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·30. August 2026

Klopp telefoniert sich in ein Amt, das Punkte verlangt

Artikelbild:Klopp telefoniert sich in ein Amt, das Punkte verlangt

Sprachnachricht an Musiala, Termin in Stuttgart, Tribünenplatz in Augsburg: Der neue Bundestrainer beginnt mit Nähe – und weiß, dass sie nichts wert ist ohne Siege.

Am Sonntag steht ein Bundestrainer beim Training des FC Bayern, um Jamal Musiala zu treffen, dem er zuvor schon eine Sprachnachricht geschickt hat. Am Nachmittag sitzt derselbe Mann in Augsburg beim Spiel des FCA gegen Schalke 04. Am Montag ist er in Stuttgart verabredet, mit Dzenan Pejcinovic, der alle U-Mannschaften des DFB durchlaufen und zuletzt sieben Spiele in der U21 bestritten hat.


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Jürgen Klopp führt das Amt des Bundestrainers zurück auf das, was ein Trainerberuf im Kern ist: Menschen ansprechen, ehe man sie einteilt. Das ist keine Marketingtour, das ist eine Zäsur im Umgang mit den eigenen Spielern. Wer wissen will, wie dieser Bundestrainer arbeitet, muss nicht auf Taktiktafeln schauen, sondern auf einen Kalender, in dem drei Städte an drei Tagen stehen.

„Er weiß das jetzt, weil ich gesagt habe: Wenn ich Montag in Stuttgart bin, treffen wir uns“, sagte Klopp vor dem Bundesliga-Auftaktspiel zwischen dem FC Bayern und dem VfB am Freitagabend bei Sat.1. Kein Vielleicht, kein Beobachtungsstatus, kein Warten auf die Formkurve. Ein Stürmer, der bislang in der U21 spielte, bekommt einen Termin – und damit die Information, dass er im Plan des Bundestrainers vorkommt.

Es klingt nach Charme-Offensive, wenn ein Bundestrainer Sprachnachrichten verschickt und Namen wie Florian Wirtz und Musiala aufzählt, bevor er einen einzigen Spieler nominiert hat. Nähe ist billig zu haben; sie kostet nichts als Fahrzeit und Handyakku. Ein Amt, das an Turnierergebnissen gemessen wird, lässt sich mit Ansprache nicht führen, und Aufmerksamkeit für Einzelne kann leicht zur Ersatzhandlung werden, solange kein Spielplan steht.

Nur hat Klopp diesen Vorwurf selbst schon entwertet, und zwar in einem Satz, den er niemandem schuldig war: „Wir haben ganz viel vor beim DFB, aber wir wissen, wir können uns Zeit nur kaufen über Ergebnisse, also über Fortschritte.“ Er könne erzählen, was er wolle, „aber wenn wir am Ende die Spiele verlieren, dann habe ich auch nicht so wahnsinnig viel Zeit“. Das ist keine Demutsgeste, das ist eine selbst gesetzte Frist.

Die Botschaft, die er den kontaktierten Spielern übermittelt hat, ist ebenso wenig Wohlfühlprogramm: „dass wir vieles intensiver gestalten wollen. Da sind sich aber auch alle einig. Es ist ja wirklich so: Besser spielen sollte möglich sein, und dafür muss jeder ein bisschen mehr machen.“ Wer so redet, verteilt keine Streicheleinheiten, sondern Hausaufgaben. Der Unterschied zur Kaderliste ist nur, dass die Hausaufgaben vorher kommen.

Dazu passt der Anspruch, den Klopp im internationalen Vergleich formuliert. Es gehe nicht darum, „dass wir die besten Talente der Welt haben“, sondern darum, „dass es für den Gegner wahnsinnig schwer ist, gegen uns zu spielen. Damit müssen wir jetzt anfangen“. Ein Satz, der jede Debatte über Einzelbegabungen beiseiteschiebt und die Mannschaft als Arbeitseinheit definiert.

Den ersten Kader nominiert Klopp erst am 17. September, für die Nations-League-Spiele in den Niederlanden am 24. September, gegen Griechenland in Augsburg am 27. September, gegen Serbien in München am 1. Oktober und in Griechenland am 4. Oktober – wer sich vier Pflichtspiele in elf Tagen vorgenommen hat, hat für Symbolpolitik schlicht keinen Kalenderplatz mehr. Die Wochen bis zur Nominierung sind die einzige Zeit, in der ein Bundestrainer Beziehungen aufbauen kann, ohne dass ein Ergebnis dazwischenfunkt.

Was Klopp gerade tut, ist deshalb kein Vorspiel zum Amt, sondern dessen erster Arbeitstag: Er sammelt in den letzten ruhigen Tagen das ein, was ihm ab dem 24. September niemand mehr schenkt.

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