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·2. Januar 2026

Mala Grohs: "Die ganze Erfahrung hat mich stärker gemacht"

Artikelbild: Mala Grohs: "Die ganze Erfahrung hat mich stärker gemacht"

Mala Grohs hat ein besonderes Jahr hinter sich: Im Oktober 2024 hat die Torhüterin des FC Bayern eine Krebsdiagnose bekommen. Schon im März 2025 konnte die 24-Jährige ihr Comeback für die Münchnerinnen in der Champions League gegen den Olympique Lyon geben - inklusive eines gehaltenen Elfmeters. In einem bemerkenswerten Interview im FC-Bayern-Magazin 51 blickt Grohs nun auf eine Zeit zurück, in der sie die Hoffnung nie aufgegeben hat. Wie kann ihre Geschichte auch anderen Mut machen?

Ann-Katrin Berger, die deutsche Nationaltorhüterin, hat ihren härtesten Gegner schon zweimal besiegt. Den Krebs. Auch Mala Grohs, Keeperin des FC Bayern, war ebenfalls stärker als diese tückische Krankheit. Hat gewonnen. Hat nie aufgegeben. Hat den Glauben an sich nicht verloren. "Ich hatte wirklich nur sehr wenige Momente des Zweifels, war eigentlich immer voller Zuversicht - auch dank meiner Familie, meines Freundes, der Mädels aus der Mannschaft", sagt Grohs in 51. "Es war immer jemand da, ich war nie allein. Zusammen sind wir positiv geblieben, haben das gemeinsam durchgestanden."


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"Kein Virus, den man bekämpfen kann"

Grohs war schon mehrfach ernsthaft erkrankt. Sie hatte Pfeiffersches Drüsenfieber, Corona, eine Herzmuskelentzündung. Und dann kam der Krebs. "Der Tumor war natürlich noch mal etwas völlig anderes", betont sie im Bayern-Magazin. "Ich bin jemand, der immer genau wissen will, warum etwas passiert. Bei Krebs ist das schwierig. Da gibt es keine einfache Erklärung, keine klare Ursache, keinen Virus, den man bekämpfen kann. Ich habe viel darüber nachgedacht, was ich falsch gemacht habe, aber irgendwann habe ich verstanden: Es ist einfach passiert. Ich habe es mal so formuliert: In dieser Lotterie habe ich einfach verloren."

Grohs ist eine der besten deutschen Torhüterinnen. Ein A-Länderspiel fehlt ihr zwar noch, aber im September 2022 war sie bereits in diesem Kreis dabei. Zum Einsatz kam sie damals nicht. Mit dem FC Bayern hat sie in Deutschland alles gewonnen, was man gewinnen kann: viermal die Meisterschaft, einmal den DFB-Pokal. Aber der Konkurrenzkampf beim deutschen Doublesieger ist groß: Im Moment hat Ena Mahmutovic die Nase etwas vorne und steht im Tor.

Elfer-Parade in der Champions League

"Ich sehe die Situation als Chance, intensiv an mir zu arbeiten", erklärt Grohs. "Ich mag es zu trainieren, mich Schritt für Schritt weiterzuentwickeln. Nach meiner Krebserfahrung weiß ich aber auch: Mein Glück im Leben hängt nicht davon ab, ob ich im Tor stehe oder nicht. Das wäre ungesund." Klar ist allerdings auch: Sie ist extrem ehrgeizig und will wieder regelmäßig spielen. So wie vor ihren Erkrankungen.

Dass sie längst wieder bei 100 Prozent ist, wurde im März 2025 in einem Champions-League-Spiel gegen Olympique Lyon offensichtlich. Grohs hatte den Vorzug vor Mahmutovic erhalten und eine überragende Leistung gezeigt. Selbst einen Elfmeter hatte sie gehalten. Die 0:2-Niederlage konnte sie trotzdem nicht verhindern. Für Grohs war dieses beeindruckende Comeback dennoch das letzte, aber entscheidende Zeichen dafür, dass sie wieder da ist.

"Auch Kopf und Seele brauchen Zeit zum Heilen"

Diese Tage zwischen Weihnachten und dem Jahresanfang, die nun hinter ihr liegen, sind immer auch Augenblicke, um zurückzuschauen. Aber natürlich auch, um nach vorne zu blicken. Bei Grohs geht das eine ohne das andere nicht. Dafür ist ihre Geschichte zu besonders. Es geht auch um diese Fragen: Was macht der Krebs mit einem? Körperlich, aber auch mental? "Auch der Kopf und die Seele brauchen Zeit zum Heilen", so Grohs im Interview. "Heute kann ich sagen, dass mich die ganze Erfahrung - von der Diagnose bis zur Verarbeitung - stärker gemacht hat."

Grohs erlebt auch heute noch immer wieder Momente, in denen die Krankheit plötzlich wieder total präsent ist. Neulich war das wieder der Fall. In den sozialen Medien war sie auf eine Frau aufmerksam geworden, die Krebs im Endstadium hat. In solchen Momenten wird ihr immer wieder klar, dass sie auch viel Glück im Unglück hatte. Auch bei den regelmäßigen Nachsorgeterminen wird ihr immer wieder die Zeit der Erkrankung bewusst: "Man wird daran erinnert, was im Leben wirklich wichtig ist. Und das ist eigentlich schön."

Natürlich muss sie auch mit dem Gedanken leben, ob der Krebs möglicherweise gar nicht endgültig besiegt ist. Kommt er zurück? Früher oder später? Wie geht sie mit der Angst um, dass das passieren könnte? "Respekt, ja - Angst, nein", betont sie in dem Gespräch. "Ich gehe schon mit einer gewissen Anspannung in die Nachsorgetermine. Aber jedes Mal, wenn alles in Ordnung ist, gewinne ich mehr Sicherheit. Ich glaube, dieser Respekt ist einfach Teil des Ganzen. Und ich weiß auch: Sollte der Krebs tatsächlich zurückkommen, würde ich damit umgehen können."

"Das tun, was einem selbst guttut"

Grohs ist nicht nur eine der besten Torhüterinnen in Deutschland, sie ist auch eine starke Persönlichkeit. Sie kann mit ihrer Geschichte ein Vorbild für Menschen sein, die auf ähnliche Art und Weise vom Schicksal betroffen sind. "Ich finde, das Wichtigste ist: Jeder darf seinen eigenen Weg finden, damit umzugehen", sagt sie abschließend im Bayern-Magazin. "Es gibt kein Richtig oder Falsch. Was andere machen, muss nicht für einen selbst passen. Vorbilder sind gut, aber man muss seinen eigenen Weg gehen und das tun, was einem selbst guttut. Mir hat in dem ganzen Prozess immer geholfen zu sagen: Das ist alles total normal. Auch das würde ich gern mitgeben."

Grohs hat in den vergangenen Monaten eine beeindruckende Reise durch schwere Zeiten und persönliche Herausforderungen gemacht. Ihre Rückkehr auf den Fußballplatz nach der Krebsdiagnose ist nicht nur sportlich bemerkenswert, sondern auch ein eindrucksvolles Zeichen für Stärke und Durchhaltevermögen. Trotz der physischen und emotionalen Belastungen, die eine solche Erkrankung mit sich bringt, hat sie nie den Glauben an sich selbst verloren. Grohs zeigt, dass es nicht nur im sportlichen Wettkampf, sondern auch im Umgang mit schwierigen Lebenssituationen entscheidend ist, stets nach vorne zu blicken und an die eigenen Fähigkeiten zu glauben. Ihren gefährlichsten Gegner hat sie mit dieser Einstellung besiegt.

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