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·11. September 2026

MSV: Schmoldt über Ziele, Zusammenhalt und Finanzen

Artikelbild:MSV: Schmoldt über Ziele, Zusammenhalt und Finanzen

Chris Schmoldt ist in seinem elften Jahr beim MSV Duisburg. Seit dem Neuaufbau in der Regionalliga West gilt der Sportliche Leiter als einer der Macher der aktuellen Erfolgswelle bei den Zebras. Wie ihm das gelungen war – und wie der 43-Jährige die derzeitige Lage seines Vereins hinsichtlich der sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung einschätzt – erzählte Schmoldt im Podcast "Streifendienst".

Preetz sorgte für "Hallo-Wach-Effekt"

Duisburg ist ein Gründungsmitglied der Bundesliga, der MSV ist ein Traditionsklub. Der Verein gehört, wie auch andere Klubs, mindestens in die 2. Bundesliga, wird mancher Fußballromantiker wohl behaupten. Doch in der Realität wurden die Zebras zunächst zur Fahrstuhlmannschaft, bis die Rückkehr ins Unterhaus angesichts wiederkehrender Abstiegssorgen in der 3. Liga utopisch wurde. Und in stetiger finanzieller Schieflage verkam der MSV zur grauen Maus, die in Folge jahrelanger Fehlentscheidungen in die Regionalliga abstürzte. Das war der Zeitpunkt, an dem auch Chris Schmoldt über seine Zeit in Duisburg nachdachte. "Der Hallo-Wach-Effekt war definitiv die Verpflichtung von Michael Preetz. Ich kannte ihn bis dahin auch nur vom Hörensagen oder aus dem Fernsehen", erzählte der Sportliche Leiter der Zebras im Podcast "Streifendienst". Der Ex-Profi der Duisburger stieß einen Prozess an, der den MSV aus der Tristesse befreien sollte.


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Auf den Neuaufbau in der Regionalliga folgte dann beinahe der Durchmarsch in die 2. Bundesliga. So nah waren die Duisburger, die in ihrer Vergangenheit oftmals ihre Überlebensfähigkeit in der 3. Liga fürchteten, seit Jahren nicht mehr dran. Und mit dem abermals perfekten Saisonstart ist die Euphorie an der Wedau weiter ungebrochen – besonders nach dem in Unterzahl gedrehten Spiel in Regensburg. "Da sind nicht nur die Menschen auf der Tribüne ausgeflippt, sondern wir unten auch", so Schmoldt. "Wir machen unsere Schritte, und ich glaube, dass wir noch nicht fertig sind. Das weiß auch die Mannschaft, die einfach total bereit und willig ist. Die Spieler haben Bock." Und gerade dieser Umgang miteinander sei einer der größten Faktoren für die Erfolgsserie der Duisburger, die prinzipiell mit dem Abstieg aus der 3. Liga angefangen hat.

"Wir mussten keinen Zaubertrank rühren"

Das übergeordnete Ziel, so Schmoldt, wird die 2. Bundesliga sein. Auch der Sportliche Leiter der Zebras ist jemand, der den Verein mit seinen Voraussetzungen langfristig im Unterhaus sieht. "Fakt ist aber auch, dass wir seit acht Jahren nicht mehr dort waren und die Arbeit über all die Jahre dazu geführt hat, dass wir nicht mehr Zweitligist waren", ordnete Schmoldt die Vergangenheit auch kritisch ein. "Deswegen muss man resümieren, dass wir dann auch zurecht da sind, wo wir sind. Aber anders als die Jahre zuvor nehmen die 3. Liga jetzt als die 3. Liga mit all ihren Besonderheiten an. Und auch den Spaß, den diese Liga bereitet." Aus einem vermeintlichen Fluch wurde aus der Sicht der MSV-Verantwortlichen inzwischen ein Segen – und auch faktisch war klar: Besser 3. Liga als Regionalliga. Das Ende der Fahnenstange soll damit aber nicht erreicht sein, wenngleich Schmoldt den Aufstieg in dieser Saison weiter nicht als Ziel ausrief: "Was jetzt passiert, ist gut für einen möglichen Aufstieg. Wir wissen, dass wir eine Mannschaft haben, die bis zum Saisonende oben mitspielen kann und auch wird." Eine Garantie gäbe es trotzdem nicht.

Doch wie konnte der MSV diesen Schritt gehen? Finanziell gehörten die Zebras oft zu den Sorgenkindern der Liga, jetzt musste Duisburg nicht einmal umworbene Leistungsträger abgeben. "Die Jungs erregen Aufmerksamkeit auf dem Markt, das ist ja klar. Und wenn wir unser Ziel nicht erreicht haben, dann werden sie vielleicht für andere interessant. Da hat es sicherlich auch die eine oder andere Anfrage gegeben, aber das Stichwort ist vielleicht schon die Identifikation", führte Schmoldt aus, weshalb die Zebras ihre Spieler beisammen halten konnten. "Wenn ein Spieler höher spielen kann, dann beschäftigt er sich schon damit. Das ist ja ganz normal und das würde jeder von uns ja auch so machen. Aber es hat nie jemand richtig darauf gedrängt. Wir mussten keinen Zaubertrank rühren oder sonst irgendetwas machen. Es ist einfach ein guter Austausch mit den Jungs, die ganz klar signalisieren, dass sie sich mit der Aufgabe beim MSV identifizieren."

"Wir haben schon vernünftige Möglichkeiten"

Trotzdem spielen die Spieler an der Wedau nicht für Luft und Liebe, so viel steht fest. Aber der notorisch klamme MSV hat sich gewandelt. "Wir haben schon vernünftige Möglichkeiten, das muss man schon sagen. Das ist so, weil wir auch die Strategie im Gehaltsgefüge angepasst haben im Vergleich zu den Jahren zuvor. Wir versuchen, die Jungs beisammen zu halten, und die Schere zwischen ihnen nicht so groß werden zu lassen. Man muss einfach sagen, dass heutzutage, und das ist nicht nur bei uns oder nur im Fußball so, die Spieler oder jeder andere Arbeitnehmer, schon auch über das Geld redet", erläuterte Schmoldt. Dass Duisburg inzwischen wieder mit einem Schnitt von 20.000 Zuschauern pro Partie rechnen kann, trug in den vergangenen Jahren logischerweise auch als weiterer Faktor zur wirtschaftlichen Lage bei.

Und natürlich der sportliche Erfolg, sowie der spürbare Zusammenhalt in der Mannschaft. "Da ist auch dieses Band zwischen den Fans und dem Team. Das ist schon zu etwas Besonderem geworden in den letzten zwei Jahren und das hilft auch, die Spieler zu halten", verriet Schmoldt. Auf dem Platz, insbesondere auf dem Trainingsgelände, führe wiederum kein Weg am Cheftrainer vorbei. Der Sportliche Leiter war sich sicher: Dietmar Hirsch zählt zu den Erfolgsgaranten. "Das muss ich wirklich sagen, dass der Zusammenhalt eine Trainerleistung ist", fand Schmoldt. "Das wird manchmal unterschätzt. Das sind Profifußballer und so, aber nein, sie sind vor allem Menschen, bei denen immer auf die Leistung geguckt wird, die immer performen müssen. Unser Trainer hat ein sehr, sehr gutes Verständnis für die Jungs und wird dann auch nicht müde, selbst, wenn wer auch mal genervt ist, wenn etwas nicht umgesetzt wird. Aber er bleibt halt am Menschen dran." Eine Linie, mit der die Duisburger nun schon seit über zwei Jahren sehr erfolgreich fahren.

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