feverpitch.de
·28. Juli 2026
Maldini schmeißt nach 16 Tagen hin: Italiens Fußball stürzt immer tiefer ins Chaos

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·28. Juli 2026

Zwei Wunschtrainer weg, ein dritter fallengelassen, das Idol vergrault. Wer erst nachträglich prüft, produziert genau das: Chaos.
Sechzehn Tage. So lange hat Paolo Maldini als Technischer Direktor beim italienischen Verband durchgehalten, bevor er laut übereinstimmenden Medienberichten hinschmiss. Es ist keine Personalie, die man mit einem Achselzucken abtun kann, sondern das Symptom eines Verbands, der seine wichtigste Trainerentscheidung offenbar ohne belastbaren Plan angeht. Wenn ein Idol wie Maldini nach zweieinhalb Wochen den Rückweg antritt, dann geht es nicht um eine gescheiterte Wunschbesetzung, sondern um eine Führung, die keine Linie hält. Und Leonardo, der Berater, geht demnach gleich mit.
Man muss sich den Ablauf vor Augen führen, um die Führungslosigkeit zu erkennen. Erst sagen die Wunschtrainer Pep Guardiola und Carlo Ancelotti ab. Dann setzt Maldini auf Andrea Pirlo, den Weltmeister von 2006. Und dann fällt Pirlo beim Verband in Ungnade, weil ein Vertrag mit einem russischen Wettanbieter bekannt wird. Ein Verband, der so weit in einen Prozess hineinläuft, bevor er merkt, dass sein Kandidat ein Problem hat, arbeitet nicht sauber – er improvisiert.
Der Kern der Sache ist die Frage, wie der Fußball mit Glücksspiel-Verstrickungen umgeht. Pirlo hat sich bei Instagram gewehrt und die Zusammenarbeit als "ausschließlich kommerzieller und sportlicher Natur" bezeichnet. Das mag stimmen, und tatsächlich ist ein Werbevertrag kein Vergehen. Aber ein Nationaltrainerposten ist eine Vertrauensfrage, und der Verband hat offenbar erst spät gemerkt, welche Optik hier entsteht. Wer im Mai an einem "Tag des Fußballs" in Moskau teilnimmt, dessen Veranstalter ein russischer Wettanbieter ist, muss damit rechnen, dass diese Verbindung öffentlich diskutiert wird.
Das eigentliche Versäumnis liegt nicht bei Pirlo. Er hat einen kommerziellen Vertrag geschlossen, das ist sein gutes Recht als Trainer des Dubai FC. Das Versäumnis liegt beim Verband, der einen Kandidaten weit in ein Auswahlverfahren treibt und dessen naheliegende Angreifbarkeit erst dann zum Thema macht, wenn die Kritik längst öffentlich ist. Eine Prüfung, die solche Fragen klärt, gehört an den Anfang eines solchen Prozesses, nicht ans Ende. Dass Pirlo sich nun "mit großer Verbitterung" gegen die Vorwürfe wehrt, ist die logische Folge einer Führung, die zu spät handelt.
Verbandspräsident Giovanni Malagò steht nun vor den Trümmern seiner eigenen Personalplanung und muss schnellstmöglich eine neue Lösung finden. Gehandelt werden Roberto Mancini als Trainer und Giorgio Chiellini als Technischer Direktor – Namen, die Ruhe versprechen sollen. Doch Ruhe entsteht nicht durch neue Namen, sondern durch Prozesse, die tragen. Wer binnen weniger Wochen zwei Wunschtrainer verliert, einen dritten fallen lässt und dabei seinen Technischen Direktor samt Berater vergrault, hat kein Personalproblem, sondern ein Strukturproblem.
Der italienische Fußball, viermal Weltmeister, verhandelt gerade seine sportliche Zukunft im Modus der Feuerwehr. Der Umgang mit Glücksspiel-Verstrickungen ist eine berechtigte Debatte, die geführt gehört – aber sie darf nicht am offenen Herzen einer laufenden Trainersuche stattfinden. Wenn ein Verband erst nachträglich prüft, was er vorher hätte klären müssen, produziert er genau das, was Italien jetzt erlebt: Chaos. Sechzehn Tage waren genug, um es sichtbar zu machen.
Unbedingt lesen: Chaos in Italien: Pirlo ist wohl raus, Maldini schmeißt hin







































