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·21. Juli 2026

Klopps DFB-Neustart: Weltmeister Spanien als Vorbild?

Artikelbild:Klopps DFB-Neustart: Weltmeister Spanien als Vorbild?

Spanien ist Weltmeister, dominant, spielfreudig und vom Titan im eigenen Selbstverständnis überzeugt. Noch bevor Jürgen Klopp offiziell auf der Bundestrainerbank Platz genommen hat, entbrennt beim DFB eine Debatte über den richtigen Kurs für den Neuaufbau. Soll sich Deutschland ein Beispiel an der Furia Roja nehmen?

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Kylian Mbappe wird nach dem 2:0-Sieg Frankreichs im Viertelfinale der WM 2026 gegen Marokko von Juergen Klopp beglueckwuenscht, am 9. Juli im Boston Stadium. (Lars Baron / Getty Images North America via Getty Images)


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Schon vor dem Turnier hatte Joachim Löw, Weltmeister-Coach von 2014, seinen ewigen Angstgegner mit schwärmerischen Worten bedacht. „Die Spanier haben eine hohe Schule der Technik, der Taktik, die verstehen das Spiel super. Sie können gegen jede Mannschaft dominieren. Sie sind der Chef auf dem Platz“, sagte er. Kämpferqualitäten allein reichten heutzutage nicht mehr aus, mahnte er weiter: „Wenn man Titel gewinnen will, muss man spielerisch dominant sein, spielerisch Akzente setzen können.“ Ein Satz, der sich einen Monat später als Prophezeiung entpuppen sollte.

Der spanische Weg als Blaupause?

Denn während sich die Furia Roja nun als übermächtiger Champion präsentiert, mit dem entthronten Argentinier Lionel Messi und Frankreichs Starensemble als Kollateralschäden auf dem Weg zum Titel, muss sich auch die deutsche Nationalmannschaft nach ihrem enttäuschenden Abschneiden neu sortieren. Lothar Matthäus formuliert es pointiert: Deutschland solle lernen, „wie die alles verschlingende Furie“ zu agieren. Der TV-Experte ist überzeugt, dass die spanischen Nationalspieler individuell gar nicht so viel besser seien als etwa Florian Wirtz oder Kai Havertz. Der entscheidende Unterschied liege woanders: „Sie werden nicht verhätschelt und richtig geführt.“ Genau hier kommt Klopp ins Spiel, der designierte neue Bundestrainer. Direkte Vergleiche mit dem frischgebackenen Weltmeister wies er am Rande des Finales allerdings entschieden zurück. „Es hat ewig gedauert, bis die Spanier so aussehen, wie sie heute aussehen“, gab er zu bedenken. Dennoch erkennt auch er die Faszination des spanischen Spiels an: „Das Wundervolle an der Selección ist doch, dass sie tatsächlich eine Mischung aus Talent und klarer Spielidee ist.“ Die entscheidende Frage bleibe jedoch, wie sich dieses Erfolgsmodell übertragen lasse. Thomas Müller, geprägt durch die Löw-Ära, liefert dazu eine ernüchternde Einschätzung: „Die Spielanlage ist so dominant, sie betreiben enorm viel Aufwand, haben so viel Fleiß und spielen mit Herz, mit Technik, mit allem.“ Ein Hinweis darauf, dass ein simples Kopieren des spanischen Modells kaum gelingen dürfte.

Löws Erbe und die Suche nach neuer Identität

Tatsächlich hatte Löw selbst schon nach der verlorenen EM-Endspielniederlage 2008 gegen Spaniens erste goldene Generation begonnen, den DFB-Kader nach iberischem Vorbild umzukrempeln. Einen seiner zentralen Grundsätze wiederholte er erst kürzlich: „Wer Weltklasse sein will, der muss mit dem Ball denken, nicht gegen den Ball.“ Die vielbeschworenen „deutschen Tugenden“ bezeichnete er dabei als „zu billig und populistisch“, die reinen „Kampfparolen“ aus der Mottenkiste würden ohnehin von jeder Mannschaft mitgebracht. Notwendig seien stattdessen „taktische Lösungen und spielerische Elemente“. Ilkay Gündogan, langjähriger DFB-Kapitän, sieht in Spaniens Erfolgsformel etwas Grundsätzliches bestätigt. In Zeiten des „modernen Hyperindividualismus“, geprägt von Ausnahmekönnern wie Messi, Kylian Mbappé, Harry Kane oder Erling Haaland, wirke es „fast revolutionär“, dass die Spanier auf „einen echten Plan, eine richtige Struktur“ setzen. Für Gündogan ein Beweis dafür, dass Fußball „immer noch ein Mannschaftssport“ sei. Hinzu komme eine tief in der spanischen Fußball-DNA verankerte Spielidee, an der sich jeder Akteur jederzeit orientieren könne. Struktur schlage am Ende eben doch „individuelle Genialität“. Auch Julian Nagelsmann hatte dieses gefestigte Selbstverständnis der Spanier zuvor schon mit einem Anflug von Neid registriert.

Kritische Stimmen warnen vor blindem Kopieren

Nicht alle Beobachter plädieren jedoch dafür, Spanien zum alleinigen Maßstab zu erheben. Leverkusens Klubchef Fernando Carro, gebürtiger Barcelona-Sohn, rät zur Vorsicht: „Ich wäre vorsichtig damit, Spanien als Vorbild für Deutschland hinzustellen.“ Jede Fußballnation besitze schließlich „ihre eigenen Stärken und Schwächen“. Ähnlich argumentiert Philipp Lahm, einst Löws Kapitän beim WM-Triumph 2014: „Wir sind nicht die Spanier, nicht die Franzosen, nicht die Argentinier. Wir haben eigene Qualitäten.“ Defensive Stabilität, robustes Auftreten und ein konsequentes Umschaltspiel hätten die deutsche Auswahl traditionell ausgezeichnet, so Lahm: „Dazu sollten wir zurückkehren.“ Eine Philosophie, die auch für Klopp durchaus reizvoll erscheinen dürfte.

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