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·2. März 2026

Julian Nagelsmanns mutiger WM-Plan birgt ein gewaltiges Risiko

Artikelbild:Julian Nagelsmanns mutiger WM-Plan birgt ein gewaltiges Risiko

Der Bundestrainer will Spieler nominieren, die dienende Funktionen akzeptieren. Goretzka hat gute Chancen, der März-Kader soll dem WM-Aufgebot bereits ähneln.

Vereins-Stammspieler, die bei der WM draußen bleiben, weil sie die Rolle als Ergänzungsspieler nicht ausfüllen können – Julian Nagelsmann kündigt Entscheidungen an, die „nicht auf supergroßes Verständnis stoßen" werden. Ich finde: Genau das ist der richtige Ansatz. Und gleichzeitig offenbart er das größte Risiko, das der Bundestrainer eingeht.


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Nagelsmann denkt das Turnier vom Kader her, nicht vom Namen. Er fragt nicht zuerst, wer die beste Einzelqualität mitbringt, sondern wer bereit ist, eine dienende Funktion zu akzeptieren. Das klingt banal, ist aber im deutschen Fußball alles andere als selbstverständlich. Zu oft wurden Kader nach Hierarchien und Verdiensten zusammengestellt, nicht nach Funktionalität. Die Folge waren Turniere, in denen Stars schmollten und Reservisten das Klima vergifteten.

Dass Leon Goretzka trotz reduzierter Spielzeit bei Bayern gute Chancen auf einen Stammplatz haben soll, passt in diese Logik. Nagelsmann schätzt an ihm die Wucht, die Kopfballstärke, die Bereitschaft, in den Strafraum zu gehen. Gleichzeitig erklärt er, dass sich Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha nicht optimal ergänzen. Der Bundestrainer sucht ein bestimmtes Profil für die Doppelsechs – und Goretzka erfüllt es offenbar besser als die jüngere Konkurrenz. Das ist eine klare Ansage, die man teilen kann oder nicht. Aber sie ist nachvollziehbar begründet.

Bei Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger bleibt Nagelsmann bei seiner Linie. Oliver Baumann soll im Tor stehen, auch wenn für Marc-André ter Stegen eine Hintertür offen bleibt. Bei Antonio Rüdiger hingegen hält sich der Bundestrainer alle Optionen offen – die Knieprobleme des Abwehrchefs machen eine Festlegung unmöglich. Der März-Kader soll dem WM-Aufgebot bereits „artverwandt" sein. Nagelsmann will früh Klarheit schaffen, um die Rollengespräche führen zu können, die er für entscheidend hält.

Meine Beobachtung: Nagelsmann versucht, einen Fehler zu vermeiden, der deutsche Turniermannschaften immer wieder geschwächt hat. Er will keine Spieler mitnehmen, die innerlich hadern, weil sie sich für zu gut halten, um auf der Bank zu sitzen. Das ist mutig. Aber es ist auch riskant. Denn wer so konsequent auf Rollenakzeptanz setzt, muss auch liefern. Wenn das Turnier schlecht läuft, werden genau jene Namen genannt werden, die zu Hause geblieben sind.

Die eigentliche Frage ist nicht, ob Nagelsmann recht hat mit seiner Kaderzusammenstellung. Die Frage ist, ob er den Mut behält, wenn der Druck steigt. Bei der Heim-EM verzichtete er auf Goretzka – und holte ihn später zurück. Diesmal kündigt er an, dass der März-Kader und das WM-Aufgebot nahezu identisch sein sollen. Das lässt wenig Spielraum für Korrekturen.

Wer so früh so viel festlegt, muss wissen: Die Verantwortung für das Ergebnis liegt dann vollständig bei ihm. Nicht bei den Spielern, die er nicht nominiert hat. Nicht bei den Vereinen, die ihre Stars schonen. Sondern einzig beim Bundestrainer, der sich entschieden hat, Charakter über Klasse zu

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