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·17. September 2026

Kommentar: Guter Saisonstart? Mourinho muss mehr durchgreifen

Artikelbild:Kommentar: Guter Saisonstart? Mourinho muss mehr durchgreifen
Artikelbild:Kommentar: Guter Saisonstart? Mourinho muss mehr durchgreifen

Mourinhos Team ist eigentlich gut in die Saison gestartet – Fotos: getty images

Sechs aus sieben! Diese Siegquote geht doch in eine gute Richtung, oder? Eigentlich ja, wenn es da nicht vor einem Jahr 13/14 geheißen hätte, ehe es bergab und zum zweiten titellosen Jahr in Folge ging. Ja, José Mourinhos Real Madrid macht (wieder) etwas Spaß, auch Veränderungen sind erkennbar, wie das teils schnellere, vertikalere Spiel, teilweise sogar Gegenpressing vorne. Aber all das gab es vor einem Jahr schon zu sehen, als Xabi Alonso abgesehen von der 2:5-Klatsche im Derby einen Traumstart hingelegt hatte samt 2:1-Sieg im Clásico mit dadurch fünf-Punkte-Vorsprung auf Barcelona. Und selbst unter Álvaro Arbeloa war nicht alles schlecht, wenn auch individuelle Leistungen meist über Teamtaktischem standen. Aber sowohl Alonsos als auch Arbeloas Schicksal hing von der Gunst und Launen einiger Stars ab – und deren Zusammenhalt.


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So lautet also auch die Frage bei Mourinho: Wie lange geht das gut? Wie lange hält das Team zusammen, wie lange kann der portugiesische Rückkehrer alle Spieler – nicht nur Stars, sondern auch Ersatzspieler, oder auch Arda Güler, der quasi nie mal 90 Minuten bekommt – bei Laune halten? Dass der 63-Jährige da sowohl mehr Fingerspitzengefühl als Alonso und auch mehr Aura als Arbeloa mitbringt, liegt auf der Hand. Und trotzdem: Dass die Blancos eben seit Dezember 2024 keinen Titel mehr gewonnen haben, lag weniger an den Männern an der Seitenlinie, sondern auch an denen auf dem Platz.

Statistiken

Reals erste sieben Spiele 2026/27:

  1. Sechs Siege, eine Niederlage, 19:7 Tore (einmal zu Null), 2:0 Elfmeter (1/1)

Reals erste sieben Spiele 2025/26:

  1. Sieben Siege, 16:5 Tore (dreimal zu Null), 4:1 Elfmeter (4/0)

Genug der Sorgen und des Pessimismus. Auch bei mir steigt leicht die Hoffnung, auch wenn ich dieses fast vergessene Gefühl noch nicht als Euphorie bezeichnen würde. Denn nicht nur sieht man schon teilweise „Mourinho-Ball“ (aktuell wurden drei Tore mehr erzielt bei nur halb so vielen Elfmetern), sondern auch ein teils erfahreneres, physischeres, aggressiveres, abgezockteres Team auf dem Platz – und das ist ein großer Unterschied zum teilweise „Jugend forscht“-Ansatz der beiden vorherigen spanischen Übungsleiter. Weniger Fehler, mehr Resilienz – da hat Mourinho dem Team schon viel eingeimpft, sei es beim schmucklosen 1:0-Testspielsieg beim ebenfalls „ekligen“ Deportivo, oder dem so späten wie verdienten 2:1-Sieg bei Espanyol. Und ja, Betis (0:1) hatte sich aus Einsatzsicht auch einiges verdient, aber aus Chancensicht hätte das Real dennoch gut gewinnen können. Und wenn ich Taktisches und die Altersstruktur schon als Unterschiede anspreche, dann natürlich auch den Kader selbst. Denn einige Baustellen wurden gelöst: endlich ein zweiter Rechtsverteidiger, endlich wieder ein Weltklasse-Linksverteidiger (auch wenn beide Außenverteidiger noch nicht allzu viel gezeigt haben), endlich ein Rechtsaußen und weniger Linkslastigkeit, endlich theoretisch 27 Spieler, und endlich ein klarer Box-Stürmer – und eben weniger etwas weniger verletzungsanfällige Spieler wie Carvajal und Alaba oder vertragsaussitzende Spieler wie Ceballos.

Kurz gesagt: Die Voraussetzungen für Mourinho sind in der Theorie ideal, aus diesem Kader viel mehr rauszuholen, als es seinen Vorgängern vermocht war. Und trotzdem wird es nicht nur darauf ankommen, wer wie vorne anläuft, oder wer hinten Konter absichert, sondern wie er alle Stars bei Laune hält – speziell nach dem Saisonstart, wenn irgendwann auch ein Yan Diomande öfter starten will oder gar Rodrygo Goes im Februar zurückkehrt. Und Güler gehört ebenfalls in die Top-Elf! Dazu kommt, dass manchen Stars noch 100-prozentiger Fokus fehlt – das galt für viele nicht nur gegen Elche, sondern auch in Halbzeit eins gegen Real Sociedad und für einige gegen Betis. Und gegen Rayo wurde es dadurch doch noch etwas spannend… All das zu managen, daran ist Alonso gescheitert, Arbeloa hatte dann kaum noch eine Chance. Jetzt wird Mourinho all seine Erfahrung – und all seinen Staff, hier rechne ich speziell Sami Khedira eine Schlüsselrolle zu fürs Zwischenmenschliche – benötigen, um das Schiff trotz dazugehörenden Gegenwinds in Spur zu halten. Speziell nach den ebenso dazugehörenden, kleineren Rückschlägen. Aber bei diesen ersten sieben Spielen war eben schon einiges dabei: eklige, tiefstehende Gegner, aber auch vermeintlich leichte Opfer, die man früher durch zu viel Verwaltung teilweise wieder stark gemacht hat, ebenso wie knifflige Auswärtsaufgaben, wo man die letzten Jahre nicht immer geglänzt hat. Also: Ich glaube eigentlich an Mourinho, aber glaube ich auch daran, dass er rotieren und auch mal Top-Stars auf der Bank lassen oder zumindest früher auswechseln darf? Die Klub-Politik und -Hierarchie hat in den letzten Jahren einiges verdorben. Auch deswegen ist man an Betis gescheitert, auch wenn es gegen Inter noch gut ging. Elche ist wohl als eine weitere Lektion für Mourinho zu werten, der für mich auf der Pressekonferez schon etwas desillusioniert wirkte – so als wüsste er, woran es liegt, aber dass er daran nicht allzu viel änder kann. Thema Leistungsprinzip? Vielleicht darf er ja doch härter durchgreifen. Vielleicht schon im nächsten Härtetest, dem Derby bei Atlético? Reals achtes Pflichtspiel war vor einem Jahr auch schon Partie Nummer acht, und damals eine ordentliche Erdung. Wie vor einem Jahr geht aktuell einiges in eine gute Richtung, aber auch nicht alles. Aber reicht das auch? Speziell wenn man sieht, wie Barcelona über seine Gegner mäht – auch am 25. Oktober im Clásico? Aber auch hier: Wenn Nörgel-Nils schon nicht ganz so pessimistisch ist, kann wohl nicht alles schlecht sein und der der Madridismo leicht aufatmen. Oder?

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