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·2. Mai 2026
Loune: "Viele hätten Saison ausrollen lassen, wir ticken anders"

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·2. Mai 2026

Viel märchenhafter hätten selbst die berühmtem Gebrüder Grimm die Entwicklung eines Hanauers mit Alemannia Aachen über die Rückrunde nicht scripten können: Im Interview mit liga3-online.de spricht Mehdi Loune über Gier und Timing der Aachener Serie, seine Straßenfußballer-DNA und verrät, welchem ehemaligen Mitspieler er den Aufstieg gönnt.
liga3-online.de: 25 von 27 möglichen Punkten seit dem 27. Spieltag – und dabei auch Aufstiegsaspiranten wie Energie Cottbus oder den MSV Duisburg entzaubert: Stellen Sie sich in diesen Tagen vor, dass die Saison 40 statt 38 Spieltage hätte, Mehdi Loune?
Mehdi Loune: Ein spannendes Szenario, aber keines, worüber wir in der Kabine reden oder gar herumrechnen. Genauso könnte man sagen: Was wäre, wenn unsere Serie irgendwann vor dem 27. Spieltag angefangen hätte? Ich denke: Die Formkurve und das Timing dafür sind aus bestimmten Gründen genau so entstanden.
Was waren – neben den beiden genannten Duellen – weitere Schlüsselspiele, die diese Entwicklung und Serie in Gang gesetzt haben?
Da denke ich eher an den Februar: die Duelle gegen Rot-Weiss Essen oder 1860 München – zwei Unentschieden, die uns tabellarisch geholfen haben, aus dem unteren Drittel herauszukommen. Hierbei ist aber auch diese Gier entstanden, von der wir als Mannschaft und die Serie jetzt leben. Andere Mannschaften hätten in unserer Situation vielleicht irgendwann die Saison ausrollen lassen, wenn in beide Richtungen nichts mehr geht – da ticken wir anders.
Bei weiterhin 38 Spieltagen verfolgt die Alemannia das Aufstiegsrennen eher aus der Zuschauerrolle, kann aber angesichts des Restprogramms (Rostock, Viktoria Köln, Havelse) noch am Schicksalsrad drehen!
An sich liegt uns diese Rolle offenbar. Auch, weil wir wissen, wie wir die Konstellationen beim Gegner ausblenden und mit dieser Gier auf den Platz gehen. Die Serie darf gerne bis zum Saisonende halten. 66 Punkte wären die maximale Ausbeute – mal sehen, wie nah wir drankommen.
Gibt es denn einen Club aus den Top 6, dem Sie den Sprung in die 2. Liga gönnen würden?
Durchaus. Falls es der MSV Duisburg schafft, würde ich mich vor allem für meinen ehemaligen Mitspieler Jakob Bookjans (früher in der U21 bei Eintracht Frankfurt, Anm. d. Red.) freuen. Aus fußballerischer Sicht hätten es wohl Energie Cottbus oder auch – trotz der etwas schwächeren Rückrunde – der SC Verl verdient.
Aufstiegsreif wäre die Alemannia (mindestens) offensiv: Das Duo Lars Gindorf/Mika Schroers ist auf Rekordjagd. Mit dem netten Nebeneffekt, dass Sie selbst zuweilen unter dem Radar fliegen und mehr Räume bekommen, oder?
Ich merke definitiv, wie sich unsere Gegner auf Lars und Mika einstellen, sie mit mehreren Spielern decken und manchmal überrascht sind, dass dahinter dann noch jemand Zug zum Tor entwickelt. Generell kommt man nicht so oft in den Genuss, in einer solchen Offensive mit einem derart harmonierenden Duo zusammenzuspielen. Ich hoffe, dass ich die beiden bis zum Saisonende noch mit einigen Vorlagen bei der Rekordjagd supporten kann.
Speziell Ihr Solo gegen Verl (zum 3:1) oder das zweite Tor im Duisburg-Spiel füllen die Highlight-Clips im Netz. Wie viel Straßenfußballer-DNA steckt noch in Ihnen?
Ich würde sagen annähernd 100 Prozent. Klar habe ich in Frankfurt das NLZ eines Bundesligisten durchlaufen. Aber davor wie nach habe ich als Eintracht-Spieler oft den Weg zum Bolzplatz gesucht, wollte mich mit Größeren auf meine Art messen. Wenn wir jetzt das 2:0 gegen Duisburg nehmen, war das halb Instinkt und halb die Tatsache, dass ich den zweiten Gegenspieler links neben mir gar nicht richtig wahrgenommen habe (lächelt).
Diese Entwicklung war – auch im Zuge einer gewissen Verletzungshistorie – nicht absehbar. Hatten Sie auch Zweifel, dass Ihre Profi-Karriere schon mit Anfang 20 vorbei ist?
Als das Kreuzband zum zweiten Mal durch war, lag ich mental schon sehr am Boden. Da kommen einem als junger Spieler natürlich diese Gedanken. Glücklicherweise nur kurz, weil mich meine Familie und die Menschen in meinem Umfeld durch diese Zeit getragen haben.
Nach der Drittliga-Saison ist vor der Weltmeisterschaft. Welcher Nation drücken Sie als gebürtiger Hanauer mit marokkanischen Wurzeln die Daumen?
Ohne die Konstellationen für Gruppen und K.o.-Runden im Kopf zu haben, hoffe ich darauf, dass Deutschland und Marokko nicht so schnell im Turnier aufeinandertreffen. Bis dahin werde ich beiden Teams die Daumen drücken. Selbst werde ich über den Sommer in Rabat sein und die WM 2026 dort verfolgen. Ich traue Marokko einen guten Run in Richtung Halbfinale zu.







































