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·2. Februar 2026

Mangelnde Qualität? Ja, aber…

Artikelbild:Mangelnde Qualität? Ja, aber…

Es ist Krisenstimmung beim FC St. Pauli. Der Rückstand auf das rettende Ufer ist angewachsen. Trotzdem kein Grund alles über den Haufen zu werfen.(Titelfoto: Stefan Groenveld)

Ein Kommentar von Tim


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Wenn die Bundesligasaison ein Boxkampf wäre, dann hätte der FC St. Pauli beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach einen sportlichen Tiefpunkt erreicht. Der Gegner kam zu Treffern, der FCSP überhaupt nicht. In der Folge schaffte es das Team zumindest die Deckung hochzuhalten, sich defensiv zu stabilisieren, nicht mehr so viele Treffer zu kassieren. Der Preis: Die eigenen Offensivbemühungen kamen gänzlich zum Erliegen. Seit Wiederbeginn nach der Winterpause ist der FC St. Pauli wieder mutiger im Spiel nach vorne, ist besser geworden, hat sich in den Kampf hineingearbeitet. Doch nun gab es beim Auswärtsspiel in Augsburg einen Niederschlag, dieser wirkt auf viele nicht nur wie ein verlorenes Spiel. Der FC St. Pauli wurde auf die Bretter geschickt, ist angezählt. Ob, und falls ja, wie und wie schnell er wieder aufstehen kann, wird nun entscheidend sein.

Jetzt schon aufgeben? Warum sollten wir das tun?

Egal, wie das mit dieser Saison für den FC St. Pauli nun weitergeht, eines ist sicher: Der Club wird die Saison beenden. Es wird aufgrund von Frust, Enttäuschung und bitterer Erkenntnis, ja selbst bei Aussichtslosigkeit, keine vorzeitige Abmeldung vom Spielbetrieb geben. Wenn also vom FCSP verlangt wird, dass er sich doch bitte zumindest mit Würde aus der Bundesliga zu verabschieden hat, dann bedeutet es nicht, dass man bereits nach 20 Spieltagen bei vier Punkten Rückstand auf das rettende Ufer aufgibt. Denn genau das ist doch der springende Punkt: Zwar sind 14 Zähler nach 20 Spieltagen die Quote eines Absteigers, ganz eindeutig, die Situation ist äußerst bescheiden. Aber abgestiegen ist der FC St. Pauli eben noch nicht. Warum also bereits jetzt aufgeben? Das (öffentliche) Akzeptieren der Unterlegenheit, bevor überhaupt klar ist, dass man wirklich chancenlos ist – das wäre wirklich würdelos.

Genau deshalb kann zwar von außerhalb festgestellt werden, dass es beim FC St. Pauli an Qualität mangelt, aber man wird das nicht von sportlich verantwortlichen Personen hören. Sowieso ist die Frage nach der Qualität des FC St. Pauli ja eine, die erst nach Ende einer Saison beantwortet werden sollte. In der Vorsaison war die Qualität im Kader nicht viel höher, vielleicht sogar niedriger. Der Klassenerhalt wurde trotzdem geschafft. Wie das gelang? Ein Schlüssel zum Klassenerhalt war das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, der FCSP trat selbstbewusst auf, auch nach Niederlagenserien, auch obwol der Großteil der Spiele verloren ging. Warum also jetzt ein Team schlechtreden, wenn Selbstvertrauen doch so einen entscheidenen Beitrag zum Klassenerhalt beitragen kann?

Der Trend ist positiv

Zumal es guten Grund gibt, gerade jetzt nicht aufzugeben. Der FC St. Pauli ist nach der Winterpause zu zwei Punkten aus fünf Spielen gekommen. Ja, das ist mies und zu wenig, um die Klasse zu halten. Spielerisch ist das Team aber klar besser geworden. In den Spielen gegen Köln und Mainz vor der Winterpause gab es zwar jeweils einen Punkt, offensiv war es aber nicht weniger als ein Offenbarungseid den der FC St. Pauli ablegte. Es war zu diesem Zeitpunkt völlig unklar, wie der FCSP, außer mit Glück, zu Torerfolgen kommen möchte. Nun ist hingegen ein Plan erkennbar. Der mag zwar recht simpel sein und nicht dafür sorgen, dass die Gegner reihenweise vor Angst erstarren – aber es ist deutlich mehr als zuvor und auch deutlich mehr als zum Beispiel der FC Augsburg am Wochenende zu bieten hatte.

Entsprechend ist es auch verwirrend, wenn ausgerechnet jetzt, nachdem sich Fortschritte erkennen lassen, die Entlassung von Trainer Alexander Blessin gefordert wird. Nachdem das Team zuletzt in Sachen Intensität und Einsatz überzeugen konnte, gegen Leipzig einen Laufrekord aufstellte und gegen Augsburg das klar bessere Team war. Es gab in dieser Saison Momente, in denen der Großteil der Argumente sicher eher für als gegen eine Trainerentlassung gesprochen haben. Doch gerade jetzt ist es umgekehrt. Das vorne Chancen nicht genutzt und hinten einfachste Fehler gemacht werden, das mag zum Teil auch mit der Arbeit eines Trainers zusammenhängen, aber eben nicht primär.

Befreit wie nie in dieser Saison

Wie der FC St. Pauli in der Vorsaison die Klasse gehalten hat? Es könnte auch damit zusammenhängen, dass ziemlich schnell die Erwartungen an die Saison klar gewesen sind. Selbst die letzten Träumer*innen konnten nach drei Niederlagen zu Saisonbeginn auf das eine große Ziel mit dem Namen „Klassenerhalt“ eingeschworen werden. Das war nach dem Start in diese Spielzeit sicher anders und inzwischen dürfte der beste Bundesliga-Saisonstart in der Geschichte des FC St. Pauli als eine Bürde verstanden werden. Weil er Erwartungen schürte, die das Team einfach nicht bedienen konnte.

So ist der jetzige Niederschlag, der bei vielen das Gefühl hinterließ, dass die Saison bereits jetzt endgültig gelaufen ist, vielleicht auch eine Art Befreiung. Eine Befreiung von Erwartungen. Und wie wir alle wissen sind Kämpfer*innen im Ring dann am gefährlichsten, wenn sie angeschlagen sind. Wenn sie sich in einer vermeintlich ausweglosen Situation befinden, die Niederlage quasi besiegelt scheint. Genau das, eine „Wir haben nichts zu verlieren“-Mentalität, wäre jetzt auch beim FC St. Pauli notwendig. Und wenn damit die Punkte/ die nächste Runden gewonnen werden, dann kann die Dynamik plötzlich eine Freundin des FC St. Pauli sein.

Klingt nach Durchhalteparolen? Pah, klingt vielmehr nach „jetzt erst recht!“Mag sein, dass es am Ende nicht reicht für den Klassenerhalt. Aber dann wurde zumindest alles versucht.Forza!// Tim

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