„Man bewertet heute Dinge, die nichts mit dem Ballon d’Or zu tun haben“: Yamal legt nach – und kassiert Gegenwind | OneFootball

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·19. September 2026

„Man bewertet heute Dinge, die nichts mit dem Ballon d’Or zu tun haben“: Yamal legt nach – und kassiert Gegenwind

Artikelbild:„Man bewertet heute Dinge, die nichts mit dem Ballon d’Or zu tun haben“: Yamal legt nach – und kassiert Gegenwind

Barcelona. Am Sonntag war es ein Satz, am Freitag ist es eine Position. Lamine Yamal hatte in einem Vorab-Clip des Interviews mit Jorge Valdano gesagt: „Ich glaube ehrlich, dass es zwei gibt, die die Besten der Welt sind, und dieses Jahr würde ich ihn verdienen für das, was ich gewonnen habe. Für mich sind Mbappé und ich die zwei Besten der Welt. Das ist für mich klar, und jeder, der die Spiele sieht, weiß es.“ Am Donnerstagabend lief die vollständige Sendung bei Movistar Plus – und darin macht der 19-Jährige aus der Selbsteinschätzung eine Systemkritik.

Was Yamal jetzt sagt

Der Kern seiner Argumentation, wiedergegeben von Mundo Deportivo: „Diese Auszeichnung wird heute völlig anders bewertet. Als Messi und Cristiano da waren, wusste jeder, dass sie die Besten der Welt sind, und deshalb blieb der Preis auf die beiden beschränkt.“ Und weiter: „Das Problem heute ist, dass Leute Dinge bewerten, die nichts mit dem Ballon d’Or zu tun haben – zum Beispiel zu sagen, der Preis solle an einen Spieler von Paris Saint-Germain gehen, weil der die Champions League gewonnen hat.“


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Das ist keine allgemeine Bemerkung. Es ist eine direkte Ansage an die Konkurrenz. PSG hat die Champions League gewonnen; Chwitscha Kwarazchelia gilt als einer der Favoriten, Ousmane Dembélé als Titelverteidiger. Yamals Position: Ein Mannschaftstitel mache noch keinen besten Spieler. „Wenn du die Champions League gewinnst, hat PSG als bestes Team den Titel. Etwas anderes ist es, wenn der beste Spieler der Welt bei PSG spielt.“

Seine Zahlen

Der Vorwurf der Arroganz trifft auf eine Bilanz, die schwer zu widerlegen ist. In der Saison 2025/26 erzielte Yamal 24 Tore und legte 18 vor – seine besten Offensivwerte. Er gewann mit Barcelona die Meisterschaft und den spanischen Supercup, mit Spanien die Weltmeisterschaft. In dieser Saison steht er nach fünf Ligaspielen bei sechs Toren, gleichauf mit Raphinha, Mbappé und Sergio Camello. Beim 4:2 in Levante traf er doppelt.

Im Vorjahr wurde er Zweiter hinter Dembélé, zweimal in Folge gewann er die Kopa-Trophäe für den besten Nachwuchsspieler. Mit 19 hat er mehr gewonnen als die meisten Kandidaten in ihrer gesamten Karriere. Er weiß das, und er sagt es.

Die Kritik

Der prominenteste Widerspruch kommt aus dem eigenen Klubumfeld. Abelardo Fernández, acht Jahre Barça-Spieler und 54-facher spanischer Nationalspieler, störte sich nicht am Inhalt, sondern an der Öffentlichkeit: „Man kann das denken, aber man sollte es nicht sagen. Ich finde nicht, dass man das tun sollte, weil es einen schlecht aussehen lässt.“ Yamal hätte seine Kandidatur anerkennen können, ohne direkt zu erklären, dass er den Preis verdiene – „damit vermittelst du nichts Positives“.

Goal ging in einem Kommentar am Donnerstag weiter und nahm Yamal und Mbappé gemeinsam ins Visier: Die Art, wie sich die Favoriten derzeit positionierten, sei „zutiefst peinlich“. Der Autor zitiert Michael Owen, der 2001 den Ballon d’Or gewann und seinen Trainer am Telefon fragen musste, was das überhaupt sei – damals sei die Auszeichnung in der Presse „überhaupt kein Thema“ gewesen. Und er nimmt auch Hansi Flick in die Pflicht, der kürzlich fragte: „Warum sollten wir keine Kampagne für ihn machen?“ Die Antwort des Kommentars: weil es nichts mit Demut oder Vorbildfunktion zu tun habe und „schlicht unsympathisch“ sei.

Der Widerspruch in Yamals eigener Haltung

Bemerkenswert ist, dass Yamal vor zwei Wochen noch anders geklungen hatte. Am Tag der Shortlist-Bekanntgabe, vor dem Champions-League-Spiel gegen Feyenoord, sagte er: „Ich habe ein unglaubliches Niveau gezeigt, das ist Aufgabe der Medien, und ich werde um nichts betteln.“ Auf Dembélés Favoriten-Tipps, die ihn nur am Rande erwähnten, reagierte er mit einem Lächeln – „Er ist ein Freund von Kylian, oder?“ – und der Aussage: „Die Wahrheit ist, es ist mir egal.“

Zwei Wochen später erklärt er öffentlich, er verdiene den Preis, und kritisiert die Kriterien, nach denen er vergeben wird. Beides zusammen ergibt die Haltung eines Spielers, der nicht kämpfen will, aber auch nicht verlieren – und der die Debatte deshalb selbst führt, statt sie anderen zu überlassen.

Die Ausgangslage

Gewählt wird am 26. Oktober im London Palladium. Nach der Opta-Prognose der BBC gilt Harry Kane als einer der Hauptkandidaten, gestützt von 73 Toren in der Vorsaison und einer Bayern-Kampagne, die Max Eberl mit dem Satz führt, Kane treffe „wie ein Neuner, denke wie ein Zehner und arbeite wie ein Sechser“. Auch Mbappé positioniert sich, auch Barcelona wirbt öffentlich. Yamal ist also nicht der Einzige, der laut denkt. Er ist nur der Jüngste – und der, dem man es am ehesten ankreidet.

Was am Ende zählt, entscheiden die Journalisten, die abstimmen. Ob Yamals Offenheit dabei hilft oder schadet, wird man an einem Abend im Oktober sehen. Abelardo hat eine Vermutung. Yamal offenbar auch.

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