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·11. Mai 2026
Königliches Kasperletheater - Der peinlichste Klub der Welt

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·11. Mai 2026

Real Madrid – allein der Klang dieses Namens ließ mich als Kind große Augen bekommen und Ehrfurcht in mir aufkommen. Mit seiner Ausstrahlung löste der spanische Spitzenklub in mir das Gefühl aus, als handele es sich dabei um etwas von einem anderen Planeten. Um einen Klub, der über den Rahmen der üblichen Fußballwelt hinausging. Um einen Gentlemen-Klub, in den nur die Feinsten der Feinen Zutritt hätten. Ein Verein, der durch sein blütenweißes Gewand wie in einen mystischen Umhang gehüllt wirkte. Doch diese Zeiten sind vorbei.
Was mir heute beim Gedanken an Real Madrid bleibt, sind zum einen ein enormer Werteverlust und zum anderen unheimlich starke Nackenschmerzen, weil ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus komme. In der spanischen Hauptstadt reiht sich eine Eskapade an die nächste und das einst so reine weiße Trikot wirkt abgestumpft und ohne einen Funken Ehre.
Anstelle des großen Gentlemen-Klubs, in dem sich die James Bonds der Fußballwelt die Hand gaben, steht nun eine unkontrollierbare Mittelschulklasse aus einem Problembezirk, die die Grenzen von frechen Lausbubengeschichten längst überschritten hat und mit echten Krachermeldungen ein überwiegend negatives Bild zeichnet. Das einst so glanzvolle Image vom Weltklub Real Madrid liegt im Dreck – und schuld sind die verwöhnten Diven und Problemkinder an der Spitze der Mannschaft.
Das Madrider Handpuppenorchester um die Spieler Vinicius Junior, Jude Bellingham, Kylian Mbappe oder Antonio Rüdiger bestimmt nun das Bild der Madrilenen und erinnert an ein Kasperletheater, in das noch andere Spieler hineingezogen werden.

Vini Jr und die Schiedsrichter - eine nie endende Geschichte | LLUIS GENE/GettyImages
Während die vermeintlichen Superstars auf dem Rasen herumzicken, unfair auf Gegenspieler losgehen oder sich über diese lächerlich machen, bei jeder Schiedsrichterentscheidung beleidigt die Miene verziehen und die Offiziellen regelmäßig mit herabwürdigenden Blicken abstrafen, lautet der große O-Ton aus Madrid stets: "Die anderen sind schuld und wir werden benachteiligt." Vielleicht sollte man den Vereinsnamen nun endlich in Mimimi Madrid umändern.Peinliche Auftritte gab es unter anderem auch bei der Verleihung des Ballon d’Or, als nicht etwa Vinicius Jr., sondern der Manchester-City-Star Rodri mit dem Titel bedacht wurde und Madrid der Verleihung beleidigt fernblieb. Doch das große Theater nimmt kein Ende - im Gegenteil.
Aus dem Lager der Königlichen gibt es mittlerweile keine großen sportlichen Meldungen mehr. Stattdessen schlagen sich die Stars gegenseitig die Köpfe ein, ohrfeigen den Co-Trainer und benehmen sich gegenüber dem Rest der Fußballwelt wie eine Jugendbande, die die Nachbarschaft aufmischt. Als wäre das noch nicht peinlich genug, untersuchten Ärzte die falschen Körperteile von Starspielern und das Training des Weltklubs scheint darauf ausgelegt zu sein, Muskelverletzungen zu produzieren.

Real Madrid und die Verletzungen | Diego Souto/GettyImages
Berichten zufolge hat sich in der laufenden Spielzeit bis Mai 2026 eine Verletzungswelle von weit über 50 Verletzungen aufgehäuft, wobei Muskel- und Oberschenkelverletzungen einen großen Anteil ausmachen. Bereits in der Vorsaison gab es diese Probleme, denn in dieser Zeit sollen sich sogar über 60 Verletzungen im Madrider Kader ereignet haben. Das kann kein Zufall sein, sondern deutet darauf hin, dass man bei Real auch in Sachen Trainingssteuerung auf dem Holzweg ist.
Doch nun zurück zu den Hauptakteuren. Vor wenigen Tagen schockte eine Berichterstattung aus Spanien, in der Marca und El Mundo davon berichteten, wie kindisch sich die Real-Stars gegenüber ihrem ehemaligen Coach Xabi Alonso benommen haben sollen.

Xabi Alonso scheiterte in Madrid an den aufmüpfigen Stars | NurPhoto/GettyImages
Dabei sollen Teile der Mannschaft nicht nur gegen die taktischen Ideen und neue Standards der Arbeitsmoral des früheren Meistertrainers aus Leverkusen gewesen sein, sondern ihn bei Taktikbesprechungen offenbar regelrecht vorgeführt haben. Es wurde berichtet, dass einige Spieler aus dem Kreise um Bellingham, die nicht hinter Alonso standen, so getan haben sollen, als wären sie bei der fachlichen Ausführung des Trainers gelangweilt eingeschlafen. Andere sollen während der Besprechung geschwätzt und nicht auf Anweisungen reagiert haben. Sollten diese Berichte der Wahrheit entsprechen, hat Real Madrid sein letztes Bisschen Glanz endgültig verloren.
Xabi Alonso wurde von seinem Amt befreit, wie man mittlerweile sagen muss, und mit Alvaro Arbeloa wurde ein geduldeter Ja-Sager als Verwalter auf die Trainerbank gesetzt, der die Prinzessinnen aus Madrid nicht noch weiter mit der Erinnerung daran nerven sollte, was sie für ihr fürstliches Gehalt leisten müssten.

Alvaro Arbeloa verwaltet bis Saisonende | Martin Rickett - PA Images/GettyImages
Mit Florentino Perez steht zudem ein Präsident an der Spitze, der offenbar den Überblick darüber verloren hat, was unter seiner Nase passiert. Die teuren Marionetten haben sich ihrer Schnüre entledigt und tanzen dem Verein auf der Nase herum. Während die zarten Fußballerfüßchen dabei für große Erschütterungen auf dem einst so blanken Parkett sorgen, blättert die weiße Wandfarbe von der edlen Fassade des spanischen Hauptstadtklubs und hinterlässt eine Ruine der Wahrnehmung. Ehrenwerte Altstars der großen Geschichte Reals dürften sich im Grabe umdrehen, was aus ihrem Klub wurde.
Heute verdrehe ich die Augen, wenn ich an Real Madrid denke. Für mich ist der Klub ein Gespenst seiner selbst und hat eigentlich alles von seinem Glanz verloren, der ihn einst so besonders und einzigartig machte. Heute ist Real mit seinen verwöhnten Diven die größte Nervensäge des Weltfußballs. Umso größer ist deshalb auch die Schadenfreude, wenn sich sportlicher Misserfolg einschleicht und die weinerlichen Starspieler im Nachgang wieder mal über alles und jeden jammern.
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