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·3. August 2026
Liga startet: Wolfsburg gejagt, Dresden lauert

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·3. August 2026

Neunzehn Tage nach dem WM-Finale rollt der Ball wieder. Drei Bundesliga-Absteiger, zwei Aufsteiger, ein Transferfenster, das noch bis zum 31. August offen bleibt. Die 2. Bundesliga startet am Freitag in eine Saison, in der die halbe Liga zum Anpfiff noch nicht fertig ist.
Ein verbreitetes Missverständnis vorweg: Die 2. Liga beginnt nicht wegen der Weltmeisterschaft früher. Sie beginnt wie üblich vor dem Oberhaus – nur dass die Bundesliga diesmal eine Woche nach hinten gerückt ist und erst am 28. August mit Bayern gegen Stuttgart eröffnet. Drei Wochen Abstand zwischen den beiden Ligen, das ist ungewöhnlich viel.
Den Startschuss gibt es am Freitag um 20.30 Uhr im Ruhrstadion, VfL Bochum gegen Hertha BSC, live in SAT.1. Ein Traditionsduell mit einer kleinen Pointe: Bochums letzter Auftaktsieg liegt neun Jahre zurück. Das Topspiel folgt am Samstagabend in der Volkswagen Arena, wo Wolfsburg den 1. FC Kaiserslautern empfängt.
Der VfL Wolfsburg ist Topfavorit, und zwar ohne ernsthafte Gegenrede. Nach 29 Jahren Bundesliga und dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte – besiegelt in der Relegation gegen Paderborn – hat der Klub aus der Autostadt mehr als 20 Millionen Euro in neue Spieler investiert. Das ist in dieser Liga eine andere Hausnummer.
Fabian Reese kam von Hertha, Fraser Hornby aus Darmstadt, dazu Robert Glatzel, Elvis Rexhbecaj, Muhammed Damar, Hauke Wahl und Torhüter Timon Wellenreuther. Nach jetzigem Stand bleiben außerdem Maximilian Arnold und Christian Eriksen an Bord. Auf dem Trainerstuhl sitzt mit Tobias Strobl ein junger Coach, der den Abstieg schnell vergessen machen soll.
Der Haken an dieser Rechnung ist derselbe wie in jedem Sommer: Ein Kader, der im Juli zusammengekauft wird, ist im August selten eingespielt. Wolfsburg hat individuelle Klasse gesammelt, aber keine gemeinsame Saison im Rücken.

Foto: Getty Images
Genau hier wird es interessant. Hannover 96 verpasste im Vorjahr die Aufstiegsplätze um zwei Punkte, hält an Trainer Christian Titz fest und hat mit Jonas Boldt einen neuen Geschäftsführer Sport installiert. Die Abgänge von Enzo Leopold nach Mönchengladbach und Noel Aseko zum FC Bayern taten weh; dafür wurde Daisuke Yokota nach der Leihe fest verpflichtet, und Lars Gindorf kehrt als Torschützenkönig der 3. Liga zurück – 28 Treffer für Alemannia Aachen.
Noch geschlossener wirkt Dynamo Dresden. In der Rückrunde der Vorsaison holten die Sachsen 28 Punkte, besser waren nur Hannover und die beiden Aufsteiger Paderborn und Schalke. Bis auf Kofi Amoako blieben alle Stammspieler, 3,25 Millionen Euro flossen vor allem in die Defensive, und Thomas Stamm konnte von Tag eins an mit dem kompletten Kader arbeiten. Im Test gegen Bundesligist Union Berlin gab es ein 2:1.
Wer Bielsa oder Stamm kennt, weiß: Diese Art von Vorbereitung ist kein Zufall, sondern Planung. Dresden ist das Team, das am 7. August am wenigsten Baustellen hat.
Der 1. FC Heidenheim hat den Abstieg nach drei Bundesliga-Jahren erstaunlich gelassen weggesteckt. Frank Schmidt steht seit bald 19 Jahren an dieser Seitenlinie, Vereinsikone Marc Schnatterer ist neu als Co-Trainer dabei. Dieselbe Idee, dieselben Abläufe, dieselben Gesichter – in einer Liga, in der viele Klubs im August noch sortieren, ist das ein handfester Startvorteil.
Beim FC St. Pauli klingt es verhaltener. Hauke Wahl ging nach Wolfsburg, Torhüter Nikola Vasilj nach Saudi-Arabien. Dafür kamen mit Branimir Hrgota und Marcus Mathisen zwei gestandene Zweitligaprofis ablösefrei. Ein kleiner Neuanfang, dessen Ziel bewusst offengelassen wird.
Und Hertha BSC? Die Berliner haben Kennet Eichhorn nach Leverkusen, Fabian Reese nach Wolfsburg, Torhüter Tjark Ernst nach Rotterdam und Michael Cuisance nach Lens verloren. Geschäftsführer Peter Görlich nennt einen einstelligen Tabellenplatz als Saisonziel – bemerkenswert offen für einen Klub, der bei jedem Zweitliga-Start seit 2023 als Aufstiegskandidat gehandelt wurde. Ähnlich sieht es in Darmstadt aus, wo mit Hornby und Isac Lidberg die halbe Offensivleistung abgewandert ist.
Wer am Freitag mit einem Provisorium startet, hat wenig Zeit zum Nachbessern. Schon vom 21. bis 24. August steht die erste DFB-Pokalrunde an, und zwar noch bevor die Bundesliga ihren ersten Spieltag ausgetragen hat. Zwei Zweitligisten fehlen dabei zunächst: Die Erstrundenpartien der Supercup-Teilnehmer wurden auf den 1. und 2. September verschoben.
Erst danach schließt am 31. August das Transferfenster. Die Startelf des ersten Spieltags ist in dieser Liga also eine Momentaufnahme, keine Aussage. Wer im Sommer noch kauft, kauft im Zweifel gegen den eigenen Rhythmus.
Weiter hinten im Kalender wartet eine Besonderheit: Der 1. Mai 2027 fällt auf einen Samstag, und laut Vereinbarung mit der Innenministerkonferenz bleibt dieses Wochenende spielfrei. Als Ausgleich absolvieren Bundesliga und 2. Bundesliga vom 2. bis 4. März eine englische Woche. Für Klubs, die dann noch im Pokal stehen oder im Aufstiegsrennen kleben, ist das der Punkt, an dem Kaderbreite messbar wird.
Die Frage ist nicht, wer den teuersten Kader hat. Das ist beantwortet, und Wolfsburg wird die Saison zurecht als Favorit angehen. Die Frage ist, wer am ersten Spieltag schon eine Mannschaft hat statt einer Aufstellung.
Die jüngere Vergangenheit mahnt zur Vorsicht: Im Vorjahr scheiterten mit Bochum und Holstein Kiel beide Absteiger deutlich, davor Darmstadt und Hertha, und Schalke brauchte drei Anläufe. Aufgestiegen sind stattdessen Elversberg und Paderborn – zwei Klubs, die im August auf keiner Favoritenliste standen. In dieser Liga gewinnt selten der reichste Kader. Es gewinnt der, der im Oktober noch weiß, wie er spielen will.
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