Milliardenforderung an die FIFA verschärft Machtkampf um Infantino | OneFootball

Milliardenforderung an die FIFA verschärft Machtkampf um Infantino | OneFootball

In partnership with

Yahoo sports
Icon: 90PLUS

90PLUS

·19. September 2026

Milliardenforderung an die FIFA verschärft Machtkampf um Infantino

Artikelbild:Milliardenforderung an die FIFA verschärft Machtkampf um Infantino

Im Machtkampf zwischen dem europäischen Fußballverband UEFA, dem nord- und mittelamerikanischen Dachverband CONCACAF und FIFA-Präsident Gianni Infantino ist ein neues Kapitel aufgeschlagen worden. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und CONCACAF-Chef Victor Montagliani haben den Weltverband in einem gemeinsamen Schreiben aufgefordert, allen 211 Mitgliedsverbänden nach der wirtschaftlich erfolgreichen WM in den USA, Kanada und Mexiko mindestens zehn Millionen US-Dollar zusätzlich auszuzahlen. In der Summe würde das die FIFA rund 2,1 Milliarden Dollar kosten.

Die Forderung ist Teil des wachsenden Widerstands gegen Infantinos Führung des Weltverbands. Gleichzeitig verlangen Ceferin und Montagliani eine unabhängige Überprüfung der finanziellen Reserven der FIFA. Über den Vorstoß berichteten unter anderem Reuters, dpa und AFP.


OneFootball Videos


Die Forderung im Detail

UEFA und CONCACAF argumentieren mit der finanziellen Situation der FIFA. Nach ihrer Berechnung könnten die Reserven des Weltverbands bis zum Ende des laufenden Vierjahreszyklus 2023 bis 2026 auf rund sechs Milliarden US-Dollar anwachsen. Davon sollen ab 2027 bis 2030 mindestens zehn Millionen Dollar an jeden der 211 Mitgliedsverbände fließen.

Das wären insgesamt rund 2,1 Milliarden Dollar. Das Geld soll nach dem Willen der beiden Verbände in Infrastruktur und Fußballentwicklung investiert werden.

Wichtig ist dabei: Die zehn Millionen Dollar sollen zusätzlich zu den bereits vorgesehenen Zahlungen aus dem bestehenden FIFA-Forward-Programm ausgeschüttet werden. UEFA und CONCACAF argumentieren, dass die FIFA diese zusätzliche Summe aus ihren vorhandenen Reserven finanzieren könne.

Die von den Verbänden genannten sechs Milliarden Dollar sind allerdings eine Prognose für das Ende des aktuellen Finanzzyklus. Auch die Berechnung, wonach selbst nach der Ausschüttung noch rund 1,5 Milliarden Dollar an Reserven übrig bleiben würden, stammt von UEFA und CONCACAF. Genau deshalb fordern sie eine unabhängige Prüfung der FIFA-Finanzen.

Der Vorstoß steht zugleich im direkten Zusammenhang mit dem inzwischen aufgegebenen Projekt FIFA Forward Enterprise (FFE). Über dieses Modell wollte die FIFA ursprünglich externe Investoren an der Vermarktung ihrer kommerziellen Rechte beteiligen. Nach massivem Widerstand wurde der Plan Ende Juli beziehungsweise Anfang August wieder aufgegeben.

Deutliche Worte aus Deutschland

Zu den schärfsten Kritikern Infantinos zählt inzwischen auch DFB-Vizepräsident Hans-Joachim Watzke, der zugleich Mitglied im UEFA-Exekutivkomitee ist.

Watzke forderte am Donnerstag beim BIG BANG KI Festival in Berlin erstmals öffentlich den Rückzug des FIFA-Präsidenten. „Er sollte weg, ohne Wenn und Aber“, sagte Watzke.

Als Gründe nannte er unter anderem den von Infantino initiierten FIFA-Friedenspreis für US-Präsident Donald Trump, die Aufhebung der Sperre des US-Nationalspielers Folarin Balogun bei der WM sowie den gescheiterten Investorenplan rund um FIFA Forward Enterprise.

Beim FFE-Projekt kritisierte Watzke insbesondere die fehlende Einbindung der FIFA-Gremien. Die FIFA sitze auf einem „riesigen Geldberg, der eigentlich uns gehört, den Nationalverbänden“, sagte er sinngemäß und stellte damit auch die grundsätzliche Notwendigkeit externer Investoren infrage.

Machtkampf vor der Wahl im März 2027

Der Streit kommt zu einem politisch wichtigen Zeitpunkt. Gianni Infantino will sich am 18. März 2027 beim FIFA-Kongress in Rabat um eine vierte Amtszeit bewerben. Die Bewerbungsfrist für weitere Kandidaten läuft bis zum 18. November.

Aktuell ist Infantino der einzige offiziell bekannte Kandidat. Ein Gegenkandidat der UEFA oder CONCACAF steht bislang nicht fest. CONCACAF-Präsident Montagliani wird zwar als möglicher Herausforderer gehandelt, eine offizielle Kandidatur gibt es bislang jedoch nicht. Auch UEFA-Präsident Ceferin hat ausgeschlossen, selbst anzutreten.

UEFA und CONCACAF verfügen gemeinsam über 90 der 211 Stimmen im FIFA-Kongress. Für eine Wahl reicht eine einfache Mehrheit. Ob sich die Kritiker Infantinos auf einen gemeinsamen Herausforderer verständigen können, ist derzeit offen.

Vorgeschichte des Streits

Der aktuelle Konflikt hatte sich im Sommer deutlich verschärft. Ende Juli wurde bekannt, dass die FIFA über die Gründung der FIFA Forward Enterprise nachgedacht hatte. Die neue Gesellschaft sollte kommerzielle Aktivitäten des Weltverbands bündeln und für externe Investoren geöffnet werden.

Nach dem öffentlich gewordenen Widerstand aus Europa zog die FIFA das Modell wenige Tage später zurück. UEFA und mehrere europäische Verbände hatten zuvor mit einem Boykott von FIFA-Veranstaltungen gedroht. Diese Eskalation wurde nach Zusicherungen, dass das FFE-Modell endgültig vom Tisch sei, wieder entschärft.

Parallel dazu verfolgt die UEFA einen juristischen Weg. Der Verband hat vor einem US-Gericht die Herausgabe von Dokumenten und Aussagen von FIFA-nahen Gesellschaften beantragt. Diese Informationen sollen nach Darstellung der UEFA für eine mögliche Strafanzeige beziehungsweise ein mögliches Strafverfahren in der Schweiz relevant sein.

Im Raum steht dabei der Vorwurf, dass bei der Vorbereitung des FFE-Modells normale FIFA-Gremien und Entscheidungswege umgangen worden sein könnten. Ein entsprechendes Strafverfahren gegen Infantino ist bislang jedoch nicht eröffnet.

Damit hat der Machtkampf zwischen UEFA, CONCACAF und Infantino längst mehrere Ebenen erreicht: Es geht um Milliardenbeträge, die künftige Finanzierung des Weltfußballs, die Kontrolle über kommerzielle Rechte und nicht zuletzt um die Frage, wer die FIFA ab März 2027 führen soll.

Die Forderung nach 2,1 Milliarden Dollar dürfte diesen Konflikt jedenfalls weiter verschärfen. Die FIFA selbst hat auf die Forderung von Ceferin und Montagliani bislang nicht offiziell reagiert.

Impressum des Publishers ansehen