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·30. August 2025
Konflikt ums Geißbockheim: Der 1. FC Köln zieht die nächsten Register

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Hendrik Broschart
30 August, 2025
Nach einer jahrelangen politischen Hängepartie will man beim 1. FC Köln nun Druck mithilfe der FC-Anhänger ausüben: Im Konflikt um das Geißbockheim zieht der 1. FC nun alle Register.
Ein jahrelanger politischer Konflikt steht vor der nächsten Eskalationsstufe: Der Streit um den Ausbau des Geißbockheims
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Bereits Anfang Juli gab es einen erfolgreichen Protest vor einer Ratssitzung. Die Ratsgruppe „Klima Freunde & Gut“ hatte damals kurzfristig einen Antrag mit dem Titel „Dauerhafte Sicherung der Gleueler Wiesen vor Bebauung“ auf die Tagesordnung setzen lassen. Daraufhin versammelten sich am nächsten Tag nach Angaben des 1. FC Köln etwa 300 Demonstranten, die sich lautstark wehrten. Mit Erfolg, denn der Antrag wurde abgelehnt. Diesen Sonntag folgt nun das nächste Kapitel im Streit zwischen dem 1. FC Köln und kommunalpolitischen Vertretern der Stadt Köln. Die Ausgangslage am Sonntag unterscheidet sich dabei deutlich vom damaligen Fall, bei dem man auf Vereinsseite einstig reagierte und den Worst Case abwehren konnte. Nun handelt es sich wohl um einen bewussten Schachzug der Verantwortlichen des FC. Aktion statt Reaktion.
Ziel sei es, kurz vor den Kommunalwahlen ein klares politisches Zeichen zu setzen, machte FC-Geschäftsführer Philipp Türoff am Donnerstagmittag gegenüber Pressevertretern deutlich: „Der Protest wird zeigen, dass es nicht geht, ohne dass sich irgendeiner dann auch mal um ein Anliegen von uns kümmert. Und da ist jetzt im Wahlkampf einfach höchste Zeit, dass wir uns positionieren.“ Die Demonstration vor der Partie gegen Freiburg steigt unter dem Motto „Geißbockheim ausbauen – Plätze für unsere Pänz“. Die Botschaft sei klar und mache deutlich, worum es in der Debatte um das vielbestrittene Bauprojekt eigentlich geht, ergänzte Türoff: „Wir brauchen Fußballplätze. Vor allem Kunstrasenplätze, die hohe Trainingsintensitäten aushalten. Und die sollen so nah dran sein, dass hier bei Dunkelheit junge Mädchen und Jungs noch von einer Umkleide dahin und wieder zurückgehen können, ohne dass man sich wieder irgendeinem anderen Wahnsinn erträumen muss.”
Am 14. September öffnen in Köln die Wahllokale. Die Mobilisierung der FC-Basis ist dann sicherlich auch für Parteien von Vorteil, die sich die Unterstützung von Sportvereinen durch Modernisierung oder die Schaffung zusätzlicher Sportflächen auf die Fahne geschrieben haben. Insofern kommt die Demo der SPD ganz recht. Im Wahlprogramm der Partei des Spitzenkandidaten Torsten Burmester heißt es: „Das Angebot an Sporträumen, -plätzen und Trainingszeiten muss mit der wachsenden Nachfrage in vielen Sportarten mithalten und deshalb ausgebaut werden.“ Mit dieser deutlichen Forderung steht die SPD hinsichtlich der Wahlprogramme allerdings allein dar.
Dadurch könnten sich in der Konsequenz durchaus Nachteile für andere Kandidaten ergeben. Parteien wie Bündnis 90/Die Grünen und Volt sprechen sich bekanntlich für den Schutz der innerstädtischen Grünflächen sowie für die Vermeidung zusätzlicher versiegelter Flächen aus. Und dennoch: Beim FC will man von Wahlkampf nicht sprechen. Man kämpfe nur in eigener Sache, parteiunabhängig, stellte FC-Vizepräsident Dr. Carsten Wettich klar: „Wir tun als FC erstmal gut dran, dass wir politisch neutral sind. Wir werden aufrufen, wie wir es auch bei anderen Wahlen gemacht haben, zur Kommunalwahl zu gehen. […] Aber wir werden keine Wahlempfehlung geben.“
Dennoch stecke in den Kommunalwahlen auch die Chance auf frischen Wind im Konflikt um das Geißbockheim, ist sich Wettich sicher: „Über alle Parteien hinweg herrscht ein größeres Verständnis jedenfalls dafür, die Bedürfnisse des 1. FC Köln wahrzunehmen. Auch wenn ich mit einer Grünen-Kandidatin (Gemeint ist Berivan Aymaz, OB-Kandidatin der Partei Bündis 90/ Die Grünen Köln Anm. d. Red.) spreche, existiert Verständnis dafür, was der FC als identitätsstiftendes Merkmal und auch als Werbeträger der Stadt bedeutet. Deshalb baut sie noch lange nicht die Plätze dazu. Aber selbst mit ihr hätten wir größere Hoffnung auf eine Lösung als in den letzten Jahren. Ich glaube, dass die Bedeutung des 1. Köln mehr erkannt wird in der Politik, als es in der Vergangenheit der Fall war.“
Ein schwerwiegender Punkt auf der langen Liste der Vorwürfe des Vereins gegenüber der Stadt ist auch das Nichteinhalten von Zusagen in der beschlossenen Kompromisslösung mit sogenannten Satellitenplätzen. Der Verein hatte zugesichert, vorerst auf die Gleueler Wiese zu verzichten, wenn Politik und Verwaltung im Gegenzug den Neubau eines Leistungszentrums am Geißbockheim ermöglichen und Plätze in unmittelbarer Nähe bereitstellen. Doch auch hier taten sich Schwierigkeiten auf: „Ein einziger Platz ist gebaut worden. Und damit hat auch die Stadt Köln wenig zu tun. Denn wir haben ihn auf unsere Kosten gebaut in Hürth“, stellte Wettich klar.
Aus der Untätigkeit und geringen Kooperationsbereitschaft der Stadt resultiert nicht nur beim FC, sondern auch weit über den Sport hinaus, tiefgreifende Unzufriedenheit mit Kommunalpolitischen Entscheidungen: “Was wir mitbekommen in den Gesprächen mit Mitgliedern, mit Fans, auch mit Bürgern ist, dass es einfach unverständlich ist, dass es nach zehn Jahren keine Lösung gibt. Egal, ob die am Ende für den Bebauung der Wiese oder für den Satellitenplatz sind. Es sind vielleicht ein Stück weit auch ein paar andere Projekte, die auch nicht ganz so gut funktioniert haben in Köln. Deshalb ist es ein emotionales Thema, das eine breite Rolle einnimmt“, so Wettich.
Darum will man sich am Sonntag nicht nur für die Belange des 1. FC Köln auf dem Heumarkt versammeln, sondern im Windschatten der Causa Geißbockheim gleich allumfassend die strukturellen Probleme der Sportstadt Köln den verantwortlichen ins Gedächtnis rufen, argumentierte Wettich: „Wenn sie zum Breitensport gehen, wenn sie zu den anderen Proficlubs gehen, etwa den Kölner Haien, die Probleme haben mit ihrer Trainingshalle und so weiter, das ist ja bei allen Clubs ähnlich. Ich glaube, wir sind halt diejenigen, die auch anderen eine Stimme geben können. Wir haben andere Kanäle, wir können mehr Menschen erreichen als im Breitensport. Das wollen wir nutzen. Und natürlich nutzen wir das auch, um für unsere Interessen zu kämpfen. Am Ende entscheidet erstmal der Wähler und dann entscheiden die Politiker das, was sie machen, aber natürlich möchten wir das Thema auf die Agenda bringen.”
Der Streit um den geplanten Ausbau des Geißbockheims dauert nun bereits mehr als zehn Jahre an. Der FC hatte ursprünglich mit drei Kunstrasenfeldern auf der Gleueler Wiese geplant sowie mit einem Jugend-Leistungszentrum neben dem Franz-Kremer-Stadion. Das Oberverwaltungsgericht in Münster (OVG) hatte Ende 2022 den von der Stadt Köln erstellten Bebauungsplan wegen Verfahrensmängeln für unwirksam erklärt. Der FC legte damals Beschwerde gegen die nicht zugelassene Revision ein und bekam Recht. Das OVG muss neu verhandeln. Die Lage im Verein ist demnach mehr als angespannt – einerseits aufgrund der ausstehenden Entscheidung in Münster, andererseits aufgrund der schleppenden Zusammenarbeit mit der Stadt Köln.
Für manche Außenstehende mag der drastische Kurs, den die Führungsebene des FC nun gehen will, fast schon wie eine Verzweiflungstat wirken. Dem Verein bleibt keine andere Wahl, als seine Basis zu mobilisieren. So will der FC laut Türoff „nochmals auf ein sehr wichtiges Zukunftsthema rund um den 1. FC Köln hinweisen und unseren Positionen mit Nachdruck Schwung für den Wahlkampf mitgeben”. Und bei der Demonstration am Sonntag will man es beim FC nicht belassen. Mit einer Petition sammelt der Verein Unterschriften, um noch auf diesen weiteren Weg Druck auf den Kölner Stadtrat auszuüben.
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