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·17. September 2026
Kimmich zurück ins Zentrum: Klopp räumt die Nagelsmann-Baustelle ab

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Julian Nagelsmann hat zwei Jahre gebraucht, um Joshua Kimmich vom Rechtsverteidiger nicht zurück ins Mittelfeld zu holen. Jürgen Klopp brauchte einen Besuch an der Säbener Straße und ein Gespräch. Am Donnerstag machte er es öffentlich: Kimmich bleibt Kapitän, und er spielt in der Mitte.
Bei der Vorstellung seines ersten DFB-Kaders wurde Klopp nach der Position des 31-Jährigen gefragt. Die Antwort war so knapp, dass sie als Entscheidung durchgeht: „Wir sehen ihn als Mittelfeldspieler.“ In den Planungen mit dem Trainerteam sei die rechte Abwehrseite für Kimmich nie Thema gewesen. Er könne die Position spielen, und Klopp könne nachvollziehen, dass es in der Vergangenheit so gemacht wurde. Nur eben nicht mehr.
Kimmich hat seine Länderspielkarriere als Rechtsverteidiger begonnen, bei Bayern 2020 die Champions League auf dieser Position gewonnen und unter Hansi Flick bei der WM 2022 die Sechs gespielt. Nagelsmann schob ihn ab 2024 wieder nach rechts – aus Not, weil der DFB dort seit Jahren niemanden hat, und aus Überzeugung, weil ihm das Zentrum mit anderen Namen besser gefiel. Beides ließ sich vertreten. Die WM 2026 hat das Argument beendet: Aus in der ersten K.-o.-Runde gegen Paraguay, mit einem Kapitän, der von der Außenbahn nicht das Spiel bestimmen konnte, das er bei Bayern jede Woche bestimmt.
Philipp Lahm und Lothar Matthäus hatten die Rückversetzung während des Turniers öffentlich gefordert. Laut Bild hatte Klopp die Entscheidung bereits beim Bundesliga-Auftaktwochenende in München getroffen, im ersten persönlichen Gespräch mit Kimmich. Dass er sie erst jetzt ausspricht, gehört zur Dramaturgie eines Neustarts, der Vertrauen verteilen soll, bevor er Leistung fordert.
Die Binde trägt Kimmich im ersten der beiden Klopp-Kader, also in Amsterdam gegen die Niederlande und daheim gegen Griechenland. Klopp erwartet von ihm, schlicht gesagt, Topleistung – und ein Vorangehen, wie es einem Spieler mit 114 Länderspielen zustehe. Zugleich betonte er, die Mannschaft müsse sich auf eine neue Art Fußball einstellen, taktische Themen müssten zügig angegangen werden. Er habe keinen Zweifel, dass Kimmich sein Potenzial abrufe.
Der Vorbehalt steckt im Kleingedruckten. Klopp bestätigte das Kapitänsamt „vorerst“. Und er sagte, alles hänge immer davon ab, wie jemand spiele – ausdrücklich nicht als Drohung gemeint. Bei einem Trainer, der 44 Spieler in zwei Blöcken nominiert und 16 Debütanten mitbringt, ist das trotzdem eine Ansage: Es gibt Gesetzte, aber keine Unantastbaren.
Mit Kimmichs Umzug ins Zentrum ist die Rechtsverteidigerposition wieder das, was sie unter Nagelsmann schon war, bevor er sie mit Kimmich kaschierte: eine offene Stelle. Im Kader stehen mit Felix Keidel aus Elversberg und Merlin Röhl von Everton zwei Spieler, die dort aushelfen können, ohne dort zu Hause zu sein. Klopp hat sich also nicht für eine Lösung entschieden, sondern gegen eine Notlösung. Das ist ein Unterschied, den man in Amsterdam sehen wird.
Für Kimmich selbst ändert sich weniger, als es klingt. Bei Bayern spielt er längst wieder im Zentrum, unter Klopp tut er es jetzt auch im DFB-Trikot. Die Frage ist nicht, ob er die Position beherrscht. Die Frage ist, ob eine Mannschaft, die drei Monate nach einem WM-Debakel neu zusammengesetzt wird, um ihn herum gebaut werden kann – oder ob er in Klopps Pressingfußball zum ersten Mal in seiner Karriere nur ein Teil des Systems ist. Wer den Bundestrainer kennt, ahnt die Antwort.







































