90PLUS
·10. August 2026
Liverpool leiht Araújo – weil nur noch van Dijk übrig ist

In partnership with
Yahoo sports90PLUS
·10. August 2026

Elf Startelfeinsätze in LaLiga. Ein Kapitänsamt ohne Stammplatz. Und trotzdem ist Ronald Araújo für Liverpool gerade der wertvollste Innenverteidiger auf dem Markt – weil Andoni Iraola sonst keinen hat.
Der Uruguayer absolvierte am Sonntag den Medizincheck an der Merseyside, die Formalitäten sind erledigt. Die Konstruktion: Leihe für eine Saison, Kaufoption über 55 Millionen Euro, keine Kaufpflicht. Liverpool trägt das volle Gehalt.
Die Ausgangslage in Liverpool ist ernster, als es der Klub gern hätte. Ibrahima Konaté ging ablösefrei zu Real Madrid, Joe Gomez laboriert an einer Muskelverletzung, Giovanni Leoni arbeitet nach Kreuzbandproblemen zurück, Neuzugang Jérémy Jacquet erlitt einen Rückschlag. In der Vorbereitung war Virgil van Dijk der einzige einsatzfähige gestandene Innenverteidiger – auf der US-Tour rückten mit Mor Talla Ndiaye, Ifeanyi Ndukwe und Luke Chambers drei Talente in die Zentrale.
Rechts hinten sieht es kaum besser aus: Conor Bradley fällt länger aus, bei Jérémie Frimpong gibt es Belastungsfragen. Araújo deckt beide Baustellen ab. Er hat in Barcelona regelmäßig als Rechtsverteidiger gespielt, zuletzt allerdings vor allem deshalb, weil Jules Koundé, Pau Cubarsí und Gerard Martín ihm zentral wie außen vorgezogen wurden.
Sportlich bringt der 27-Jährige genau das mit, was Liverpool in dieser Konstellation braucht: Tempo im Rückwärtsgang, Kopfballstärke, Robustheit im Eins-gegen-eins. 213 Pflichtspiele für Barça, dazu WM-Kader Uruguays – Erfahrung ist kein Problem.
Sein Verteidigen ist mannorientiert, aggressiv, oft im Vorwärtsverteidigen. Bei Flick wurde ihm das zum Verhängnis, weil die extrem hohe Linie der Katalanen jeden verlorenen Zweikampf sofort zur Großchance machte. Iraola hat in Bournemouth ebenfalls hoch und mannorientiert pressen lassen – aber mit deutlich mehr Rückversicherung durch Tempo hinter der ersten Pressinglinie. Wenn Araújo irgendwo funktioniert, dann in einem System, das seine Antrittsschnelligkeit als Sicherheitsnetz einplant statt als Notlösung.
Dazwischen liegt eine mehrwöchige Pause im November 2025, deren Grund – eine depressive Erkrankung – Araújo später selbst öffentlich machte. Danach fand er in Barcelona nicht mehr in die Hierarchie zurück.
Deshalb ist dieser Wechsel kein Coup, sondern eine gut verhandelte Absicherung. Barcelona spart ein Gehalt und behält einen bis 2031 gebundenen Spieler, der intern keine Rolle mehr spielte. Liverpool bekommt sofortige Substanz ohne langfristiges Risiko: Funktioniert es, kostet der Verteidiger im nächsten Sommer 55 Millionen. Funktioniert es nicht, kostet er ein Jahr Gehalt.
Wer eine Leihe abschließt, kauft sich vor allem Zeit. Liverpool hat davon in dieser Abwehr aktuell am wenigsten.
Live







































