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·19. April 2026
Magenta-Boykott: Wollitz trotz Aufholjagd kurz angebunden

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Was für eine Willensleistung von Energie Cottbus! Aus einem 1:3 machten die Lausitzer in einer irren Schlussphase noch ein 5:3 und haben dadurch weiterhin alle Chancen auf den Aufstieg. Dennoch war Trainer Claus-Dieter Wollitz im Nachgang ungewöhnlich kurz angebunden – und boykottierte "MagentaSport" gar komplett.
Für gewöhnlich ist Claus-Dieter Wollitz überaus auskunftsfreudig, Pressekonferenzen vor Spielen dauern nicht selten 30 oder gar 40 Minuten. Am Sonntag war das jedoch anders. Weder vor noch nach der Partie gegen Essen wollte sich der 60-Jährige bei "MagentaSport" äußern – und das trotz der irren Aufholjagd seiner Mannschaft. Offenbar war sein Boykott, den der TV-Sender bedauerte, eine Reaktion auf das Interview nach der Partie in Osnabrück am vergangenen Sonntag. Wie Wollitz auf der Pressekonferenz am Freitag bei seinem großen Rundumschlag betont hatte, fühlte er sich "lächerlich gemacht", weil er danach gefragt wurde, ob Energie auf die Niederlage nun eine Reaktion zeigen müsse.
Auch bei der obligatorischen Pressekonferenz nach der Partie war der 60-Jährige ungewöhnlich kurz angebunden und verzichtete nahezu komplett auf eine Analyse der Partie. Stattdessen betonte er lediglich, dass er sich der Einschätzung von RWE-Coach Uwe Koschinat "aus allerhöchstem Respekt" anschließe und beide Mannschaften Werbung für den Fußball betrieben hätten. Auch auf zwei Nachfrage antwortete Wollitz lediglich in aller Kürze und ohne wirklichen Inhalt.
Als er etwa nach der Leistung von Cigerci gefragt wurde, meinte Wollitz lediglich: "Ich habe von allen Spielern, sowohl auf der einen als auch auf der anderen Seite, Werbung für den Fußball gesehen." Auf einen von Axel Borgmann in den Raum gestellten "Schlüsselmoment" im Aufstiegskampf angesprochen, gab sich Wollitz ebenfalls einsilbig: "Ich weiß nicht, welchen Schlüsselmoment er meint. Wenn ich ihn sehe, frage ich ihn."
Dabei war klar, was Borgmann meinte. Denn als RWE kurz nach der Pause das 3:1 erzielte, schien die Partie eigentlich schon gelaufen. Sieben Punkte lag Energie zu diesem Zeitpunkt hinter Essen und einem direkten Aufstiegsplatz. Doch binnen neun (!) Minuten schnürte Tolcay Cigerci per Elfmeter (73.), direkt verwandeltem Freistoß (78.) und einem Traumtor (82.) einen lupenreinen Hattrick und drehte die Partie damit im Alleingang. Es war der zweitschnellste Dreierpack der Drittliga-Geschichte, nur Aues Ali Lukunku war in der Saison 2008/09 mit sieben Minuten noch schneller.
Unmittelbar nach der Partie fehlten dem Matchwinner bei "MagentaSport" die Worte: "Genau deswegen kommt man ins Stadion und schaut sich sowas an. Das muss man live erlebt haben." Vor allem sein Treffer zum 4:3 war eine Augenweide, als er den Ball aus 20 Metern unhaltbar im Kasten versenkte: "Ich habe gewartet und geschaut, ob sich eine Lücke ergibt, weil ich eigentlich immer versuche, den besser Postierten zu sehen. In dem Fall war ich es anscheinend selber. Ich habe ihn zum Glück gut getroffen und versenke ihn gut."
Wie der 31-Jährige betonte, "haben wir nie den Glauben verloren". Auch nicht, als die Partie nach dem 1:3 bereits verloren schien. "Dann so zu antworten, hat uns heute ausgezeichnet." Gleichzeitig sprach er aber auch den Fans ein Lob aus: "Ohne das Publikum hätten wir sowas nicht abliefern können." Und spätestens mit dem Anschlusstreffer nach 73 Minuten entfalteten die Fans eine Wucht und Dynamik, die RWE nicht mehr gestoppt bekam, wie auch Essens Trainer Uwe Koschinat anerkennen musste. Zudem adelte er Cigerci als einen Spieler, der "nicht in diese Liga gehört".
Kann die Partie nun ein Schlüsselmoment für den Endspurt sein? "Definitiv", meinte Cigerci. "Fußball hat auch viel mit dem Kopf zu tun. Wenn du so ein Spiel drehst, kannst du mit breiter Brust in das nächste Spiel gehen." Zunächst soll der überaus wichtige Sieg aber angemessen gefeiert werden. "Jedoch nicht zu lange, denn schon morgen geht es weiter. Wir müssen jetzt gut regenerieren und dann den vollen Fokus auf die letzten vier Spiele legen." Durch den wichtigen Sieg ist Energie zurück auf dem Relegationsplatz und liegt nur noch einen Punkt hinter RWE. Inwiefern der Erfolg tatsächlich für "extrem viel Selbstbewusstsein" gesorgt hat, wie Borgmann sagte, wird sich dann nächste Woche beim Auswärtsspiel in Köln zeigen.









































