REAL TOTAL
·18. August 2026
Kommentar: Wieso Real Madrid mit einer Tradition brechen sollte

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·18. August 2026

Sollte bei allem Respekt nicht die Binde tragen: Federico Valverde – Foto: Getty Images
Bei Real Madrid gilt in der Kapitänsfrage bekanntlich das Senioritätsprinzip. Das bedeutet: Jener Spieler, der am längsten durchgehend Teil der ersten Mannschaft ist, wird automatisch zum Kapitän ernannt. Dieses System funktionierte lange Zeit hervorragend und brachte legendäre Anführer wie Manolo Sanchís, Raúl González oder Sergio Ramos hervor. Jene Legenden setzten den Standard dafür, was es heißt, Anführer von Real Madrid zu sein. Einen Anspruch, dem Real Madrids neuer Kapitän nicht einmal annähernd gerecht wird.
Federico Valverde ist zwar auf dem Platz ein Kämpfer vor dem Herrn – aber mit Sicherheit kein positives Vorbild. Im Gegenteil: Die Nummer 8 der Blancos, vor ein paar Jahren noch einer meiner Lieblingsspieler, entwickelte sich als Fußballer in eine Richtung, die nicht vorherzusehen war. Nämlich in die falsche.
Anstatt vom vielversprechenden Ergänzungsspieler zur Idolfigur zu wachsen, produziert der einstige Musterschüler nämlich seit geraumer Zeit immer wieder Negativschlagzeilen. Angefangen mit einem Faustschlag gegen Villarreal-Profi Álex Baena im April 2023 über seinen unrühmlichen Anteil bei Xabi Alonsos Entlassung bis hin zur wiederholten Auseinandersetzung mit Teamkollege Aurélien Tchouaméni, die in einem Krankenhausaufenthalt des Uruguayers gipfelte. So jemand sollte nicht Kapitän von Real Madrid sein!
Bei Real Madrid hat es Tradition, dass derjenige das Team als Kapitän anführt, der dem Kader ununterbrochen am längsten angehört. Nach zuvor sechs Jahren Sergio Ramos waren Marcelo, Karim Benzema, Nacho Fernández, Luka Modrić und Daniel Carvajal das jeweils nur eine Saison.
(Foto: Angel Martinez/Getty Images)
Federico Valverde übernimmt das Kapitänsamt. Der Uruguayer steht seit Juli 2018 ununterbrochen im Kader des weißen Balletts. Wer sind nun seine ersten Vertreter? REAL TOTAL zeigt die ersten Kapitäne auf.
(Foto: Angel Martinez/Getty Images)
2. Vinícius Júnior – seit Juli 2018 im Profi-Kader
(Foto: Alex Caparros/Getty Images)
3. Thibaut Courtois – seit August 2018 im Profi-Kader
(Foto: Florencia Tan Jun/Getty Images)
4. Rodrygo Goes – seit Juli 2019 im Profi-Kader
(Foto: Aitor Alcalde/Getty Images)
5. Ferland Mendy – seit Juli 2019 im Profi-Kader
(Foto: Alex Pantling/Getty Images)
6. Éder Militão – seit Juli 2019 im Profi-Kader
(Foto: Florencia Tan Jun/Getty Images)
Valverde ist aber nicht nur ein teils fragwürdiges Vorbild abseits des Rasens, ihm fehlen meiner Meinung nach komplett die Leadership-Fähigkeiten, die ein Führungsspieler am Platz haben sollte. Schaut man ihm am Platz zu, wirkt es fast als würde er sich neben einem Toni Kroos oder Luka Modrić verstecken – die aber längst nicht mehr seine Mitspieler sind. Weder pusht er seine Nebenleute noch wird er einmal laut, wenn es nötig ist. Das machte sich schon letzte Saison bemerkbar, als er bereits oftmals stellvertretend für Daniel Carvajal die Binde trug. Der Kapitän von Real Madrid sollte meiner Meinung nach eine gewisse Aura ausstrahlen, die Gegnern Respekt einflößt und Mitspielern Antrieb gibt.
Dass der Vize-Kapitän ausgerechnet Vinícius Júnior heißt, macht die Kapitänsmisere endgültig perfekt. Schließlich steht auch der Brasilianer meiner Meinung nach nicht unbedingt für Werte, die den Madridismo groß gemacht haben, sondern ist eher Teil des Problems: Ein Team voller Egos, in dem positive Vorbilder fehlen. Vermeintliche Führungsspieler, die keine Kritik einstecken können, sondern die Schuld laufend bei anderen suchen. Ein Problem, das nicht von heute auf morgen plötzlich auftauchte, sondern sich schleichend anbahnte.
Real Madrid hatte in den letzten Jahren großen Erfolg, vor allem auf internationaler Ebene. Und das ist in erster Linie jenen Spielern zu verdanken, die jetzt nicht mehr hier sind. Von Sergio Ramos über Karim Benzema bis hin zu Carvajal: sie alle wuchsen als Spieler und Persönlichkeiten, gingen durch bittere Niederlagen, erkämpften sich ihre Lorbeeren. Genau deshalb waren sie zum Zeitpunkt, als sie die Binde trugen, Gallionsfiguren. Natürlich hatten auch Valverde, Vini und Co. ihren Anteil am Erfolg, aber sie mussten nie durch die Hölle dafür gehen dafür – wurden eher von den Legenden getragen.
Jene, die jetzt voranschreiten sollten, schwammen auf der Erfolgswelle ganz oben mit, aber können das Schiff jetzt nicht selbst lenken. Sie sind mitverantwortlich dafür, dass Real Madrid in unruhige Gewässer geraten ist. Geht das so weiter, steuern wir auf die dritte titellose Saison hintereinander zu. Ein Threepeat, den sich keiner im Madridismo wünschen kann.
Ich finde: Real Madrid muss etwas ändern, denn auch in Zukunft drohen uns Kapitäne, die dieser Rolle nicht gewachsen sind – weil der Verein immer öfter langfristig auf junge Talente setzt, die dann unabhängig von ihrer Führungsstärke und Erfahrung in der Kapitänshierarchie steigen. Und ohne positive Vorbilder werden auch sie keine werden.
Deshalb sage ich: Lasst den Trainer über die Kapitänsfrage entscheiden! Denn jeder Coach und jedes Team benötigt einen anderen Typ Anführer. Manchmal braucht es einen stillen Leader wie Raúl, manchmal einen extrovertierten Kämpfer wie Sergio Ramos – und manchmal wäre ein erfahrener, couragierter Veteran wie Thibaut Courtois die beste Wahl. Einer, der die Hand gibt, wenn er verliert und seinen Mitspielern ein Vorbild ist.
Mit der Abkehr von dieser Tradition würde Real Madrid kein Zacken aus der Krone fallen. Es würde lediglich wieder einmal beweisen, dass der größte Verein der Welt imstande ist, sich anzupassen. Und selbst als großer Fußballromantiker sage ich: das muss nicht immer etwas Schlechtes sein.
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