensität und Pressing verlagerte sich Kreativität von der Zentrale in bewegliche Räume. Lionel Messi löste die 10 endgültig von ihrem festen Platz im Zentrum. Er ließ sich zurückfallen, driftete auf den rechten Flügel, bespielte Halbräume, attackierte von überall. Zwischen 2007/08 und 2021/22 erzielte er in jeder Liga-Saison mindestens 10 Tore und bereitete mindestens 10 weitere vor. Insgesamt kam er allein für Barcelona in 778 Pflichtspielen auf 672 Tore und 303 Vorlagen – ein Beleg dafür, wie er Torgefahr und Spielgestaltung meisterhaft verband.

Genau in dieser Tradition steht Jamal Musiala – aber auf seine eigene Weise. Fragt man ihn, welche Zehner ihn prägten, nennt er als Erstes unseren Mr. Wembley, Arjen Robben – sein „großes Idol in der Kindheit“, wie er uns verrät. „Wenn man sieht, was die Nummer 10 bedeutet, dann steckt da eine enorme Verantwortung dahinter“, sagt Musiala. Robben war kein Zehner, sondern ein Unterschiedsspieler mit Signature Moves. Genau diese Verbindung aus individueller Klasse und hohem Anspruch verknüpft Musiala mit der neuen Nummer. Er sagt aber auch selbstbewusst: „Ich habe die Nummer bekommen, weil ich über die Jahre geliefert und performt habe.“

Musiala vereint Dynamik, Kreativität und Torgefahr

Wer ihn beim FC Bayern beobachtet, erkennt schnell: Musiala bringt das Spiel nicht durch lange, raumöffnende Pässe in Bewegung, sondern durch Dribblings, Tempowechsel und das ständige Aufbrechen von Linien. Das sieht man auch an den Zahlen: Mit 3,1 progressiven Pässen pro 90 Minuten liegt er unter dem Schnitt vergleichbarer zentraloffensiver Mittelfeldspieler in Europas Top-Ligen. Dafür gehört er in anderen Disziplinen zur europäischen Spitze: 3,4 progressive Läufe, 6,6 erfolgreiche Dribblings – Musiala bringt den Ball selbst in die gefährlichen Zonen. Zum Beispiel mit einem seiner Signature Moves: Er lässt sich zwischen den Linien fallen, dreht im Rücken des Gegenspielers mit dem ersten Kontakt auf und beschleunigt mit enger Ballführung Richtung Strafraum.

Fußballexperten sprechen auch von sogenannten „Box Crashern“ – Spielern, die mit klugen Läufen in den Strafraum für Gefahr sorgen. In der vergangenen Saison stiegen die Zahl seiner Strafraumkontakte um 28 Prozent und die seiner Expected Goals um 79 Prozent. Beim 3:0-Heimerfolg über Bayer Leverkusen im Champions League-Achtelfinale in der letzten Saison stand er exemplarisch dafür bei einem Abstauber zum 2:0 goldrichtig. Musiala bleibt der raumgreifende Techniker – und ist zunehmend auch ein Torjäger mit Killerinstinkt. Genau diese Mischung macht ihn auf der Zehner-Position so besonders.

Musialas Mission: Erfinden statt Erinnern

Was Musiala auszeichnet, ist mehr als Torgefahr – es ist sein Einfluss auf die Struktur eines Spiels. Seine Bewegungsfreiheit, ob auf Höhe der Mittellinie oder des Strafraums, gibt seinem Team Struktur – und bringt die Gegner durcheinander. Unter Kompanys Bayern schwimmt er zwischen den Linien, besetzt Achter-, Zehner- und Flügelräume, bewegt sich horizontal wie vertikal und ist dadurch schwer zu greifen. Diese Fluidität ist wichtig für das FCB-System, da unser Team oft auf Manndeckungen und tiefe Blocks trifft. Musialas Positionswechsel provozieren Löcher in der gegnerischen Abwehr, reißen Zuordnungen auf und schaffen Räume für die Mitspieler.

Fünf FC Bayern-Legenden erzählen, was es ihnen bedeutet hat, die Rückennummer 10 zu tragen:

Vergleiche mit historischen Zehnern liegen bei dieser Rückennummer nahe – aber sie greifen bei Musiala gleichzeitig zu kurz. Was ihn auszeichnet, ist nicht das Kopieren – sondern das Entwerfen. „Ich spiele so, wie ich spiele“, sagt er. „Meinen Stil werde ich wegen der Nummer 10 nicht verändern.“ Und das ist gut so.

Dass der FC Bayern und der DFB ihm nun die 10 übergeben, ist mehr als ein Zeichen des Vertrauens: Es ist ein Statement. Musiala soll nicht der nächste Zehner sein – er soll die 10 in eine neue Zeit tragen. Weil er Räume erkennt, bevor sie entstehen. Weil er die Möglichkeitsfenster nutzt, wenn sich diese nur einen Spaltbreit öffnen. Und weil er mit jeder Bewegung den Unterschied machen kann.

So wie Pelé, der der 10 ihre Bedeutung verlieh, wie Maradona, der sie zum Mythos machte, und Messi, der sie befreite, steht Musiala für das Hier und Jetzt in der ewigen Evolution des schönen Spiels: Er ist eine Zehn, die sich nicht an die Vergangenheit erinnert – sondern das Spiel mal wieder neu erfindet.

Den ganzen Text lest Ihr in der Februar-Ausgabe des FC Bayern-Mitgliedermagazins „51“:

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