feverpitch.de
·30. Juni 2026
Manuel Neuers leises Ja: Rücktritt setzt den Schlusspunkt der WM-Generation von 2014

In partnership with
Yahoo sportsfeverpitch.de
·30. Juni 2026

Nach dem WM-Aus gegen Paraguay tritt Manuel Neuer endgültig zurück. Oliver Baumann übernimmt wieder als Stammtorhüter Richtung EM 2028.
Manuel Neuer hat seine Länderspielkarriere zum zweiten Mal beendet, und diesmal klingt es endgültig. Auf die Frage in der ARD, ob das Sechzehntelfinale gegen Paraguay sein letztes Spiel im DFB-Trikot gewesen sei, antwortete der Torhüter mit einem schlichten „Ja". Mehr brauchte es nicht. Eine 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen, das Aus bei einer Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko, und ein Karriereende, das man als sportlichen Bruch lesen kann, aber nicht muss.
Bemerkenswert ist die Dramaturgie dieses Abschieds. Nach der Heim-EM 2024 hatte Neuer seinen Rücktritt bereits erklärt, Oliver Baumann übernahm in der Qualifikation und etablierte sich als Stammtorhüter. Dann das Comeback zur WM, und Baumann rückte wieder ins zweite Glied. Ein Vorgang, der für sich genommen schon ungewöhnlich ist und der nun, mit dem zweiten Rücktritt, eine eigene Note bekommt: Der Stammtorhüter der Qualifikation hat seine Position zurückbekommen, ohne dafür auf dem Platz etwas verändert zu haben. Er bekommt sie zurück, weil der andere geht.
128 Länderspiele stehen am Ende für Neuer, das ist Rang fünf in der ewigen DFB-Liste. Vor ihm liegen Lothar Matthäus mit 150 Einsätzen, Miroslav Klose mit 137, Thomas Müller mit 131 und Lukas Podolski mit 130. Eine Aufzählung, die ihre eigene Pointe trägt: Alle vier sind, wie Neuer selbst, Weltmeister von 2014 oder Weltmeister überhaupt. Die Liste der meistgenutzten deutschen Nationalspieler ist damit auf den ersten fünf Plätzen identisch mit einer Liste von Männern, die in Rio de Janeiro auf dem Platz oder im Kader standen. Das ist mehr als Statistik, das ist ein Generationenporträt.
Und genau hier wird es interessant für das, was nach Neuer kommt. Er war mit Abstand der älteste Spieler im Team, 40 Jahre alt. Zu den wenigen Ü-30ern im Kader gehört noch Kapitän Joshua Kimmich, 31, und der hat einen eigenen Rücktritt ausdrücklich ausgeschlossen. „Ich werde immer die Power haben für einen neuen Anlauf. Was ich niemals tun werde, ist: aufgeben", sagte Kimmich. Ein Satz, der nach Trotz klingt und nach Anspruch zugleich. Wer welche Konsequenzen aus diesem Turnier zieht, ob weitere Spieler aus eigenen Stücken Schluss machen vor der EM 2028 in Großbritannien und Irland, bleibt vorerst offen.
Die Frage nach einem grundlegenden Generationenwechsel stellt sich trotzdem, ganz ohne dass man sie laut formulieren müsste. Wenn der Älteste geht und die übrigen Ü-30er an einer Hand abzuzählen sind, dann ist die Verjüngung längst kein Projekt mehr, sondern Realität. Was bislang fehlte, war ein klarer Schlusspunkt am oberen Ende der Altersskala. Den hat Neuer nun gesetzt. Nicht laut, nicht inszeniert, mit einem einzigen Wort in einem ARD-Interview nach einem verlorenen Elfmeterschießen.
Was bleibt, ist eine Personalfrage, die sich beinahe von selbst beantwortet: Oliver Baumann war der Stammtorwart der Qualifikation, und er ist es jetzt wieder. Was bleibt, ist außerdem die Vorbereitung auf ein Turnier 2028, das näher ist, als es klingt. Und was bleibt, ist die Erinnerung an einen Torhüter, der seine Karriere zweimal beendet hat und der jetzt, mit 128 Länderspielen, auf Rang fünf einer Liste steht, in der sonst nur Weltmeister auftauchen.
Live


Live





































