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·4. Februar 2026
Kann RWE in 2026 mehr sein als Marek Janssen?

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Rot-Weiss Essen überzeugt beim 1:1 gegen den SV Wehen Wiesbaden über weite Strecken und wirkt überhaupt als einer der souveränsten Vertreter im Aufstiegsrennen. Und doch fehlt es an einer entscheidenden Weiterentwicklung.
Diese Statistik kann sich sehen lassen: Alle 53 Minuten klingelt es, wenn Marek Janssen das rot-weiße Trikot in einem Drittliga-Spiel trägt. Kein anderer Stürmer der 3. Liga zeigt auch nur annähernd so regelmäßig seine Jubelpose – und ist es nicht irgendwie typisch für RWE, dass genau dieser Torjäger vor einem halben Jahr noch hätte gehen dürfen, mindestens per Leihe? Oder, dass genau dieser Stürmer vor wenigen Wochen seine überfällige Startelf-Nominierung von Trainer Uwe Koschinat aktiv öffentlich einforderte? Die Redewendung, zum Glück gezwungen zu werden, bestätigt sich in der wechselhaften Beziehung des 28-Jährigen und seines Arbeitgebers jedenfalls immer wieder.
Und Fakt ist: Allein die Art und Weise, wie Janssen den Kopfball zur 1:0-Führung gegen Wiesbaden am Sonntagabend aus schwieriger Position im Knick platzierte, erstickt alle Diskussionen im Keim: RWE hat seinen Torjäger gefunden. Wenn es doch nur so leicht wäre! Denn nach der Pause tauchte ein Spieler nicht wieder auf dem Rasen auf: Marek Janssen blieb mit einer nicht näher definierten Muskelverletzung draußen – die Ausfallzeit war Anfang der Woche noch unsicher, klar war nur: Für den im Sommer aus Meppen gekommenen Janssen bedeutet dies einen abermaligen Rückschlag.
Nach mehreren Verletzungen in der laufenden sowie vorherigen Saison wird jede Blessur bei ihm mit besonderer Vorsicht beobachtet. Während Janssen zuschauen musste, ließen seine Mitspieler eine ganze Reihe aussichtsreicher Möglichkeiten auf das 2:0 liegen und wurden dafür noch bitter bestraft. Der Sprung auf den 3. Platz, die Punktgleichheit mit dem SC Verl auf Rang 2 blieb an diesem Wochenende auch deshalb ein Wunschtraum, weil Torben Müsel, Ramien Safi und Co genau diese Kaltschnäuzigkeit fehlte.
Mancher Anhänger des nach der Zweitliga-Rückkehr sehnenden Ruhrpott-Vereins hoffte auf ein finales Geschäft im Wintertransferfenster gehofft – und ganz spät trat es ein: Dickson Abiama (Kaiserslautern) ergänzt die Auswahl im Sturm ab sofort. Allerdings ist der 27-Jährige ebenfalls keiner mit dem klassischen Vollstrecker-Gen, sondern eher ein Offensivmann, der Räume für andere öffnet und dabei auch variabel die Flügel besetzen kann.
Gemeinsam mit Verteidiger Ben Hüning (BVB II), Mittelfeldmotor Ruben Reisig (Hoffenheim II) und Düsseldorfs Offensiv-Leihgabe Danny Schmidt hatte das sportliche Führungsduo Christian Flüthmann und Marcus Steegmann ja bereits mehrfach Verstärkung präsentiert, ehe am Montag mit Tino Casali auch noch ein erfahrener Torhüter folgte – als Reaktion auf den Innenband-Anriss von Stammkeeper Jakob Golz aus dem Wiesbaden-Spiel, der eine wochenlange Pause einplanen muss.
Dazu blieb RWE bei einer plötzlichen Transferanfrage standhaft: Eintracht Braunschweig, selbst um seinen pfeilschnellen Topstürmer namens Christian Conteh erleichtert, suchte händeringend Ersatz. Doch Konterspezialist Ramien Safi – obgleich dieser in puncto Torgefahr meist genau das vermissen lässt, was Marek Janssen im Jahr 2026 der Mannschaft zuführt – wurde auch für eine im "RevierSport" kolportierte Summe von 350.000 Euro nicht ziehen gelassen.
Und das, obwohl Safis Vertrag in wenigen Monaten ausläuft und dieser sich spürbar für eine höhere Liga bewerben will. Ein anderer, der im Vorjahr noch RWE-Topschütze war, hätte dagegen gehen dürfen: Ahmet Arslans Stern sank in dieser Saison verdächtig schnell und für fast alle Beteiligten überraschend. Aber Trainer Uwe Koschinat setzt nun auf andere Impulse – und macht vor unpopulären Entscheidung nicht halt. Wohl dem, der auf solche Qualität verzichten kann!
Vor dem fulminanten Februar, in dem RWE Auswärtsspiele in Aachen (Sonntag, 16.30 Uhr), Osnabrück und Rostock bevorstehen, darf zumindest die Rückkehr des zweitbesten Torschützen erwartet werden: Gegen Wiesbaden noch krankheitsbedingt auf dem Sofa zuschauend, wird Kaito Mizuta am Tivoli in der Startelf zurückerwartet – der 25-Jährige glänzt als kreativer Partner nicht nur in Zusammenarbeit mit Torjäger Janssen, sondern kann diese Situationen auch selbst vollenden.
Und auch die Statistik macht letztlich Mut, dass RWE mehr ist als sein aktueller Überflieger im Sturm: Neben Janssen haben gleich neun weitere Akteure, darunter selbst die Innenverteidiger Tobias Kraulich und Jose Enrique Rios Alonso, im Saisonverlauf mindestens zweimal genetzt und damit wesentlich zur stolzen Bilanz von 42 Toren aus 22 Spielen beigetragen.
Bleibt nur die Hoffnung, dass dies in Aachen wieder zuverlässiger gelingt. Im Prestigeduell vor mehr als 30.000 Zuschauern schwingt die 2:3-Hinspielniederlage, entstanden durch drei höchst ungestüme Fouls im eigenen Strafraum und folgende Strafstoßtore, noch mit. Womöglich ohne Janssen und definitiv mit Felix Wienand als Golz-Ersatz ist die Hürde in der Kaiserstadt keine kleine – aber eine, die ein späterer Aufsteiger nehmen sollte.








































