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·25. Februar 2026

Kommentar: Wie sich Europa vor den deutschen Fans verbarrikadiert

Artikelbild:Kommentar: Wie sich Europa vor den deutschen Fans verbarrikadiert

Kurz vor dem Spiel gegen Paris Saint-Germain verkünden die Behörden in Frankreich, dass sich alle 15 Fanbusse des FC Bayern München außerhalb von Paris für Kontrollen treffen müssen. Fans von Eintracht Frankfurt dürfen für das Spiel in Neapel auf Verfügung des Präfekten keine Tickets erwerben. Anhänger des VfB Stuttgart werden in der Niederlande vor dem Europa-League-Duell mit den Go Ahead Eagles von der Polizei mit Knüppel-Schlägen begrüßt, gegen drei Fanbusse wird ein Betretungsverbot ausgesprochen. Einigen Fans von Borussia Dortmund wird die Ausreise nach Italien zum Playoff-Spiel gegen Bergamo verweigert und Auswärtsfahrer werden in ihren Unterkünften in Italien von der Polizei aufgesucht.

Was diese Fälle verbindet, ist nicht nur die Härte der Maßnahmen, sondern vor allem ihr Timing. Oft entscheidet die zuständige Behörde am Ankunftsort kurzfristig darüber, was erlaubt ist und was nicht. Genau dadurch bleibt kaum Raum, um sich darauf einzustellen oder überhaupt noch sinnvoll zu reagieren. Dabei bleibt es immer bei dem gleichen Muster: Erst passiert es, danach ist der Aufschrei groß und in zwei Wochen ergeht es Fans eines anderen Vereins ähnlich.


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Wenn Einzelfälle das Kollektiv treffen

Im Mittelpunkt solcher Aktionen stehen dabei meist wenige Einzeltäter, die Auswärtsfahrten tatsächlich für Krawall und Störungen missbrauchen. Das Problem ist nur, dass die Prävention und Reaktion darauf fast immer über Kollektivmaßnahmen läuft. Es wird nicht gezielt reagiert, sondern im Zweifel pauschal vorgebaut. Am Ende zahlen dann vor allem diejenigen den Preis, die nie auffällig waren.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Hintergründe vieler Eingriffe kaum transparent sind. Es wird mit dem Sicherheitsargument gearbeitet, ohne dass klar erklärt wird, warum diese Maßnahme notwendig ist und weshalb sie ausgerechnet alle treffen muss. Sicherheit kann ein Grund für Maßnahmen, aber nie für Kollektivbestrafung sein.

Vorgehen für BVB "in keiner Weise nachvollziehbar"

Im neusten Fall hat sich der BVB zu den Maßnahmen gegen seine Auswärtsfans vor dem CL-Playoff-Rückspiel in Bergamo mehrfach deutlich geäußert. Am Dienstagabend gab es ein weiteres Statement zu den jüngsten Ereignissen, in dem der Klub betont, dass diese "in keiner Weise nachvollziehbar sind"."Borussia Dortmund hat Kenntnis davon, dass einigen BVB-Fans die Ausreise nach Italien verweigert wurde und ihnen damit der Besuch des Champions-League-Auswärtsspiels in Bergamo nicht möglich ist. Darüber hinaus hat der BVB ebenfalls Kenntnis erhalten, dass Fans in ihren Unterkünften in Italien von der Polizei aufgesucht wurden. Bei aller Nachvollziehbarkeit einer sicherheitsorientierten Risikobewertung eines Fußballspiels, ist Borussia Dortmund über die Reichweite und Dimension der ergriffenen polizeilichen Maßnahmen mehr als überrascht. Der BVB sucht den Kontakt, um nähere Informationen zu den Hintergründen und zur Rechtsgrundlage der Maßnahmen zu erhalten, die für den Club in keiner Weise nachvollziehbar sind", lautete das komplette BVB-Statement.

Ein "regelrechter Spießrutenlauf" für die BVB-Auswärtsfans

Das Bündnis Südtribüne Dortmund' hat bereits bekannt gegeben, dass man auf den organisierten Support in Bergamo verzichten werde. Grund dafür seien die Repressalien, die "in fast 16 Jahren ununterbrochener Europapokal-Präsenz ein Novum für uns darstellen".Noch in Deutschland sollten demnach "bis zu 300 Anhänger [...] aus fadenscheinigen Gründen an dem Besuch des Spiels gehindert werden. Daraus folgte für viele Fans ein regelrechter Spießrutenlauf, der sowohl am Flugsteig als auch im Flugzeug und in ausgiebigen Kontrollen und/oder weiteren Ausreiseverboten samt Meldeauflagen endete." Auch in Italien seien BVB-Fans in ihren Unterkünften aufgesucht worden. Für das Fan-Bündnis ein "regelrechten Spießrutenlauf"."Aus diesem Grund haben wir, die aktiven Gruppen der Südtribüne Dortmund, uns schweren Herzens dazu entschlossen, dem Spiel in Bergamo fernzubleiben."

Diese Schikanen verändern den Wettbewerb

Der erste Punkt ist sportlich. Ohne Auswärtsfans fehlt ein zentraler Teil dessen, was große Europapokalabende ausmacht. Atmosphäre ist kein Nebenthema, sie beeinflusst ein Spiel und bietet Bühne für einen wesentlichen Teil des sportlichen Spektakels. Wenn Partien im europäischen Fußball zunehmend ohne den jeweiligen Auswärtsanhang stattfinden, dann ist das am Ende auch eine Wettbewerbsverzerrung und bietet sicherlich keinen Mehrwert für das jeweilige Event.

Der zweite Punkt ist menschlich. Vor Ort werden massenhaft Fans mit Bedingungen konfrontiert, die niemand akzeptieren sollte. Bayern-CEO Jan-Christian Dreesen sagte damals zu den Auseinandersetzungen der Bayern-Fans beim Spiel gegen Paris Saint-Germain: "An besagter Mautstelle an der Autobahn 4 gibt es exakt eine Toilette für 15 Busse mit 50 Menschen pro Bus, sprich 750 Menschen. Das ist ein Zustand, den möchte ich mir gar nicht vorstellen. Mehr Schikane für Auswärtsfans gibt es nicht."

Genau solche Beispiele sorgen dafür, dass die Diskussion kippt. Wenn Maßnahmen kurzfristig kommen und in der Umsetzung wie Schikane wirken, entsteht der Eindruck, dass in Rechte deutscher Auswärtsfahrer aus vorgestellten Gründen der Sicherheit zumindest temporär eingegriffen werden kann.

Das muss sich jetzt ändern

Eins sollte klar sein: Vereine dürfen damit nicht dauerhaft allein gelassen werden. Es kann nicht der Normalfall sein, dass jeder Klub für sich im Nachhinein rechtliche Schritte einleiten muss. Es braucht ein gemeinsames Vorgehen, über Vereinsgrenzen hinweg, zusammen mit Fans und Verantwortlichen, damit solche Maßnahmen nicht einfach stillschweigend zur Routine werden.

Und ja, auch politisch muss sich etwas bewegen. Während in Deutschland über Stadion-Sicherheit diskutiert wird, geraten Fans im Ausland schon bei der Anreise in kritische Situationen. Hier müssen sich die Verantwortlichen des deutschen Fußballs und die Politik verpflichtet fühlen, ihre Anhänger und Bürger zu schützen. Sonst wird die schillernde deutsche Fankultur Stück für Stück aus dem europäischen Fußball ferngehalten.

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