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·16. September 2026

Klopp macht ter Stegen zur Nummer 1 – und die Neuer-Frage stellt sich nicht mehr

Artikelbild:Klopp macht ter Stegen zur Nummer 1 – und die Neuer-Frage stellt sich nicht mehr

Die erste große Personalentscheidung des neuen Bundestrainers ist offenbar gefallen, noch bevor er seinen ersten Kader verkündet hat: Marc-André ter Stegen wird unter Jürgen Klopp wieder die Nummer 1 im deutschen Tor. Das berichten kicker und Bild übereinstimmend. Es ist eine Entscheidung mit Fußnote, aber die richtige. Und sie beendet eine Debatte, die eigentlich längst beendet sein sollte.

Comeback in der neuen Heimat

Ter Stegen kehrt damit nach mehr als 15 Monaten in die Nationalmannschaft zurück. Sein letztes Länderspiel bestritt er am 8. Juni 2025 gegen Frankreich in der Nations League, danach kosteten ihn mehrere Muskelverletzungen nicht nur Spielzeit, sondern auch die WM, die er eigentlich als Stammtorwart unter Julian Nagelsmann bestreiten sollte. Ausgerechnet in Amsterdam, wo er seit dem Sommer leihweise für Ajax spielt, soll er am 24. September gegen die Niederlande sein Comeback feiern. Klopp soll den 34-Jährigen kurz nach Amtsantritt persönlich angerufen haben, ter Stegen selbst sprach Anfang September von einem wirklich tollen Gespräch.


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Die Fußnote steht in jedem Bericht: sofern er fit ist. Ter Stegens Körper ist seit November 2023 ein Risikofaktor. Auf seiner vorherigen Leihstation in Girona kam er auf zwei Einsätze, sein Ajax-Trainer sprach diese Woche davon, nach der Länderspielpause weiter an seiner Genesung arbeiten zu wollen. Bei Ajax stand er bislang in fünf Ligaspielen, zweimal ohne Gegentor. Das ist eine gute Nachricht, aber noch keine Garantie.

Warum Neuer keine Option mehr ist

Wer jetzt reflexartig nach Manuel Neuer ruft, hat den Sommer verpasst. Neuer war im August 2024 zurückgetreten, wurde für die WM zurückgeholt, als ter Stegen ausfiel, und trat nach dem Aus gegen Paraguay erneut zurück. Zweimal. Er ist 40 Jahre alt, sein Bayern-Vertrag läuft von Jahr zu Jahr, bei der EM 2028 wäre er 42. Klopp hat einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 unterschrieben. Eine Mannschaft für diesen Zyklus um einen Torwart zu bauen, der bei keinem der relevanten Turniere mehr dabei sein wird, bringt außer ein paar Nations-League-Abenden nichts.

Wie teuer ein Comeback aus der Not ist, zeigt der Fall Oliver Baumann. Nagelsmann ließ den Hoffenheimer bis ins Frühjahr im Glauben, die Nummer 1 bei der WM zu sein, dann kam Neuer aus dem Ruhestand zurück. Jetzt steht Baumann laut Berichten gar nicht mehr im Kader. Die Sportschau formulierte es diese Woche knapp: Vorbei sollte diesmal wirklich vorbei sein.

Eine Brücke, kein Plan

Ehrlich betrachtet ist ter Stegen keine Zukunftslösung, sondern eine Übergangslösung. Er ist 34, hat 44 Länderspiele und stand abgesehen vom Confed Cup 2017 bei keinem großen Turnier als Nummer 1 im Tor. Was er mitbringt, ist Erfahrung, ein Eins-gegen-eins auf Weltklasseniveau und Spielpraxis, die er endlich wieder hat. Für einen Trainer, der eine Mannschaft nach dem WM-Aus im Sechzehntelfinale stabilisieren muss, ist eine bekannte Größe im Tor ein vernünftiger Anfang. Mehr aber auch nicht.

Die eigentliche Frage lautet deshalb: Wer steht dahinter? Der deutsche Torwart-Pool ist so dünn wie seit Jahrzehnten nicht, die Leistungsdichte ist eng, das Niveau darunter aber nicht Weltklasse. Alexander Nübel, 29, seit Sommer bei Besiktas und in seinen ersten sechs Pflichtspielen ohne Gegentor, ist auf Formbasis der glaubwürdigste Anwärter. Jonas Urbig, 23, ist bei Bayern als Neuer-Nachfolger eingeplant, allerdings erst für 2027/28, und kam in dieser Saison nur gegen Osnabrück und Elversberg zum Einsatz. Genau das ist Lothar Matthäus‘ Einwand: Wie soll man einen Torwart aufbauen, der im Verein nicht spielt? Finn Dahmen soll ebenfalls nominiert werden, Noah Atubolu und Loris Karius gelten als Außenseiter.

Zwei Jahre Zeit, wenn der Körper hält

Hält ter Stegen durch, bekommt Klopp zwei Jahre, um einen dieser Kandidaten heranzuführen, ohne dass der Nachfolger sofort ins kalte Wasser muss. Bricht ter Stegen im Oktober erneut weg, steht Klopp ohne Netz da, und dann wird die Neuer-Frage wieder aufkommen. Sie wäre auch dann die falsche Antwort. Ter Stegen ist nicht der beste Torwart, den Deutschland theoretisch stellen könnte. Er ist die beste Option für die Lage, in der Klopp tatsächlich steckt. Die Alternative, die viele im Kopf haben, gibt es nicht mehr.

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