Vertikalpass
·3. Juni 2026
Keiner tanzt schöner

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Enzo Millot. Der Junge, der in Stuttgart mit dem Ball tanzte. Der kleine Prinz, der den Ball umarmte mit seinem unglaublichen linken Fuß. Unsere Überraschung der Saison 2025/2026: Dass wir Millot nicht vermissten. Warum?
Weil einer zum VfB kam, der sein ganz eigenes Playbook hat: Bilal El Khannouss ist Tänzer und Choreograf, da er auch seine Mitspieler in Szene setzen kann. Seine Bewegungen sind raffiniert und anmutig, von großer Agilität und Elastizität. Er ist ein Spieler, der aus der Epoche der Zocker stammt, aus der Familie der Tarner und Täuscher, es scheint manchmal, als komme er aus der Welt der Kunst.
Er ist verliebt in sein Talent, überzeugt von seinen Fähigkeiten und dabei nicht überheblich, sondern nur übermütig. Pirouetten dreht er, übertreibt es manchmal mit Hackentricks, Übersteigern und Pässen aus dem Fußgelenk, vor lauter Spaß am Spiel.
Bilal ist Solist, keine Frage, aber er versteht sich als Mitglied eines Ensembles. Dabei verkörpert er die Freiheit des Unerwarteten. El Khannouss kann Zuschauer faszinieren, sein Charme und seine positive Energie sind überrumpelnd und fesselnd zugleich, da kann selbst Eric Gauthier neidisch werden.
Der Ball liegt vor Bilals Füßen, seine Augen sind auf den Strafraum gerichtet. Er sucht einen Abnehmer für einen Pass oder eine Flanke. Er sieht Ermedin Demirovic und löffelt ihm den Ball genau auf die Stirn, der nur noch einnicken muss. Eine Spielsituation, die es so bereits schon einmal gab: 2024 mit Enzo Millot und Serhou Guirassy in der Hauptrolle, gegen Gladbach. Der Franzose chippte den Ball an den Fünfmeterraum, wo Guirassy keine Mühe hatte einzunetzen.
Sein Körpergefühl und seine Grazie ermöglichen fließende Bewegungen und Leichtigkeit auf dem Spielfeld. El Khannouss kann das kombinieren mit aggressivem Anlaufen und knackigen Zweikämpfen, er lässt sich durch Körperlichkeit nicht aus dem Gleichgewicht bringe. Gleichwohl er durch seine Spielintelligenz den direkten Duellen oft aus dem Weg geht. Denn mit einem Pass oder einer Körpertäuschung kann er ganze Abwehrreihen aus dem Takt bringen.
Was ihm noch fehlt: Leistungskonstanz.
Mal ließ er sich hängen, mal fiel er in ein kleines Loch, aus denen er sich zwar rauskämpfte (zum Beispiel mit der wichtigen Vorlage zum 1:1 im Pokal-Halbfinale), zum Ende der Saison hatte er jedoch seinen Startelf-Platz an Nicolas Nartey verloren.
Wobei er sich durch den Afrika-Cup außergewöhnlichen Belastungen ausgesetzt sah. Er ist allerdings für Marokko für die Weltmeisterschaft nominiert und wird am Anfang der neuen Saison sicher seine Anlaufzeit benötigen. Dass die kurz sein kann, bewies sein Einstieg beim VfB vor der Saison: Bereits in seinem zweiten Spiel traf er zum 2:0 gegen St. Pauli.
In insgesamt 41 Pflichtspielen sammelte Bilal El Khannouss neun Tore und sieben Assists und sorgte für die Überraschung, dass wir Enzo Millot kaum vermissten.
Zum Weiterlesen: Neben der Überraschung der Saison haben wir noch weitere vp-Awards verliehen: Den MVP der Saison und den Moment der Saison.
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