Kevin Broll im Interview: "Es war eine harte Zeit für mich" | OneFootball

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·22. Januar 2026

Kevin Broll im Interview: "Es war eine harte Zeit für mich"

Artikelbild:Kevin Broll im Interview: "Es war eine harte Zeit für mich"

Nach einer Saison in Zypern und zuletzt einem halben Jahr ohne Verein ist Torwart Kevin Broll zurück in Deutschland. Zurück in der 3. Liga. Mit liga3-online.de spricht der Neuzugang des SV Wehen Wiesbaden über seine Zeit im Ausland, Herausforderungen der Vereinslosigkeit, Gründe für die Rückkehr und das kommende Spiel gegen Spitzenreiter SC Verl.

"Vorzeitiges Karriereende war eine Option"

liga3-online: Ihre letzte Station war der zypriotische Zweitligist Omonia 29is Maiou. Wie war das Jahr dort – mit welchen Gefühlen blicken Sie auf die Zeit dort zurück, Herr Broll?


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Kevin Broll: Es waren sehr spannende und ereignisreiche zehn Monate. Nach vielen Gesprächen mit meiner Frau und meinem Berater, der griechische Wurzeln hat, fiel die Entscheidung auf das Abenteuer im Ausland. Meer, Strand, mediterrane Vibes: Neben dem Fußball sprach viel dafür, sich darauf einzulassen. Wir hatten insgesamt ein sehr privates und schönes Jahr mit einer tollen Kultur. Meine gesamte Familie konnte sich in einer für uns neuen Umgebung persönlich weiterentwickeln und kulturell sowie sprachlich den Horizont erweitern. Fußballerisch lief es leider nicht so wie erhofft. Wir konnten als Aufsteiger das Momentum nicht mitnehmen und mussten den direkten Abstieg hinnehmen.

Wie ist der Fußball in Zypern im Vergleich zu Deutschland?

Das ist gar nicht so einfach zu sagen. Die Top 6 Teams in der 1. Liga spielen auf einem sehr guten Niveau und können auch international von der Champions League bis zur Conference League mithalten. Dann gibt es aber auch viele weniger konstant auftretende Mannschaften. Teilweise bestehen die Kader aus sehr diversen Spielergruppen und unterliegen einer hohen Fluktuation. Das macht es nicht immer leicht, Strukturen aufzubauen. Hinzu kommt, dass Entscheidungen in manchen Vereinen sehr kurzfristig getroffen werden und man als Spieler dann vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Es ist schon eine besondere Welt, die ihre eigenen Dynamiken hat.

Danach waren Sie ein halbes Jahr ohne Verein. Wie schwer war diese Karrierephase für Sie?

Es war eine harte Zeit für mich. Ich hatte gehofft, dass ich mehr Möglichkeiten für einen Wechsel erhalte, weil ich als Torwart eine ordentliche Vita habe. Aber nach einem Jahr in Zypern und ohne absolvierte Sommervorbereitung gestaltete sich das nicht so einfach. Irgendwann war auch ein vorzeitiges Karriereende eine Option, weil immer wieder Absagen kamen und ich ziemlich am Boden war. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich meinem Berater sagte: ‘Du kannst die zwei am Nagel hängenden Schuhe schon einmal meinem Spielerprofil bei transfermarkt.de hinzufügen lassen.’

Doch es kam anders. Was änderte Ihre Meinung?

Ich bekam kurz nach meinen Gedanken über ein Karriereende die Chance, bei der SpVgg Greuther Fürth mitzutrainieren. Später war ich dann auch Trainingsgast beim Karlsruher SC. So schnell kann es dann manchmal im Fußball gehen: Kurz zuvor habe ich mich noch bei Amateurteams in Hamburg und Mannheim fit gehalten – und auf einmal öffnet sich wieder eine Tür im Profibereich, um regelmäßig bei Zweitligisten zu trainieren. Ich bin den Verantwortlichen aus beiden Klubs rückblickend sehr dankbar dafür. Dass es so schwer ist, Vereine zu finden, bei denen du dich fit halten kannst, hätte ich nie gedacht. So etwas begreift man – glaube ich – immer erst, wenn man es einmal selbst erlebt. Als vereinsloser Spieler in einer solchen Situation brauchst du ein dickes Fell – und den Willen, immer wieder aufzustehen.

"Kann keine hohen Ansprüche auf Einsatzzeiten stellen"

Jetzt sind Sie zurück in der 3. Liga. Wie kam es schließlich dazu?

Der SV Wehen Wiesbaden kam auf mich zu und hat mich offen und ehrlich gefragt, ob ich mir einen Wechsel in der Rolle des Ersatztorhüters vorstellen könnte. Ich habe nicht lange überlegt und als vereinsloser Torwart die Chance ergriffen, noch einmal im Profifußball Fuß fassen zu dürfen.

Haben Sie die 3. Liga zuletzt verfolgt?

Ja, sogar sehr intensiv. Ich habe generell den Fußball in Deutschland verfolgt – auch die 2. Bundesliga und die Regionalliga. All diese Ligen kamen als Option für mich in Frage. Es ist immer sinnvoll, auf dem aktuellen Stand zu sein und zu wissen, welche Vereine gerade Bedarf haben könnten. Nur abzuwarten und auf Anfragen zu warten, reicht nicht.

Bei Ihren früheren Drittliga-Stationen SG Sonnenhof Großaspach und Dynamo Dresden waren Sie oft gesetzt. In Wiesbaden müssen Sie sich jetzt erst einmal hinten anstellen. Wie nehmen Sie die Situation an?

Nach einer halben Saison ohne Verein kann ich keine hohen Ansprüche auf Einsatzzeiten in der 3. Liga stellen. Ich möchte dem Team in erster Linie eine Stütze sein und als erfahrener Spieler mit gutem Beispiel vorangehen. Dass ich gerade die Nr. 2 bin, ist okay. Aktuell ist es wichtig, mich zu akklimatisieren und mit meiner Familie anzukommen. Wir haben mittlerweile eine Kita gefunden und die Bestätigung für unsere Wohnung erhalten. Mein Kopf ist nun frei und ich kann mich wieder voll auf Fußball konzentrieren.

Am Sonntag geht es gegen den neuen Spitzenreiter SC Verl. Überrascht Sie die bisherige Saison der Verler?

Schon ein wenig. Zwar profitieren kleinere Vereine häufig von weniger Druck und Medientrubel. Aber der konstant unbekümmerte Fußball, den Verl spielt, ist schon beeindruckend und alles andere als selbstverständlich. Wenn Verl das bis zum Saisonende durchzieht und tatsächlich in die 2. Bundesliga aufsteigt, ist das schon ein kleines Wunder. Wir freuen uns auf das Spiel, das uns sicher einiges abverlangen wird.

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