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·17. Juni 2026
Kommt der Fußball nun endlich nach Hause? WM-Vorschau Gruppe L mit England

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·17. Juni 2026

Zu guter letzt startet am heutigen Mittwoch auch die Gruppe L in die größte Weltmeisterschaft aller Zeiten. Als Außenseiter starten mit Sicherheit Ghana und Panama, die sich mit Kroatien und England in einer Gruppe befinden. Insbesondere die „Three Lions“ sind einer der heißesten Anwärter auf den Titel. Doch was ist von Thomas Tuchels Mannen zu erwarten? Und wie sind die anderen Teams einzuschätzen? Die Vorschau zur Gruppe L!
England reist einmal mehr mit großen Erwartungen zu einer Weltmeisterschaft. Nach mehreren knapp verpassten Chancen unter Gareth Southgate soll Thomas Tuchel nun den letzten Schritt gehen. Ausgerechnet ein deutscher Trainer wurde geholt, um aus einer talentierten Mannschaft endlich einen Titelgewinner zu formen. Das Ziel ist klar: England will den zweiten Stern.
Die Qualifikation verlief nahezu makellos. Acht Siege aus acht Spielen, 22 Tore und kein einziges Gegentor lesen sich beeindruckend. Gleichzeitig war die Gruppe mit Gegnern wie Andorra, Lettland, Serbien und Albanien sportlich nur bedingt aussagekräftig. Mit Tuchel hat England nun einen Trainer, der große K.O.-Spiele vorbereiten und gewinnen kann. Der frühere Chelsea-Coach hat bereits bewiesen, dass er Mannschaften in entscheidenden Duellen auf den Punkt einstellen kann.
Taktisch dürfte England meist in einem 4-2-3-1 auftreten. Der Kader ist individuell herausragend besetzt, vor allem in der Offensive. Mit Phil Foden, Cole Palmer und Trent Alexander-Arnold fehlen dennoch mehrere hoch veranlagte Akteure, die allerdings keine einfache Saison hinter sich haben. Überraschend kam dagegen die Nominierung von Ivan Toney. Tuchel scheint weniger nach Namen, sondern stärker nach Rollenprofilen und Balance entschieden zu haben.
Der Star und Anführer dieser hoch talentierten Mannschaft bleibt Harry Kane. Der Bayern-Stürmer ist Kapitän, Rekordtorschütze und weiterhin der wichtigste Spieler des Teams. Nach einer schwierigen EM 2024, bei der er körperlich nicht bei 100 Prozent wirkte, braucht England nun einen frischen Kane. Im Trikot des FC Bayern bewies er einmal mehr, wie effizient er im letzten Drittel agieren kann. Egal ob als Spielmacher oder als Vollstrecker.
Spannend wird die Rolle von Jude Bellingham. Der Real-Madrid-Star kann ein Turnier prägen, muss dafür aber richtig eingebunden werden. Der Ex-BVB-Profi dürfte auf der Zehn auflaufen, flankiert von Anthony Gordon und Bukayo Saka. Declan Rice wird als Stabilitätsanker auf der Sechs gebraucht, mit Shootingstar Elliot Anderson als Partner an seiner Seite.
Tuchel legt großen Wert auf Stimmung und Atmosphäre innerhalb der Mannschaft. Dieser Aspekt spielte bei mehreren Nominierungen offenbar eine wichtige Rolle. Gerade bei einem Turnier, in dem K.O.-Spiele häufig durch Geduld, Mentalität und kleine Details entschieden werden, wird ein funktionierendes Innenleben entscheidend sein.
In Gruppe L mit Kroatien, Ghana und Panama ist England klarer Favorit. Der Anspruch beginnt aber erst danach. Diese Mannschaft hat genug Qualität, um Weltmeister zu werden. Entscheidend wird sein, ob Tuchel einmal mehr aus großen Namen eine funktionierende Turniermannschaft mit der passenden Atmosphäre formt.

Foto: Getty Images
Ghana ist zurück auf der größten Fußballbühne. Die Qualifikation gelang noch unter Otto Addo, der die Black Stars damit nach 2022 erneut zu einer Weltmeisterschaft führte. In Gruppe I setzte sich Ghana vor Madagaskar, Mali, den Komoren, der Zentralafrikanischen Republik und dem Tschad durch und sicherte sich am letzten Spieltag mit einem 1:0 gegen die Komoren endgültig das WM-Ticket. Mohammed Kudus erzielte in Accra kurz nach der Pause den entscheidenden Treffer und machte Ghanas fünfte WM-Teilnahme perfekt. Kurz vor dem Turnier kam es dennoch zum Trainerwechsel: Nach enttäuschenden Ergebnissen in der Vorbereitung übernahm Carlos Queiroz und soll den Black Stars nun mehr Stabilität, klare Abstände und eine bessere Balance gegen den Ball geben.
Taktisch dürfte Queiroz auf eine Viererkette setzen. Im Zentrum braucht Ghana viel Laufarbeit, Zweikampfstärke und Dynamik. Mit Caleb Yirenkyi besitzt er für dieses Aufgabenprofil einen nahezu perfekten Spieler. Der Sechser vom FC Nordsaelland könnte zu einem der Breakout-Spieler des Turniers werden. Der 20-Jährige wird in seinem Heimatland bereits mit Michael Essien verglichen und bringt genau die geforderten Attribute mit: Athletik, Balleroberungen und progressive Läufe.
Der große Hoffnungsträger ist aber Antoine Semenyo. Der Offensivspieler kommt nach einer starken Saison mit 17 Premier-League-Toren und vier Vorlagen in das Turnier und soll Ghana im letzten Drittel tragen. In der Nationalmannschaft konnte er seine Vereinsform bislang noch nicht konstant bestätigen, doch seine Qualitäten machen ihn zur gefährlichsten Waffe der Black Stars.
Ein Problem bleibt die Effizienz im Sturmzentrum. Jordan Ayew war in der Qualifikation wichtig, kommt aber nicht in bester Verfassung zum Turnier. Spieler wie Ernest Nuamah, Christopher Bonsu Baah, Kamaldeen Sulemana oder Abdul Fatawu bringen Tempo und Eins-gegen-eins-Qualität mit und können das Zentrum in der Theorie perfekt in Szene setzen.
In Gruppe L mit England, Kroatien und Panama ist Ghana definitiv nicht chancenlos. Gegen Panama ist ein Sieg fast Pflicht, im Duell gegen Kroatien dürfte es wohl um Platz zwei gehen. Für das Weiterkommen braucht es defensive Stabilität, einen Semenyo in Topform und mehr Effizienz als zuletzt. Dann können die Black Stars in dieser Gruppe durchaus zur Überraschung werden.

Foto: Getty Images
Kroatien reist mit enormer Turniererfahrung, aber auch mit einigen Altersfragezeichen zur Weltmeisterschaft. Kaum eine Nation hat in den vergangenen Jahren so konstant über den eigenen Erwartungen performt wie die Vatreni. 2018 stand Kroatien im WM-Finale, 2022 folgte Platz drei. Diese Erfolge haben die Erwartungen im Land verändert, auch wenn der Kader inzwischen deutlich älter geworden ist.
Trainer Zlatko Dalic ist seit fast einem Jahrzehnt im Amt und hat Kroatien durch die erfolgreichste Phase seiner Fußballgeschichte geführt. Die Qualifikation verlief vergleichsweise souverän, auch wenn die Gegner nicht zur absoluten europäischen Spitze gehörten. Dalic nutzte die Spiele immer wieder, um Dinge auszuprobieren. Grundsätzlich dürfte Kroatien aber auch bei dieser WM wieder auf eine Viererkette setzen, meist in einem 4-3-3 oder 4-2-3-1. Eine Dreierkette bleibt eher eine Option für spezielle Spielsituationen.
Im Zentrum steht natürlich weiterhin Luka Modric. Der mittlerweile 40-Jährige bestreitet seine fünfte Weltmeisterschaft und ist noch immer das Gesicht dieser Mannschaft. Auch wenn er nicht mehr der Spieler aus seinen besten Real-Madrid-Jahren ist, zieht er im kroatischen Trikot weiterhin die Fäden. Seine Ruhe am Ball, seine Übersicht und seine Erfahrung machen ihn für Dalic unersetzlich. Neben Modric sind auch Andrej Kramaric, Ivan Perisic und Mateo Kovacic im Herbst ihrer Karriere angekommen.
Für diese Generation dürfte es die letzte große WM-Mission werden. Umso spannender wird zu beobachten sein, wie ihre körperliche Verfassung in einem Monat voller Spiele, Duelle und hoher Intensität hält. Gerade gegen laufstarke Gegner könnten Tempo und Frische zum Problem werden.
Hoffnung für die Zukunft macht Luka Vuskovic. Der 19-Jährige gehört zu den spannendsten Innenverteidigern des Turniers und dürfte direkt eine zentrale Rolle einnehmen. Der Tottenham-Profi, der zuletzt in Hamburg Spielpraxis sammelte, ist überragend in der Luft, zweikampfstark und auch im Spielaufbau bereits sehr abgezockt. Gemeinsam mit Josko Gvardiol steht er sinnbildlich für den Übergang in eine neue kroatische Generation. Auch in der Offensive gibt es mit Martin Baturina einen spannenden Namen. Der 23-Jährige steht bei Como unter Vertrag und führte die Italiener in die Champions League.
Auch für Kroatien ist ein Sieg gegen Panama Pflicht, gegen Ghana geht es bereits um die Ausgangslage für die K.O.-Phase. England dürfte der Favorit auf Platz eins sein, doch Kroatien sollte man bei einem Turnier nie unterschätzen. Bei der WM 2018 schaltete Dalics Mannschaft die Three Lions im Halbfinale aus. Die Vorzeichen sind diesmal aber andere. Kroatien bringt weiterhin viel Qualität und Erfahrung mit, für einen erneuten tiefen Lauf müsste allerdings sehr viel zusammenpassen.

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Panama kehrt nach der historischen WM-Premiere 2018 auf die größte Fußballbühne zurück und reist diesmal mit einem deutlich reiferen Team an. Vor acht Jahren war allein die Teilnahme ein riesiger Erfolg. Jetzt ist die Ausgangslage eine andere. Die Mannschaft von Thomas Christiansen will nicht nur dabei sein, sondern beweisen, dass sie auch auf globalem Niveau konkurrenzfähig sein kann.
Der dänisch-spanische Trainer hat Panama seit seiner Übernahme 2020 spürbar weiterentwickelt. Aus einer Mannschaft, die früher häufig über Leidenschaft, Physis und Außenseitermentalität kam, ist ein deutlich strukturierteres Team geworden. Christiansen setzt meist auf ein 4-2-3-1 oder 4-3-3, kann gegen stärkere Gegner aber auch defensiver agieren. Panama will kompakt stehen, über klare Abstände Stabilität bekommen und nach Ballgewinnen schnell in die Tiefe spielen.
Die Qualifikation verlief souverän. Panama gewann seine CONCACAF-Gruppe, kassierte nur vier Gegentore und sicherte sich das WM-Ticket mit einem 3:0 gegen El Salvador. Auch die jüngsten Turnierauftritte geben Selbstvertrauen. Das Finale beim Gold Cup 2023 und das Viertelfinale bei der Copa America 2024 zeigen, dass diese Mannschaft gelernt hat, in großen Spielen zu bestehen.
Die zentrale Figur ist Amir Murillo. Der Rechtsverteidiger von Besiktas bringt internationale Erfahrung, hohes Tempo und viel Dynamik mit. Er ist kein klassischer Außenverteidiger, sondern einer der wichtigsten Spieler im gesamten Aufbau Panamas. Immer wieder zieht er ins Zentrum, beteiligt sich am Spielaufbau und gibt der Mannschaft dadurch zusätzliche Struktur.
Im Zentrum bleibt Anibal Godoy das emotionale Herz der Mannschaft. Mit über 150 Länderspielen gibt er Panama enorme Erfahrung und Führungsqualität. Neben ihm wird Adalberto Carrasquilla als kreativer Part agieren. Er soll nach Ballgewinnen die schnellen Offensivspieler um Ismael Diaz und Jose Rodriguez einsetzen.
In Gruppe L mit England, Kroatien und Ghana bleibt Panama sportlich klarer Außenseiter. Gegen England und Kroatien wird die Mannschaft lange Phasen ohne Ball überstehen müssen, gegen Ghana könnte sich die realistischste Chance auf Punkte ergeben. Ein Weiterkommen wäre eine große Überraschung. Trotzdem ist Panama nicht mehr nur der emotionale Underdog von 2018. Diese Mannschaft ist organisierter, erfahrener und unangenehm zu bespielen. Wer Panama unterschätzt, könnte Probleme bekommen.

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