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·14. Juli 2026

KI-Prognose zur WM 2026: Neun Modelle, nur zwei Namen

Artikelbild:KI-Prognose zur WM 2026: Neun Modelle, nur zwei Namen

Neun KI-Modelle, eine Frage, zwei Antworten. Al Jazeera ließ die führenden Sprachmodelle den Weltmeister 2026 tippen – fünf sagen Frankreich, vier Argentinien. Das Pikante: Im Halbfinale stehen noch vier Teams. Zwei davon existieren für die Maschinen schlicht nicht.

Das Rechenspiel: 5:4 für Frankreich

Die Ausgangslage ist schnell erzählt. AJLabs, die Datenredaktion von Al Jazeera, fütterte neun führende KI-Modelle mit allen verfügbaren Turnierdaten und ließ sie das Podium der WM 2026 prognostizieren. Fünf Modelle – Gemini, Grok, DeepSeek, Le Chat und Qwen – setzen auf Frankreich. Die übrigen vier – ChatGPT, Claude, Copilot und Meta AI – tippen auf Titelverteidiger Argentinien.


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Ein 5:4. Knapper geht es kaum. Und doch erzählt die Abstimmung eine zweite Geschichte, die lauter ist als das Ergebnis selbst: Kein einziges Modell traut England den Titel zu. Keines Spanien. Dem amtierenden Europameister, der an diesem Dienstagabend in Arlington gegen Frankreich um den Finaleinzug spielt, geben die Maschinen bestenfalls Bronze – sechs von neun Modellen sehen die Spanier auf Platz drei.

Spanien und England: von den Maschinen abgeschrieben

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen. Vier Mannschaften stehen im Halbfinale, alle vier haben fünf K.-o.-Spiele überstanden, alle vier gehören zur absoluten Weltspitze. Und trotzdem verteilen neun Rechenmodelle ihre neun Champion-Stimmen auf exakt zwei Namen.

Bei den Prognosen für den Vizeweltmeister wird das Bild etwas bunter: Frankreich und Argentinien erhalten je drei Stimmen, England zwei, Spanien eine. Übersetzt heißt das: Die KIs halten ein Finale Frankreich gegen Argentinien für das mit Abstand wahrscheinlichste Szenario – eine Neuauflage von Katar 2022, diesmal auf nordamerikanischem Boden.

Die Frage ist nicht, ob diese Rechnung plausibel ist. Das ist sie. Die Frage ist, ob sie den beiden übergangenen Teams nicht genau die Munition liefert, die man vor einem Halbfinale braucht. Lamine Yamal jedenfalls hat bereits angekündigt, dass Spanien bis zum 19. Juli zu bleiben gedenkt.

Warum die Modelle Frankreich lieben

Der Blick auf die Turnierverläufe erklärt die Präferenz. Frankreich marschiert. Das 3:0 im Viertelfinale gegen Marokko in Foxborough war die logische Fortsetzung eines Turniers, in dem die Équipe Tricolore bislang kaum ins Wanken geriet – Mbappé traf auch gegen Marokko. Auch England kam vergleichsweise geräuschlos durch die K.-o.-Runde.

Argentinien dagegen lebt gefährlich. Verlängerung gegen Kap Verde. Verlängerung gegen die Schweiz. Dazwischen ein Achtelfinale gegen Ägypten, das erst in der Schlussphase gedreht wurde – samt VAR-Wirbel, der die FIFA bis heute beschäftigt. Das 3:1 im Viertelfinale gegen die Schweiz war der erste Auftritt, bei dem die Albiceleste nicht am Abgrund entlangbalancierte. Für Wahrscheinlichkeitsmodelle sind solche Zitterpartien Gift: Wer dreimal in Folge Grenzerfahrungen braucht, bekommt schlechtere Zahlen. Punkt.

Messis Sonderfall

Umso bemerkenswerter ist, was dieselben Modelle über den Mann sagen, der Argentinien trägt. Das KI-Modell von Oddschecker beziffert Messis Chance auf den Goldenen Schuh auf 71 Prozent – Mbappé folgt mit 23, Harry Kane mit 11 Prozent. Der 39-Jährige liegt mit dem Franzosen in der Torjägerliste gleichauf und spielt ein Turnier, das seinem Alter Hohn spricht.

Die Maschinen zeichnen also ein gespaltenes Bild: Messi ja, Argentinien eher nicht. Man kann das als kalte Statistik lesen. Man kann es auch als das ewige Muster dieser Mannschaft erkennen – unterschätzt, angezählt, und genau dann am gefährlichsten.

Was das KI-Orakel wirklich taugt

Bleibt die Gretchenfrage: Wie ernst darf man das alles nehmen? Die ehrliche Antwort: ernster als einen Stammtisch, aber deutlich weniger ernst, als die Schlagzeilen suggerieren. KI-Prognosen erreichen bei K.-o.-Spielen eine Trefferquote, die etwa dem Experten-Konsens entspricht. Was sie nicht können: Sensationen vorhersagen. Kameruns Sieg über Brasilien in diesem Turnier hatte kein Modell auf dem Zettel, Saudi-Arabiens Coup gegen Argentinien 2022 ebenso wenig.

Dazu kommt ein Detail, das gerne untergeht: Die Modelle widersprechen sich untereinander. Opta simulierte das Turnier vor dem Anpfiff 10.000 Mal und kam zu einem anderen Favoriten als die Sprachmodelle jetzt. Ein 5:4-Votum ist keine Festlegung – es ist das Eingeständnis, dass dieses Turnier offen ist wie lange keines.

Heute Abend um 21 Uhr (ZDF) hat Spanien die erste Gelegenheit, neun Rechenzentren zu blamieren. Morgen darf England nachlegen. Der Fußball hat die schöne Eigenschaft, dass er sich von Wahrscheinlichkeiten nichts vorschreiben lässt – wer das vergessen hat, frage in Kamerun nach.

Häufige Fragen zur KI-Prognose für die WM 2026

Welche KI-Modelle hat Al Jazeera befragt?

Insgesamt neun führende Modelle. Für Frankreich stimmten Gemini, Grok, DeepSeek, Le Chat und Qwen, für Argentinien ChatGPT, Claude, Copilot und Meta AI. Grundlage waren alle verfügbaren Turnier- und Teamdaten.

Wie fielen die Prognosen für Platz zwei und drei aus?

Beim Vizeweltmeister erhielten Frankreich und Argentinien je drei Stimmen, England zwei und Spanien eine. Auf Platz drei sehen sechs von neun Modellen Spanien – trotz des laufenden EM-Titels der Iberer.

Wann finden die Halbfinals der WM 2026 statt?

Frankreich trifft am Dienstag, 14. Juli, um 21 Uhr (MESZ) im AT&T Stadium in Arlington auf Spanien (ZDF). England spielt am Mittwoch, 15. Juli, um 21 Uhr im Mercedes-Benz Stadium in Atlanta gegen Argentinien (ARD). MagentaTV zeigt beide Partien ebenfalls.

Wann steigt das WM-Finale 2026?

Das Endspiel findet am Sonntag, 19. Juli, um 21 Uhr (MESZ) statt und läuft im ZDF sowie bei MagentaTV. Das Spiel um Platz drei wird am Samstag, 18. Juli, um 23 Uhr exklusiv bei MagentaTV übertragen.

Wie zuverlässig sind KI-Prognosen im Fußball?

Sie liegen etwa auf dem Niveau des Experten-Konsens und damit klar über dem Zufall. Ihre Schwäche bleiben Überraschungen: Weder Kameruns Sieg über Brasilien bei dieser WM noch vergleichbare Sensationen früherer Turniere wurden von Modellen vorhergesagt.

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