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·16. Juni 2026
Messi & Ronaldo: Held oder Hemmschuh beim WM-Auftakt?

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·16. Juni 2026

Morgen Nacht starten Lionel Messi und Cristiano Ronaldo in ihre sechste Weltmeisterschaft. Die Welt feiert das als historischen Moment. Aber hinter dem Jubel lauert eine unbequeme Frage: Was kosten diese beiden Männer ihre Teams eigentlich?
Es gibt Bilder von Lionel Messi beim Gegenpressing, die sucht man in der Datenbank lange. Das ist keine Übertreibung, das ist Statistik. Der 38-Jährige hat sich in den letzten Jahren konsequent darauf eingestellt, seine Energie ausschließlich mit dem Ball zu investieren – und das auch nur dann, wenn er sich die Situation aussuchen kann. Gegen den Ball? Nahezu abwesend.
Das erzeugt eine strukturelle Schieflage, die Argentiniens Mittelfeldspieler bei jeder Defensivaktion spüren. Wenn Messi in der gegnerischen Hälfte steht und wartet, während seine Mannschaft presst, muss das Mittelfeld die entstehenden Lücken schließen – permanent, über 90 Minuten. Rodrigo De Paul und Enzo Fernández laufen in solchen Momenten für zwei. Das funktioniert gegen schwächere Gegner. Gegen ein organisiertes Algerien, das Petkovic auf kollektive Kompaktheit getrimmt hat, wird es am Mittwoch zum echten Test.
Dazu kommt das Isolationsrisiko. Messi sucht kaum mehr Tiefe, er kommt dem Gegner selten entgegen und öffnet sich noch seltener durch Laufwege hinter die Abwehr. Wer ihn konsequent zu zweit bewacht und Argentinien zwingt, Lösungen ohne ihren Zehner zu finden, hat einen echten Plan. Ob Petkovic diesen Plan hat – er sagt Nein – wird sich zeigen. Aber die Schwachstelle ist real und seit Jahren bekannt.
Cristiano Ronaldo ist das Gegenteil von passiv. Er läuft, er fordert, er gestikuliert, er reklamiert. Das Problem ist nicht der fehlende Wille – das Problem ist, was dieser Wille mit dem portugiesischen Spielaufbau macht. Ronaldo bewegt sich nach eigener Logik, positioniert sich ohne taktische Absprache und zieht in Zonen, die eigentlich für Bruno Fernandes oder Bernardo Silva reserviert sind. Die Räume, die ein modernes Kombinationsspiel braucht, füllt er – und zwar mit sich selbst.
Das Ergebnis ist ein Portugal, das auf Flanken und Zuspiele in den Strafraum angewiesen ist, solange Ronaldo auf dem Platz steht. Ein berechenbares, flaches Angriffsmuster, das guten Defensiven wenig Probleme bereitet. Bernardo Silva, einer der besten Mittelfeldspieler der Welt in diesem Moment seiner Karriere, verliert im Ronaldo-System einen erheblichen Teil seiner Wirkung. Fernandes muss Bälle in Positionen spielen, die dem Spielaufbau schaden, nur damit der Kapitän in Abschlussposition kommt.
Hinzu kommt: Ronaldo lebt heute fast ausschließlich vom Service seiner Mitspieler. Das Dribbling, das ihn einst auch in engen Räumen gefährlich machte, ist kein Mittel mehr. Im Strafraum isoliert, ohne Zuspiel, ist er schlicht kein Faktor. Das war bei der WM 2022 so, als Fernando Santos ihn nach der Gruppenphase auf die Bank setzte. Das war bei der EM 2024 so. Und Roberto Martínez wird morgen mit derselben Frage in die Partie gehen.
Beide Trainer stecken in derselben Zwickmühle. Weder Scaloni noch Martínez kann sich erlauben, den großen Namen zu streichen – nicht aus sportlichen, nicht aus medialen, nicht aus politischen Gründen. Also werden Kompromisse gebaut. Argentinien akzeptiert die defensive Asymmetrie und setzt darauf, dass Messis eine Aktion pro Spiel das Ergebnis dreht. Portugal verkauft sein Offensivpotenzial mit einem Abschlag, in der Hoffnung, dass Ronaldo den entscheidenden Elfmeter oder Kopfball erzwingen kann.
Manchmal geht das auf. 2022 gewann Argentinien die WM – mit Messi und trotz der beschriebenen Muster. Aber es ist kein Zufall, dass es dafür eines Finalwunders gegen Frankreich bedurfte. Morgen treffen diese Kompromisse auf Gegner, die genug Videoanalyse betrieben haben, um die Schwachstellen zu kennen.
Was Messi und Ronaldo bei dieser WM noch leisten können, wird das Turnier zeigen. Was sie ihren Teams strukturell kosten – das ist bereits jetzt keine offene Frage mehr.
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