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·28. Mai 2026
Kimmichs unbequeme Lesart: Das Scheitern lag auch an den Köpfen

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DFB-Kapitän Joshua Kimmich nennt fehlenden Teamgeist als Mitgrund fürs WM-Aus 2022 und hält Mannschaftsabende für überbewertet.
Joshua Kimmich hat im Gespräch mit Sports Illustrated einen Satz gesagt, der mehr ist als eine Floskel aus dem Vorbereitungsmodus. „Du sitzt in der Kabine, und da ist ein Team", erklärte der Kapitän der Nationalmannschaft. Wer den Satz hört, hört auch das Gegenteil mitschwingen. Es muss Phasen gegeben haben, in denen das nicht so war. Kimmich bestätigt das selbst, wenn er von früheren Zeiten spricht, in denen er den Eindruck hatte, dass der eine oder andere zur Nationalmannschaft fährt und es ihm nur um sich selbst geht.
Das ist eine bemerkenswerte Aussage, weil sie ohne Umweg auskommt. Kein Drumherumreden, keine diplomatische Verpackung. Kimmich ordnet die Bilanz der vergangenen Jahre nicht über Systeme, Trainer oder Verletzte, sondern über Haltung. Bei der WM 2022 in Katar schied das DFB-Team zum zweiten Mal nacheinander in der Vorrunde aus, und der Kapitän liefert nun, Jahre später, eine Lesart, die unbequem ist: Es lag eben auch an den Köpfen in der Kabine, nicht nur an den Beinen auf dem Platz.
Vor der WM in den USA, Mexiko und Kanada, die vom 11. Juni bis zum 19. Juli ausgetragen wird, beschreibt Kimmich ein anderes Innenleben. Es sei, sagt er, „jedem Einzelnen wirklich wichtig", dass die Mannschaft als Team erfolgreich ist. Und er fügt einen Gedanken an, der in der Inflation der Nominierungsdebatten der vergangenen Jahre fast verloren gegangen war: „Es ist nicht mehr selbstverständlich, bei der Nationalmannschaft dabei zu sein, es ist etwas Besonderes. Und das sollte es auch." Wer die Auswahl als Auszeichnung begreift, geht anders in einen Zweikampf als jemand, der sie für eine Selbstverständlichkeit hält.
Spannend ist, was Kimmich nicht sagt. Er ruft nicht nach mehr Mannschaftsabenden, mehr Teambuilding, mehr inszenierter Nähe. Im Gegenteil. Gemeinsame Zeit im Kreis der Kollegen sei „überbewertet", erklärt der 31-Jährige. Ein Mannschaftsabend allein werde „niemals dazu führen, dass alle auf dem Platz Freunde sind". Das ist eine Spitze gegen ein Genre der Fußballfolklore, das nach jedem Scheitern wieder bemüht wird – die Vorstellung, ein gemeinsames Essen oder ein Kartenabend könne reparieren, was im Selbstverständnis der Spieler verrutscht ist.
Kimmich dreht die Logik um. Erst die Leistung, dann die Nähe. „Wenn wir im Spiel an einem Strang ziehen und dann abends noch Bock haben, gemeinsam wegzugehen, kann das wie ein Katalysator wirken. Andersherum funktioniert das nicht." Das ist die Lehre eines Spielers, der zwei Vorrundenausscheiden erlebt hat und dabei offenbar gelernt hat, dass Gruppendynamik nicht aus Pflichtterminen entsteht, sondern aus geteilter Erfahrung auf dem Platz.
Ob die Diagnose stimmt, lässt sich vor dem Turnier nicht überprüfen. Stimmungswechsel sind weiche Größen, sie offenbaren sich erst, wenn etwas schiefläuft – wenn ein Spiel kippt, wenn ein Spieler nicht spielt, wenn die Rollenverteilung in Frage steht. Bemerkenswert ist trotzdem, dass der Kapitän das Thema überhaupt anspricht. Er benennt damit ein Problem, das offiziell lange keines sein durfte. Und er deutet an, woran er die Veränderung festmacht: nicht an Worten, sondern an dem, was passiert, wenn elf Spieler in einer Kabine sitzen und dort, in seiner Wahrnehmung, jetzt ein Team ist.







































