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·3. September 2026
Klopp über die Kunst, im Fußball die Balance zu finden

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Zwei Wochen vor seiner ersten Kadernominierung als Bundestrainer hat Jürgen Klopp Einblicke in seine Herangehensweise gewährt. In einem Interview mit Sports Illustrated Deutschland sprach der 59-Jährige über seine Antrittsphilosophie, den Umgang mit Rückschlägen und die gesellschaftliche Strahlkraft des Fußballs.
DORTMUND, DEUTSCHLAND – 22. August 2026: Bundeskanzler Friedrich Merz spricht auf der Tribüne mit Jürgen Klopp vor dem Franz Beckenbauer Supercup zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München im Signal Iduna Park. (Foto: Alex Grimm/Getty Images)
Klopp beschrieb, dass er bei jedem neuen Engagement zunächst eine Beobachtungsphase einlegt, bevor er eigene Akzente setzt. „Ich habe bei jedem Neuanfang zunächst zugehört, mir Dinge angesehen, reingehört“, erklärte er. Entscheidend sei anschließend, das Wahrgenommene richtig zu bewerten und die Mannschaft für den gemeinsamen Weg zu gewinnen. „Die Kunst besteht dann darin, all das richtig einzuordnen und die Menschen zu inspirieren, von dem gemeinsamen Weg zu überzeugen und eine Lust zu entwickeln“, so der neue Chefcoach der Nationalmannschaft.
Sein Debüt auf der Bank steht am 24. September in der Nations League gegen die Niederlande an. Dass dabei von Beginn an alles reibungslos funktioniert, erwartet Klopp jedoch nicht. Die Ungewissheit über den Erfolg eines neuen Konzepts gehöre zum Trainerberuf dazu. „Nicht zu wissen, ob es funktioniert, ist das Erste, was du als Fußballtrainer lernst“, sagte er.
Aus dieser Unsicherheit lassen sich laut Klopp zwei Wege ableiten. Entweder man scheue das Risiko von vornherein, oder man wage den Versuch trotz offenen Ausgangs. „Entweder man sagt: ‚Dann versuche ich es erst gar nicht‘, oder man sagt: ‚Scheiß drauf, ich gucke jetzt mal‘. Wenn wir schon mal da sind, können wir es auch richtig versuchen. Diesen Mut würde ich für mich auf jeden Fall unterschreiben“, betonte der gebürtige Stuttgarter.
Ideen und Diskussionen im Trainerteam seien wichtig, doch am Ende brauche es eine klare Entscheidungsinstanz. „Aber am Ende muss jemand entscheiden. Und das ist der spannendste Moment. Dann heißt es ‚Hose runter‘, jetzt muss es funktionieren“, schilderte Klopp den Moment der Wahrheit. Es gehe darum, trotz Unsicherheit über den Ausgang bestmöglich vorbereitet zu sein. „Das ist der Mut, der notwendig ist, um vorwärtszukommen.“
Sollte der eingeschlagene Kurs aufgehen, sieht Klopp darin auch eine Wirkung, die über das sportliche Geschehen hinausreicht. „Fußball kann die gesellschaftliche Atmosphäre beeinflussen“, erklärte er und mahnte ein Bewusstsein für diese Rolle an. „Dieser Verantwortung sollte man sich bewusst sein. Das ist die Rolle, und darüber hinaus gibt es keine gesellschaftlich relevante Funktion. Es ist ja nicht so, dass durch einen Titel das Bruttoinlandsprodukt steigt oder man mehr Autos verkauft.“
Als notorischen Grübler will sich der selbsternannte „Gerechtigkeitsfanatiker“ dabei nicht verstanden wissen. Negative Szenarien im Voraus durchzuspielen, hält er für wenig zielführend. „Mit negativen Konsequenzen setze ich mich auseinander, wenn sie da sind. Es kostet zu viel Lebensqualität, alle negativen Szenarien vorher schon durchzuspielen. Das ist verschwendete Zeit. Aber ich bin kein Idiot, der sagt: ‚Wird schon'“, stellte er klar.
Bleibt der gewünschte Erfolg dennoch aus, schließt Klopp auch deutlichere Töne gegenüber der Mannschaft nicht aus. „Nicht besonders häufig, aber wenn ich das Gefühl habe, dass jemand die Dinge nebenher so laufen lässt, dann schraube ich schon mal die Drehzahl hoch“, kündigte der künftige Bundestrainer an.







































