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·28. September 2026

Klopps Auftakt: Schon Alarmstufe Rot?

Artikelbild:Klopps Auftakt: Schon Alarmstufe Rot?

Vier Tage. Zwei Spiele. Ein Punkt. So sieht er also aus, der große Neuanfang, auf den halb Fußball-Deutschland seit dem WM-Debakel gewartet hat? Nach dem Sechzehntelfinal-Aus gegen Paraguay – zum dritten Mal in Folge scheiterte die DFB-Elf bei einer Weltmeisterschaft früh – warf Julian Nagelsmann trotz laufenden Vertrags bis zur EM 2028 hin. Jürgen Klopp, bis dahin „Global Head of Soccer“ bei Red Bull und WM-Experte im Pay-TV, übernahm und band sich gleich bis zur WM 2030. Sein erstes großes Ziel: die EM 2028 in England, Schottland, Wales, Nordirland und Irland.

Und weil ihm dafür noch zwei Jahre bleiben, machte Klopp aus seinem Einstand direkt eine XXL-Sichtung: 44 Spieler in zwei Kadern, darunter 16 ohne A-Länderspiel-Erfahrung – Namen wie Mika Baur (frisch von Paderborn zu Celtic gewechselt), Bambasé Conté oder Felix Keidel, die vorher kaum jemand auf dem Zettel hatte. Kimmich blieb Kapitän. Ein Titelversprechen wollte Klopp vorher nicht abgeben, aber eine Ansage machte er: „Wir lernen, Spaß unter Druck zu haben.“ Nach zwei Spielen wird er sich fragen müssen, wie viel davon schon angekommen ist.


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Amsterdam: So nah dran am perfekten Start

September, Johan Cruijff ArenA. Klopps Startelf: ter Stegen – Treu, Tah, Schlotterbeck, Brown – Kimmich, Nmecha, Amiri – Adeyemi, Havertz, Schade. Und es lief richtig gut an.

Van Dijks Kopfballtor wurde in der 13. Minute per VAR wieder einkassiert. Zunächst wurde ein Block von Brobbey gegen ter Stegen als möglicher Grund diskutiert, tatsächlich war die entscheidende Abseitsstellung Brobbeys ausschlaggebend: Er stand im Abseits und nahm ter Stegen dabei die Sicht. Glück für die Deutschen so oder so.

In der 32. Minute traf dann Felix Nmecha nach Treu-Flanke und einer Van-Hecke-Grätsche zum 1:0. Pause mit Vorsprung, Debüt-Party in Sicht.

Nur: Havertz musste wegen muskulärer Probleme im Oberschenkel schon in der 30. Minute für Younes Ebnoutalib raus – nichts mit einem Zweikampf, einfach Pech. Und in Durchgang zwei drehten die Niederländer auf. 3,18 erwartete Tore und 22 Abschlüsse standen am Ende auf ihrer Seite, Deutschland kam auf 1,45 xG und zehn Schüsse. Ter Stegen hielt mit neun Paraden lange alles zusammen, sieben davon innerhalb des Strafraums. Im Spielaufbau wirkte er allerdings bei einigen Aktionen ungewohnt unsicher.

Dann, in der 90.+2, der Nackenschlag: Cody Gakpo trifft zum 1:1. Ausgerechnet in der Nachspielzeit. 😬

Augsburg: Die erste Pleite gegen Griechenland – im Ernst

Drei Tage später, Heimdebüt in der WWK-Arena. 28.945 Zuschauer, erstmals seit mehr als 25 Jahren wieder mit Stehplätzen bei einem deutschen Heimspiel – das Publikum wollte diesen Umbruch sehen.

Klopp rotierte auf fünf Positionen: Nübel statt ter Stegen im Tor, Bisseck für den geschonten Schlotterbeck neben Tah, Vagnoman für Treu rechts hinten. Dazu rückten Conté und Ebnoutalib in die Startelf. Kimmich und Nmecha blieben gesetzt.

Defensiv wirkte das Team über weite Strecken tatsächlich stabiler und aufmerksamer als noch in Amsterdam – nur nach vorne tat sich fast nichts. Adeyemi hatte in der 27. und 32. Minute die besten Chancen, Ebnoutalib kam über die Flügel kaum an den Ball. Griechenland, die neue Generation um Arsenal-Profi Christos Tzolis, hielt einfach dagegen.

In der 67. Minute dann der erste Warnschuss: Nach einem Ballverlust von Kimmich stand plötzlich Fotis Ioannidis frei vor Nübel – und schoss vorbei. Sieben Minuten später ging der Schuss daneben nicht mehr aus: Dimitrios Kourbelis traf, der Ball wurde von Kapitän Kimmich unglücklich abgefälscht, unhaltbar für Nübel. 0:1.

Klingt erstmal nach einem normalen Nations-League-Ausrutscher. Ist es aber nicht ganz.

Seit 1960 waren Deutschland und Griechenland zehnmal Gegner – sieben deutsche Siege, drei Remis, null Niederlagen. Bis Augsburg.

Das war die erste Pleite gegen Griechenland überhaupt. Diese Zahl ist keine aufgeblasene Schlagzeile, sondern schlicht Fakt – und genau deshalb schmerzt sie mehr als das nackte Ergebnis.

Zwischenfazit: Was bleibt nach zwei Spielen wirklich hängen?

Ein Punkt, ein Tor geschossen, zwei kassiert, früher Rückstand in Gruppe 2 – die nackte Tabelle ist mau. Aber die Geschichte dahinter ist differenzierter.

Klopps Idee, den Kader radikal zu öffnen und junge, unbekannte Spieler direkt ins kalte Wasser zu werfen, hat genau die Nebenwirkung, die man erwarten musste: weniger eingespielte Automatismen, gerade in der Abwehr. Dass ausgerechnet Kimmich, der erfahrenste Mann auf dem Platz, in Spiel zwei in mehreren entscheidenden Situationen unglücklich involviert war, zeigt: Es ist nicht nur ein Nachwuchsproblem.

Nach vorne wiederum fehlte in beiden Spielen genau das, wofür Klopp eigentlich steht – Tempo, Zugriff, dieses Brennen. Stattdessen viel Ballbesitz ohne Durchschlagskraft, vor allem gegen Griechenland.

Und dabei war das große Offensivarsenal noch längst nicht komplett. Musiala fiel beim ersten Spiel schon beim Aufwärmen aus. Woltemade beobachtete von der Tribüne aus, wie sein „Kader 2“ auf den nächsten Einsatz wartet. Wirtz dagegen kam gegen Griechenland in der zweiten Halbzeit noch auf den Platz. Das eigentliche Offensiv-Potenzial hat Klopp also definitiv noch nicht komplett ausgepackt.

Am 1. Oktober in München gegen Serbien und am 4. Oktober in Thessaloniki erneut gegen Griechenland geht die XXL-Sichtung weiter. Im zweiten Aufgebot hatten ursprünglich neun Spieler auf ihr A-Länderspieldebüt gewartet; durch den verletzungsbedingten Ausfall von Brajan Gruda hat sich diese Zahl inzwischen verändert.

Erst dann lässt sich wirklich einschätzen, ob dieser XXL-Umbruch Substanz hat oder nur Schlagzeilen produziert.

Ob der Punktestand nach vier Spielen also noch ein Ausrutscher ist oder schon ein Muster? Nach diesen ersten zwei Auftritten will ich das nicht überbewerten – zwei Spiele sind zwei Spiele. Aber eine historische Erstpleite gegen Griechenland ist kein Wert, den man einfach wegdiskutieren kann.

Klopp hat sich selbst wenig Schonfrist gegönnt. Jetzt muss er liefern.

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