KI-Analyse zum WM-Aus: Warum Nagelsmanns Kader schwächer war als der von Spanien, Frankreich und England | OneFootball

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·17. August 2026

KI-Analyse zum WM-Aus: Warum Nagelsmanns Kader schwächer war als der von Spanien, Frankreich und England

Artikelbild:KI-Analyse zum WM-Aus: Warum Nagelsmanns Kader schwächer war als der von Spanien, Frankreich und England

Jürgen Klopp hat seine Arbeit als Bundestrainer aufgenommen. Während der 59-Jährige sich auf seine ersten Länderspiele im September und Oktober vorbereitet, hat eine spezielle KI-Anwendung das Turnier seines Vorgängers ausgewertet. Das Ergebnis ist unbequem: Nach dieser Rechnung war der deutsche WM-Kader nicht nur schlecht aufgestellt, er war auch schlechter besetzt als der von Spanien, Frankreich und England.

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Julian Nagelsmann reagiert enttäuscht nach dem Aus im Elfmeterschießen gegen Paraguay: Für den 39-Jährigen endete die WM 2026 bereits im Sechzehntelfinale. (Robert Cianflone / Getty Images)


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Wer hinter der KI-Analyse steckt

Die Auswertung kommt von der Firma Plaier, einem der wachsenden KI-Unternehmen im internationalen Fußball. Plaier hat Büros in den USA, Deutschland und Spanien und ist auch auf dem asiatischen Markt aktiv. Unter anderem der VfL Osnabrück nutzt die Anwendung, um passende Spieler für seinen Kader zu finden, und stieg in die 2. Bundesliga auf.

„Keine isolierten Statistiken. Kein Bauchgefühl“, beschreibt das Unternehmen seinen Score. Er basiert nach eigenen Angaben auf der Auswertung von mehr als zwei Millionen Spielen, mehr als 400.000 Spielern und Milliarden von Datenpunkten. Die Prinzipien dahinter stammen teils aus Sprachmodellen wie ChatGPT, sind aber für den Fußball adaptiert. Bewusst nutzt die KI nicht ausschließlich Daten des Weltverbandes FIFA: Turnierdaten sind statistisch zu gering und zu volatil, deshalb fließen Partien aus Vereinsspielen und Länderspielen aus verschiedenen Quellen ein.

Wie der Score funktioniert

Das Tool ordnet jedem Spieler einen Score zu, der sich aus den gesammelten Daten errechnet und anschließend als Vergleichsparameter dient. „Ein Stürmer wird natürlich mit anderen Kriterien bewertet als ein Innenverteidiger“, sagt Firmengründer Wendt. Die KI erstellt Ranglisten, nimmt den besten Spieler als Fixpunkt und erkennt so Veränderungen im Fußball. Ziel ist es, den wahren Beitrag jedes Spielers zum Erfolg der Mannschaft zu messen, die systemische Effizienz.

Plaier arbeitet dabei mit zwei Werten. Der „N18 Nominal Score“ misst die Stärke des gesamten Kaders, der „Effective Score“ bewertet die elf Spieler, die tatsächlich auf dem Platz stehen. Emotionale und psychologische Faktoren, die bei einer Nominierung oder Startelf-Aufstellung eine Rolle spielen können, bleiben unberücksichtigt.

5082 gegen 5666: Deutschland im Vergleich mit der Weltspitze

Der Gesamtdurchschnitt des Team-Scores des deutschen WM-Kaders betrug 5082. Der bestmögliche realistische Kader hätte laut Plaier bei 5503 gelegen, allein durch andere Nominierungen wäre also ein deutlicher Sprung möglich gewesen. Zum Vergleich: Weltmeister Spanien kommt auf 5666, England auf 5595 und Frankreich auf 5506.

Deutschland war damit sowohl beim Nominal Score als auch beim Effective Score schwächer als die Halbfinal-Teilnehmer. Das Turnier endete für die Mannschaft von Julian Nagelsmann bereits im Sechzehntelfinale mit dem Aus gegen Paraguay, die Kritik an dem 39-Jährigen ist auch zwei Monate später noch enorm.

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Joshua Kimmich beim Training der deutschen Nationalmannschaft am 28. Mai 2026 in Herzogenaurach. Laut der KI-Analyse ist er mit knapp 7000 Punkten der beste deutsche Spieler. (Alexander Hassenstein / Getty Images)

Kimmich auf der falschen Position

Der interessanteste Teil der Analyse betrifft nicht den Kader, sondern die Aufstellung. Joshua Kimmich ist mit knapp 7000 Punkten einer der wenigen Weltklassespieler im deutschen Aufgebot. Bei der WM spielte er unter Nagelsmann jedoch als Rechtsverteidiger, nicht als tiefstehender Spielmacher im Zentrum. Genau diese Position ist laut Plaier eine der wichtigsten im Weltfußball, sein Score als rechter Verteidiger fällt deutlich geringer aus. Zum Vergleich: Spaniens Rodri, der im Zentrum von Manchester City genau diese Rolle ausfüllt, wurde zum Spieler der WM gewählt.

Ein ähnliches Muster zeigt sich bei Florian Wirtz vom FC Liverpool. Sein Score liegt bei 5397, seinen Höchstwert erreicht er zentral, gespielt hat er dort nicht. Kimmich, der auch unter Klopp Kapitän bleibt, und Wirtz sind damit die beiden prominentesten Beispiele für verschenkte Qualität.

Die Nominierungen, die die KI nicht versteht

Noch deutlicher wird die Analyse bei einzelnen Personalentscheidungen. Der Score von Maximilian Mittelstädt liegt bei 6816, im WM-Kader stand er nicht. Antonio Rüdiger von Real Madrid kommt auf 3819 und gehörte im Spiel gegen Paraguay zur Startelf, ebenso Felix Nmecha von Borussia Dortmund mit 4265. Auf der Bank blieben zunächst Nadiem Amiri vom 1. FSV Mainz 05 mit 6371 und David Raum von RB Leipzig mit 5484.

Laut Plaier sind die zentralen Mittelfeldpositionen und die Außenbahnen die im Weltfußball entscheidenden Stellen. „Das Spiel wird im Maschinenraum gewonnen“, betont Wendt. „Viele schauen auf Harry Kane und Erling Haaland. Aber das Spiel wird gewonnen von Kimmich, Jamal Musiala, Michael Olise, auf der richtigen Position eingesetzt.“ Als Beleg führt er die Debatte um Toni Kroos an: „Wir hatten ja diese Toni-Kroos-Diskussion, als er das fünfte Mal Champions League gewonnen hat. Kroos ist mit Abstand einer der besten deutschen Spieler aller Zeiten, wenn nicht der beste deutsche Spieler aller Zeiten.“

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Jürgen Klopp bei seiner Vorstellung als 13. Bundestrainer am DFB-Campus in Frankfurt: Sein erstes großes Turnier ist die EM 2028 in Großbritannien und Irland. (Copyright AFP/John MacDougall)

Was das für Klopp bedeutet

Für den neuen Bundestrainer liest sich die Auswertung wie eine Hausaufgabenliste. Die Substanz im Kader ist da, sie wurde bei der WM aber falsch sortiert. Klopp hat mit seiner erweiterten Kandidatenliste bereits abgesteckt, mit welchem Personal er arbeiten will, und er übernimmt eine Mannschaft mit offenen Baustellen.

Zeit für Experimente hat er dabei mehr als sein Vorgänger. Die nächsten Länderspiele stehen im September und Oktober an, das nächste große Turnier folgt erst in zwei Jahren mit der EM 2028 in Großbritannien und Irland. Wenn die KI-Analyse in einem Punkt recht hat, dann in diesem: Die wichtigste Entscheidung eines Bundestrainers ist nicht, wen er mitnimmt, sondern wo er ihn spielen lässt.

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